Ein Studium nah an der Praxis

Ein Studium nah an der Praxis

Zwei auf einen Streich - so könnte man ein duales Studium beschreiben. Innerhalb von drei Jahren gibt es nämlich im Wechsel eine betriebliche und eine Hochschulausbildung. Etwa zehn Betriebe im Eifelkreis bieten diese Ausbildung an. Der TV hat nachgefragt, was dahintersteckt und welche Vorteile diese Art der Ausbildung Lehrlingen und Betrieben bietet.

Bitburg/Prüm. Arbeitgeber verlangen einiges von ihren potenziellen Angestellten. Vor allem sollen sie einen Studienabschluss haben, gleichzeitig aber Berufspraxis vorweisen. Wie das Hand in Hand gehen kann, zeigt das duale Studium (siehe Extra).
Auch der Caritasverband Westeifel bietet seit vier Jahren einen solchen Studiengang an. Im Oktober 2013 soll zum dritten Mal ein Bewerber die Möglichkeit einer dualen Ausbildung erhalten, die mit dem Bachelorabschluss als Sozialarbeiter oder Sozialpädagoge beendet wird.
Nach Angaben der Agentur für Arbeit bieten im Eifelkreis derzeit zehn Unternehmen duale Studiengänge an. Unter den Anbietern seien Banken und Industrieunternehmen, genauso wie Firmen aus dem technischen Bereich und der Baubranche. Einige Unternehmen würden diese Art der Lehre bereits seit mehreren Jahren anbieten. "Aktuell kommen jedoch immer mehr Firmen dazu", erklärt Isabell Juchem von der Agentur für Arbeit Trier. Auch seitens der Jugendlichen bestehe großes Interesse. Bei der Volks- und Raiffeisenbank Bitburg bewerben sich pro Jahr zwölf Bewerber. "Das sind sieben Prozent aller Bewerber", sagt Carola Schwarz, Personalmanagement, "das Interesse der Schulabagänger steigt mit jedem Jahr."

Gründe der Arbeitgeber: Warum Firmen die kombinierte Lehre attraktiv bewerten, liegt für Winfried Wülferath, Geschäftsführer beim Caritasverband Westeifel in Gerolstein, auf der Hand: "Das ist eine tolle Möglichkeit, erstklassig ausgebildete Nachwuchskräfte zu gewinnen." Besonders im Controlling- oder Marketingbereich können die Studenten eingesetzt werden, "weil sie weitgefächerter und generalistischer ausgebildet sind", sagt Carola Schwarz. Natürlich kostet der duale Abschluss die Betriebe Geld. "Wir investieren rund 1000 Euro monatlich in die Zukunft", sagt Wülferath. Das sind in drei Jahren rund 36 000 Euro.
Weil die Ausbildung für drei Jahre im Dreimonatsrhythmus zwischen Betrieb und Berufsakademie, wo die Studienphase absolviert wird, wechselt, lernt der Arbeitgeber seinen Azubi genau kennen. Das sieht Wülferath als Vorteil. "Der Unterschied zu einem normalen Studium liegt gerade in der Praxiserfahrung", erklärt er.

Gründe der Arbeitnehmer: Eben weil die Berufserfahrung heute Voraussetzung bei vielen Stellenangeboten ist, können Jugendliche mit dem dualen Studium zweifach punkten. Sie lernen die Praxis im Ausbildungsbetrieb kennen, können aber gleichzeitig einen Bachelorabschluss vorweisen. "Außerdem stehen die Chancen gut, nach dem Abschluss vom Betrieb übernommen zu werden", erklärt Carola Schwarz. Lisa Krißbach, duale Studentin im dritten Semester bei der Volks- und Raiffeisenbank Bitburg, ist froh, dass sie sich für das duale Studium entschieden hat. "Ich wollte praktisch arbeiten und Geld verdienen", sagt sie. Außerdem lerne man durch die Kombination von Ausbildung und Studium mehr, "man kommt beruflich schneller voran".
Auch die Finanzierung des Studiums ist einfacher. Wülferath: "Der Betrieb zahlt dem Azubi während der dreijährigen Ausbildungszeit ein monatliches Gehalt, das um die 1000 Euro liegen kann", sagt er. Zwar müssen Unterkunft und Verpflegung an der Berufsakademie, die im Falle der Ausbildung des Caritasverbands in Baden-Württemberg liegt, vom Studenten selbst getragen werden. Das Gehalt wird jedoch fortwährend, auch in der Studienphase, gezahlt.

Vorteile für die Region: Durch die Kombination von Ausbildung und Studium kann der Lehrling nach Abschluss der Ausbildung im Betrieb bleiben, da er das Studium schon hinter sich gebracht hat. Schwarz: "Die Schulabgänger wollen schneller beruflich vorankommen und wählen dafür das duale Studium."
Laut Wülferath möchten viele Schulabgänger gern in der Eifel bleiben: "Unser Auftrag ist, die Jugend in der Eifel zu fördern." Heimatverbundenheit kann also belohnt werden. "Wir möchten der Region, von der wir leben, etwas zurückgeben", sagt Schwarz. "Deshalb schauen wir uns zuerst Bewerber aus der Region an." Durchschnittlich zwölf Jugendliche würden sich auf einen dualen Studienplatz bewerben. Wülferath: "Bisher hatten wir immer Lehrlinge aus der Eifel."Extra

Das duale Studium ist zweigeteilt und hat eine betriebliche sowie eine Studienphase. Die Ausbildung dauert drei Jahre und wird mit einem Doppelabschluss beendet. Im Dreimonatsrhythmus wird der Azubi abwechselnd im Betrieb und an der Berufsakademie ausgebildet. Während der gesamten Lehrzeit erhält er - auch in der Studienphase - ein monatliches Ausbildungsgehalt. Die duale Lehre gibt es in vielen Berufszweigen wie dem Bankwesen, technischen Berufen oder in Industrieunternehmen. MRA

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