Ein Prosit auf den Mai!

Sie ist grün, wohlschmeckend und manchmal hochprozentig: die Maibowle. Waldmeister oder Maikraut wird die Pflanze genannt, die zum Ansetzen der Bowle benötigt wird. Als Erfinder des duftigen Getränks mit dem würzigen Geschmack gilt der Benediktinermönch Wandalbert aus dem Kloster Prüm.

Prüm. Waldmeister oder Maikraut wird jene Pflanze genannt, die zum Ansetzen der Bowle benötigt wird. Sie wächst von April bis Juni in lichten Buchenwäldern. "Das Kraut soll nicht blühen", wissen die Erfahrenen. Darum ist die beste Erntezeit stets der frühe Mai. Ein bis zwei volle Hände mit Waldmeistergrün sollte man einige Zeit trocknen lassen, damit sich die Geschmacksstoffe besser entfalten. Dann in einen Liter trockenen Weißwein einlegen und diesen Ansatz für einige Stunden kalt stellen. Fertig ist die Bowle, die vor dem Servieren noch mit Sekt oder auch Mineralwasser aufgefüllt wird.stadt geschichte(n)

Hört sich gut an, schmeckt auch gut. Aber vorsichtig, denn das Köstliche an dieser Maibowle ist zugleich auch das Gefährliche. Denn die Waldmeisterpflanze enthält den Wirk- und Aromastoff Cumarin. Er ist schwach giftig und kann bei zu vielen Gläsern zu Kopfschmerzen führen. Doch liegt auch hier der Genuss im richtigen Maß. Die medizinische Heilwirkung des Waldmeisters kannten bereits unsere Vorfahren, die Kelten, und wandten ihn als krampflösendes Mittel an.Im Jahr 854 erstmals erwähnt

Aber als Erfinder der Maibowle gilt immer noch der Benediktinermönch Wandalbert aus dem Kloster Prüm (geboren 813; gestorben um 870). Im Jahr 854 beschrieb er nicht nur die medizinische Nutzung des Waldmeisters zur Behandlung von Infektionen, Herzbeschwerden und Schlafstörungen, sondern hielt auch erstmalig fest, dass Waldmeister hervorragend schmecke, wenn er mit etwas Wein aufgegossen würde. Mönch Wandalbert kannte sich mit Heilpflanzen und in der Landwirtschaft bestens aus. Daneben war er auch ein Dichter. So ist von ihm ein Lehrgedicht überliefert, in klassischen Hexametern nach den Regeln der damaligen Dichtkunst. In epischer Breite beschreibt er so die Arbeiten eines Bauern im Laufe eines Jahres, das Landleben, die Jagd, die Fischerei, den Obst- und den Weinbau.Dabei erwähnt er auch, den Waldmeister mit Wein zu mischen: "Jetzt ist es ratsam, den herben Wein mit duftigen Kräutern zu mischen und mit den Säften, die zu mancher Arznei die Fluren hervorsprießen lassen."Und schon war der Wein nicht mehr so sauer-herb, schmeckte besser und half dem Körper auch noch bei seiner Gesundung. Der langjährige Schriftleiter des Eifelvereins, Dr. Viktor Baur aus Daun, hat Mönch Wandalbert von Prüm und dessen Erfindung der Maibowle ein langes Gedicht gewidmet, in dem es gegen Ende heißt: "Und Wandalbert schritt, der sorgliche Bruder, hinan zu dem saueren Iversheim-Fuder und füllt\' einen Zuber vom Spund, und legt die Waldmeister-Kräuter hinein, fügt einen guten Span Honig noch ein und legt drauf den Deckel rund. Doch der Tag ward ihm lang - die Mönche, sie schwiegen. Und am Abend erst ist er zum Keller gestiegen. Und hob vom Zuber die tönerne Platte, was war denn das? Er hatte dem saueren Wein doch nur soeben ein Bündelchen Maikräuter beigegeben. Er lief hinauf. All\' mussten es sehn: "Herr Abt, es ist ein Wunder geschehn." Und es stiegen der Abt, die Mönche, die Brüder, die steilen Stufen zum Keller hernieder und probten, was Wandalbert unten geglückt, und waren erbaut. Und schnalzten verzückt sie und tranken - und wollten immer noch mehr - den 50-Liter-Zuber leer. Bruder Wandalbert hatte in wenigen Stunden die erste Waldmeisterbowle erfunden." avi