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Infrastruktur: Ein Tauschhandel mit Doppeleffekt

Infrastruktur : Ein Tauschhandel mit Doppeleffekt

Nicht nur Briefmarkensammler tauschen, auch Kommunen. Zum Beispiel die VG Bitburger Land und die Gemeinde Bettingen.

Eine Win-Win-Situation: So kann man das bezeichnen, was die Verbandsgemeinde Bitburger Land und die Gemeinde Bettingen geschaffen haben. Und zwar ganz einfach durch einen Grundstückstausch.

Angefangen hatte alles damit, dass es 2016 erste Planungen gab, einen neuen Netto-Markt zu errichten, und zwar auf einem rund 2000 Quadratmeter großen Areal unterhalb des Friedhofs. Für die für den Markt benötigten rund 50 Parkplätze war aber auf dem Grundstück kein Platz mehr, sodass die benachbarte Wiese ins Gespräch kam. Diese gehörte der VG Bitburger Land und wurde als Bolzplatz genutzt.

Wie es der Zufall will, gehörte ein 1300 Quadratmeter große Grünfläche der Gemeinde. Das, so Rainer Wirtz, Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde, sei die ideale Möglichkeit gewesen, die ohnehin vorgesehene Umgestaltung des Schulhofes zu optimieren. Denn diese Fläche ist, im Gegensatz zum ehemaligen Bolzplatz-Areal, günstiger gelegen: nämlich direkt vor der Schule, angrenzend an den bisherigen Spielplatzbereich.

Also wurde noch mal umgeplant. Denn schon 2015 hatte es erste Konzepte für dieses Projekt gegeben. Anlass dafür war der Ausbau der K 12 gewesen, bei dem auch ein neuer Buswendeplatz, Parkplätze  und eine Zufahrt zur Schule gebaut worden waren. Zudem hatte es eine neue Entwässerung in diesem Bereich gegeben, weshalb die VG beschlossen hatte, gleich den Schulhof mit zu erneuern. Ein Teil des Konzeptes wurde umgesetzt - nämlich die Neubefestigung und Entwässerung des Bereiches links neben der Schule. Allerdings änderte man nun, angesichts der Netto-Markt-Idee, die Planungen für den Spielplatzgelände vor der Schule, der durch den Tausch größer wurde.

Die Beschlüsse in den Ausschüsse wurden gefasst, um die Grundstücke auf die neuen Besitzer zu  übertragen. Die Planung des Büros AF Plan aus Bettingen steht, und der Schulausschuss hat auch schon ein  Unternehmen mit der Umsetzung beauftragt. Die komplette Neugestaltung (einschließlich der bereits erfolgten Sanierung des befestigten Schulhofbereichs) wird die VG voraussichtlich 385 000 Euro kosten. Die restlichen Arbeiten sollen nun im Frühjahr beginnen und nach den Sommerferien fertig sein.

Am Ende soll „eine deutliche Aufwertung des Schulhofes stehen“, sagt Wirtz. Dazu gehört als Kernstück ein Erlebnisspielplatz auf dem ehemaligen Gelände der Gemeinde – mit einem Balanceparcours, Schaukeln, einem Hüttendorf mit Weidentipis, einer Quasselecke, einer Spielwiese, einer Tischtennis-Ecke und einem neuen Bolzplatz.

Zugleich nutzt die VG die Gelegenheit, einen Teil des Hanges, der direkt vor der Schule liegt, zu begradigen und in Zusammenarbeit mit dem Föderverein der Schule ein grünes Klassenzimmer anzulegen, wo die Kinder bei gutem Wetter unter einem Sommersegel draußen lernen können. Im Rahmen der ohnehin notwendigen Tiefbauarbeiten wird auch das Schulgebäude trockengelegt.

Nach den Sommerferien also sollte – bis auf ein paar Kleínigkeiten – die Grundschule innen und außen auf neuem Stand sein, so Wirtz. Schließlich habe die VG seit 2006 auch im Innenbereich schon vieles saniert und brandschutztechnisch erneuert. Immerhin erwartet die VG, geht man nach den Prognosen, dass in fünf Jahren etwa 100 Kinder die Schule besuchen werden. Derzeit sind es 58.

Und wie geht es weiter mit dem Netto-Markt? Ein geeignetes Grundstück und einen Investor, der das Gebäude errichten und an Netto vermieten würde, gibt es schon seit längerem.

Nun gebe es eine Zusage des Mutterkonzerns Edeka und einen 15-Jahres-Mietvertrag mit dem Investor, sagt Ortsbürgermeister Jürgen Holbach. Er geht davon aus, dass zu Beginn des Jahres die Planungsphase abgeschlossen ist und gebaut werden kann. Ende 2019/Anfang 2020 rechnet er damit, dass die ersten Kunden im Markt einkaufen können.

 Neugestaltung_Schulhof_Bettiingen
Neugestaltung_Schulhof_Bettiingen Foto: TV/Lambrecht, Jana

„Wir sind froh, dass das geklappt hat. Zehn Jahre lang haben wir uns um einen Markt hier bemüht“, erklärt Holbach. Das sei für einen 1100-Einwohner-Ort wichtig. Zumal Bettingen laut Regionalem Raumordnungsplan eine Grundzentrumsfunktion für 15 Orte habe. So geht er davon aus, dass auch die Touristen vom Campingplatz Oberweis dort einkaufen werden. Bei der Gestaltung des Marktes und des Marktumfelds will die Gemeinde übrigens darauf achten, ihrem Titel als Sieger beim Landesentscheid 2018 im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ alle Ehre zu machen. Die Prämie soll unter anderem dazu eingesetzt werden, um den diesen Bereich ansehnlich zu gestalten. Wichtig ist Holbach auch noch eine andere Sache: Der künftige Netto-Parkplatz soll öffentlich sein, damit unter anderem auch die Friedhofsbesucher dort parken können.