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Ein Spielplatz auf dem alten Friedhof

Ein Spielplatz auf dem alten Friedhof

Bäume, Käfer, Bienen Spinnen: Schulkinder der Mettendorfer Hildegardis-Grundschule lernen auf dem Gelände des ehemaligen Friedhofs alles über den Wald. Der Eifelverein hat den Gottesacker zuvor neu gestaltet.

Mettendorf. Am Ende des Waldweges oberhalb von Mettendorf rennen und klettern Kinder zwischen und auf den Bäumen herum. Andere sitzen auf Holzklötzen, malen und basteln.
Die Arbeitsgruppe "Der Natur auf der Spur" ist jeden Donnerstagnachmittag für zwei Unterrichtsstunden draußen im Wald. "Wir suchen die Bäume, zu denen diese Blätter gehören", sagt der neunjährige Steven Göbel.
Rund 30 Drittklässler erkunden die Natur, die nur zehn Minuten Fußweg von der Hildegardis-Grundschule entfernt liegt. Jeden Monat beschäftigen sie sich mit einem anderen Thema. Diesmal sind Blätter und Bäume an der Reihe, im letzten Monat waren es Spinnen. "Die Kinder schärfen hier ihren Sinn für die Einzelheiten und Kleinigkeiten in der Natur", sagt Lehrer Harald Groß. Erst beim zweiten Blick auf das terrassenförmig angelegte Gelände fallen die Grabkreuze auf. "Wir befinden uns hier auf dem alten Friedhof der Gemeinde Mettendorf", erklärt Reinhold Hoffmann, Vorsitzender der Ortsgruppe des Eifelvereins. Der Eifelverein hat die Grabkreuze restauriert und aufgestellt. Vor zwei Jahren hatte der Verein beschlossen, das Gelände neu zu gestalten. Die Wege wurden befestigt und die zugewachsene Anlage mit ihren drei Terrassen freigeschnitten und geräumt. Zudem wurden ein Tisch und zwei Bänke aufgestellt und eine Schautafel installiert, die das Leben der Traubeneiche erklärt. Im kommenden Jahr soll oberhalb des Geländes sogar ein Naturlehrpfad entstehen.
Eifelverein gestaltet Gelände



Bürgermeister Paul Lentes freut sich über das Engagement des Eifelvereins: "Die Gedenkstätte bleibt mit Hilfe des großen ehrenamtlichen Einsatzes erhalten. Ein weiterer positiver Aspekt ist die Erweiterung der Fläche, auf der die Kinder spielen und lernen können." Für die Gemeinde seien keine Kosten entstanden, erklärt Lentes. Der Ortsvereinsvorsitzende des Eifelvereins, Reinhold Hoffmann, beziffert den Wert der Eigenleistung auf rund 5000 Euro.
Die Hildegardis-Grundschule nutzt das Stück Gemeindewald bereits seit dem Jahr 2007. Die ersten Klassen, die damals in der Natur spielend lernten, erzielten im Bundeswettbewerb "Geo-Tag der Artenvielfalt" den dritten Platz. "Im gleichen Jahr begannen die Hauptschüler des Ortes damit, das Waldklassenzimmer zu gestalten", sagt Harald Groß. Im Rahmen einer Projektwoche entstanden Nistkästen, Artenbeschilderungen der Bäume und ein Barfußpfad. "Die eigentliche Gestaltung eines grünen Klassenzimmers mit 20 Holzklotz-Sitzen, einer Treppe zwischen den Terrassen und der Bau des Zaunes am Abhang erfolgten 2009", erzählt Groß. Rund 1000 Euro an Materialkosten setzte die Schule ein. "Der Rest entstand mit Hilfe der Eigenleistung des Eifelvereins und dem Einsatz der Bürgerservice GmbH und ihrer 1-Euro-Jobber", sagt Groß. In den vergangenen Monaten haben die Grundschüler im Wald ein Insektenhotel gebaut und zahlreiche Bäume beschildert. Alle Klassen nutzen inzwischen das Waldstück als außerschulischen Lernort - insbesondere aber die seit der Einführung der Ganztagsschule bestehende Arbeitsgruppe "Der Natur auf der Spur".
"Hier gibt es Igel, Ameisen, Ohrenkneifer und Wildbienen", schwärmt die neunjährige Leonie Domas. "Und im Winter kann man bestimmt toll Schlitten fahren", ergänzt ihr Klassenkamerad Sven mit einem Blick auf die steil abfallenden Terrassen.Extra

Der ehemalige Friedhof Mettendorfs am Hardtberg wurde 1875 hergerichtet und bereits 1925 stillgelegt. Grund für die rasche Schließung war die steile Hanglage und der felsige Untergrund, die eine Erweiterung der Anlage unmöglich machten. Bis 1970 blieb der Friedhof eingesegnet, im Folgejahr wurde er abgeräumt. 2010 beschloss der Eifelverein Ortsgruppe Mettendorf-Sinspelt, das Gelände neu zu gestalten und einen Teil des alten Gottesackers als Gedenkstätte auszuweisen und zu erhalten. Einige Grabsteine konnten noch ausfindig gemacht und mit Hilfe der Ortsgemeinde wieder errichtet werden. now