Ein Schloss, viele Ideen und keine Lösung
Imposant, repräsentativ, verhältnismäßig günstig - und trotzdem schwer zu verkaufen: Seit 20 Jahren ist die Verbandsgemeinde Kyllburg auf der Suche nach einem Käufer für das Schloss Malberg (der TV berichtete). Von ambitioniert bis windig, von kurios bis obskur reichen die Ideen der Investoren, die bislang Interesse am Kauf signalisiert haben.
Malberg. Das Schloss Malberg als Swinger-Club? Die Idee könnte erfolgreich sein: Abgeschieden genug liegt die 730-Seelen-Gemeinde der Verbandsgemeinde (VG) Kyllburg - potenzielle Besucher hätten die Möglichkeit, wenn sie denn wollten, unerkannt dorthin zu gelangen. Und auch wieder weg. Zudem ist die Verkehrs-Anbindung keine so schlechte: Die B 51 und die A 60 sind schließlich nicht fern.
"Ich bin da inzwischen tabulos", sagt Bernd Spindler, Bürgermeister der VG Kyllburg, über die Anfrage eines Investors, das Schloss in ein ebensolches Etablissement zu verwandeln. Aber ein Swinger-Club - das passe dann wohl doch nicht so richtig ins beschauliche Malberg. Nicht die einzige kuriose Idee, mit der potenzielle Käufer des Schlosses in den vergangenen Jahren an die Verbandsgemeinde herangetreten sind: Spindler erinnert sich an ein paar windige Gestalten, die nach seinen Vermutungen ihr Schwarzgeld in der Eifel verbauen wollten, oder aber auch an einen Investor, der im Schloss ein Bernstein-Museum unterbringen wollte.
Obskur und reichlich morbide war auch der Einfall eines Interessenten, die hoch-herrschaftlichen Räume zu Erinnerungsstätten für etwas betuchtere Verstorbene umzuwidmen - einschließlich Urnen und Bildern der Toten.
Ganz zu schweigen von den zahlreichen Privatleuten, die in den vergangenen 20 Jahren, seitdem die VG als Eigentümerin das Schloss wieder zu verkaufen versucht, ihren Traum vom eigenen Schloss verwirklichen wollten. "Das aber ist ein Fass ohne Boden", warnt Spindler und verweist auf die Betriebskosten, die jährlich in einen hohen fünfstelligen Bereich gehen - und das, obwohl die Anlage zurzeit kaum genutzt wird und nur eine Not-Beheizung erfolgt.
Deswegen setzt Spindler weiterhin auf die Vision einiger Interessenten, aus dem Schloss ein Luxus-Hotel zu machen: Seit mehreren Monaten liebäugeln niederländische Investoren mit dieser Idee, aber auch mit einem französischen Geldgeber und einer Investoren-Gruppe aus Bangladesch, Mexiko und Dubai gebe es Gespräche über ein ähnliches Nutzungskonzept. Doch die ziehen sich hin, trotz des "Schnäppchen-Preises" von rund 600 000 Euro. Denn fürs Luxus-Hotel braucht es wahrscheinlich noch weitere acht bis zehn Millionen. Ganz zu schweigen von dem nicht vorhandenen Angebot für die anspruchsvollen Urlauber in der näheren Umgebung. "Die Leute wollen lustwandeln", sagt Spindler, "und wir haben dahingehend noch nichts zu bieten."
Insofern könnte die Idee eines weiteren Investors aus Köln möglicherweise sogar einfacher umzusetzen sein: Schloss Malberg in ein privates Internat umzubauen. Eine Art Salem in der Eifel - die Schüler könnten garantiert ungestört lernen.
Extra Die Geschichte: Zwischen 1708 und 1715 wurde das Schloss Malberg von dem kurpfälzischen Hofbaumeister Graf Matteo Alberti für den Kölner Weihbischof von Veyder im Stil des venezianischen Barocks errichtet. Bereits 1591 bis 1597 entstand das Alte Haus. Die dreiflüglige Anlage aus dem Alten und Neuen Haus sowie dem Arkadenbau gruppieren sich um einen Innenhof. Zur Schloss-Anlage gehören außerdem noch eine Brauerei, die Kapelle sowie der "Runde" und der "Eiserne Garten". Im Frühjahr 2000 wurde Schloss Malberg, das auf einem Bergsporn gelegen ist, der im Tal von der Kyll umflossen wird, als "Denkmal von besonderer nationaler kultureller Bedeutung" ausgezeichnet. (neb)Extra Das Schloss heute: Etwa 7,5 Millionen Euro inklusive Kaufpreis hat die Verbandsgemeinde Kyllburg in das Schloss Malberg gesteckt, seit sie es 1989 erworben hat. Investiert wurde in die Substanz der gesamten Anlage, in die Dächer, die statische Sicherheit, in bessere Fenster, in die Versorgungstechnik und in vieles mehr. Außerdem wurden drei repräsentative Räume im Neuen Haus restauriert: Die Holz-Fußböden wurden hergerichtet, Strom- und Wasserleitungen gelegt, die Stuckdecken auf Vordermann gebracht, die Kamine saniert und die aufwendigen Verzierungen über den Türen sowie kostbare Wandbehänge angebracht. (neb)