Ein rastlos Reisender in Sachen Recht und Politik

Ein rastlos Reisender in Sachen Recht und Politik

Als Landesvorsitzender der rheinland-pfälzischen Linken tritt der Rommersheimer Rechtsanwalt Wolfgang Ferner nun auch bei den Landtagswahlen am 27. März an. Der TV besuchte den 58-Jährigen daheim im Eifeldorf bei Prüm.

Rommersheim. Wolfgang Ferner privat? Das ist gar nicht so einfach. Erst einmal muss man den Landtagskandidaten der Linken überhaupt erwischen: Der Mann ist immerhin Landesvorsitzender seiner Partei und deshalb nicht nur in seinem Wahlkreis unterwegs - gerade jetzt, so kurz vor dem entscheidenden Termin am Sonntag.

Zudem hat der 58-Jährige neben der Politik noch eine andere Beschäftigung: Wolfgang Ferner ist seit mehr als 30 Jahren Rechtsanwalt, Seniorpartner bei "Ferner & Kollegen" mit Büros in Karlsruhe, Heidelberg, Koblenz, Stuttgart und in seinem Heimatort Rommersheim. Rund 150 bis 200 Fälle betreut er im Jahr.

Der Experte für Straf- und Verkehrsrecht ist zudem am internationalen Gerichtshof in Den Haag tätig - und wurde vor zwei Jahren von der "Wirtschaftswoche" als einer der zehn besten Verkehrsanwälte in Deutschland bezeichnet.

War's das? Nicht ganz: Ferner, der 1952 bei Aachen geboren wurde, gibt auch noch eine Zeitschrift über Verkehrsrecht heraus. Und verfasst juristische Fachbücher: "Ich glaube, ich habe acht oder neun geschrieben und zwei größere Werke herausgegeben." Das jüngste davon ist hantelschwer: 2600 Seiten hat der "Fachanwaltskommentar Verkehrsrecht", gut 800 davon schrieb Herausgeber Ferner selbst.

Seit elf Jahren lebt er mit seiner Frau Judith (die nicht in die Öffentlichkeit will) im umgebauten, geräumigen und wunderschön geratenen Haus in Rommersheim - einem typischen "Trierer Quereinhaus" mit Wohn- und landwirtschaftlichen Räumen unter einem Dach. Und mit herrlichem Gartengrundstück an der Rückseite - 1800 Quadratmeter groß. "Für Rommersheimer Verhältnisse winzig", sagt Ferner.

"Unser Plan war, als wir 2000 in die Eifel gezogen sind, dass ich ein bisschen ruhiger mache", sagt er. "Das hat nicht ganz geklappt." Und dann ließ er sich auch noch mit der Parteipolitik ein. Was sagt die Gattin dazu? "Dass ich bekloppt bin", sagt Ferner und lacht.

Dabei wirkt der "Bekloppte" wie das genaue Gegenteil: Stets von sehr aufgeräumter Art, rhetorisch immer auf den Punkt, dazu korrekt gekleidet und von ausgesuchter Höflichkeit. Aus seinem Parteiumfeld ragt der Mann heraus wie ein Storch im Froschtümpel.

Sehr aufgeräumt auch die großen Bücherregale: Neben einer umfassenden juristischen und politischen Bibliothek im Büro findet man in einem weiteren Raum Romane, Erzählungen, viele Krimis und Thriller, darunter auch eine ganze Abteilung zur Eifel. Allein dieser Regalabschnitt - inklusive Bildbänden, historischen Büchern und Reiseführern durch die Region - ist von respekteinflößendem Umfang.

Die vier Töchter sind erwachsen, weit verstreut und sämtlich berufstätig. Dafür sind fünf Katzen bei den Ferners eingezogen, "alle zugelaufen". Einer der zwei Kater heißt "Big Jim", tigerte aber eine Zeitlang unter dem Namen "Billen" durchs Haus. Ferner lacht wieder: "Weil es seine Art war, sich überall reinzudrängen."

Ferners Hobby? "Ich glaube, die Frage erübrigt sich." Da engagiert er sich lieber für das bisschen Familienleben, das ihm derzeit bleibt: "Mein größtes Hobby, wenn Sie so wollen, ist meine Enkeltochter aus den USA, die uns jeden Sommer für vier Wochen besucht", erzählt Ferner. "Die ist jetzt zehn. Seit sie sieben Jahre alt war, kommt sie alleine rüber. Und dann machen wir immer eine schöne Reise."

Ob ihn seine aktuelle Reise bis in den Mainzer Landtag führen wird, steht noch nicht fest. Aber auch wenn es nicht dazu kommt: Wolfgang Ferner wird weiterhin viel unterwegs sein.

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