Ein Raum - unterschiedliche Perspektiven

Aufgrund der stetigen Baulanderschließung wächst die Bevölkerung in Stahl so stark wie in keinem anderen Bitburger Stadtteil. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, ist die Erweiterung des Dorfgemeinschaftshauses geplant, und in einer Einwohnerversammlung wurden die Bürger über den vorläufigen Stand der Planungen informiert.

Bitburg-Stahl. Das Dorfgemeinschaftshaus in Stahl ist zu klein. Denn von den rund 1000 Menschen, die in dem Bitburger Stadtteil leben, passen nur zehn Prozent in den Hauptsaal des Gemeindehauses. Und das auch nur, wenn alle stehen. Bei Sitzveranstaltungen reduziert sich die Kapazität auf maximal 85 Menschen. Allein schon deshalb hätte es an diesem Abend ungemütlich eng werden können, doch da von 1000 Stahlern lediglich 60 der Einladung zur Infoveranstaltung gefolgt sind, reicht der Platz. Früher wurden hier Schüler unterrichtet. Heute treffen sich hier Yoga- und Seniorengruppen sowie Tischtennisspieler und Vereine. Und speziell an diesem Mittwochabend sitzen hier Bürger, die über die vorläufigen Pläne zur Erweiterung des Gebäudes informiert werden.

"Wir wollen keine Konkurrenz zur Stadthalle werden, und uns ist auch sehr daran gelegen, die einzige Gaststätte im Dorf zu erhalten", sagt Ortsvorsteher Rudolf Rüdesheim. Doch bereits jetzt sei die alte Schule, die Mitte der 80er Jahre zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut wurde, zu klein. Und weil in den kommenden drei bis fünf Jahren mit einem Anstieg auf 1300 Einwohner gerechnet werde und die alte Schule weder einen behindertengerechten Eingang noch behindertengerechte Toiletten habe (die liegen im ersten Stock), sei nun ein Anbau vorgesehen - mit einem Foyer, Toiletten und einer Küche sowie einem Saal, der Platz für 200 Besucher bieten soll.

Der in Stahl lebende Architekt Manfred Weber, der auch dem Ortsbeirat angehört, hat dazu die Pläne entworfen, und seine Vorstellung von einem Anbau, mit dem der Dorfbild prägende Charakter der 1911 errichteten Schule weitestgehend erhalten bleibt, stößt bei den Bürgern auf allgemeine Zustimmung und Lob.

Doch nicht jeder, dem dieser Plan gefällt, ist mit dessen Umsetzung einverstanden. So ist einigen der Anbau zu groß, andere vermissen die dazu gehörenden Parkplätze, und wieder andere fragen sich, ob ein größerer Veranstaltungssaal überhaupt notwendig ist. Denn Stahl sei nun mal angesichts seiner rasanten Entwicklung kein natürlich gewachsener Ort mit einem dementsprechenden Gemeinschaftsgefühl.

"Man sollte ihm aber die Chance geben, einer zu werden", meint dazu Ortsvorsteher Rüdesheim, der unter den Bürgern, die vor ihm sitzen, auch viele Befürworter des Projekts hat.

Von einer "echten Investition in die Zukunft", spricht eine Bürgerin, und auch für Rüdesheim stellt sich die grundsätzliche Frage: "Wollen wir wirklich nur eine Schlafstätte für Bitburg sein?"

Extra Kosten des Umbaus: Nach Stand der vorläufigen Planungen wird für die Erweiterung des Dorfgemeinschaftshauses um weitere 340 Quadratmeter mit Kosten von insgesamt 860 000 Euro gerechnet. Geplant ist, davon 823 000 Euro zu 65 Prozent über das Dorferneuerungsprogramm des Landes fördern zu lassen. Ein entsprechender Antrag liege in Mainz vor, jedoch werde mit einem Bescheid frühestens in 2011 gerechnet, sagt der Ortsvorsteher. Abzüglich des Beitrags der Erschließungsträger und des Anteils der Stadt Bitburg blieben dann für Stahl Kosten von 90 000 Euro. Diese könnten nach Auskunft des Ortsvorstehers über das zur Verfügung stehende Budget abgedeckt werden, da Stahl mit Blick auf den Umbau bei sonstigen Investitionen sehr zurückhaltend sei und somit Rücklagen im städtischen Haushalt anspare. (uhe)