Ein Tempo-Limit auf der A60 ist für die Polizei kein Thema.

Verkehr : Eifelautobahn ohne Limit

Auf der A 60 in der Eifel gilt freie Fahrt. Die Polizei sieht keine erhöhte Unfallgefahr.

„53-Jährige stirbt bei Unfall auf der A 60“: Diese Schlagzeile stand erst kürzlich nach einem tödlichen Unfall im Volksfreund.
In Höhe des Rastplatzes Nimstal-West war die Frau mit ihrem Auto unter einen vorausfahrenden Sattelzug geraten. Bei dem Aufprall müssen enorme Kräfte gewaltet haben - durch die Aufprallwucht wurde der Mercedes fast komplett unter den LKW-Auflieger gequetscht - nur noch das Heck schaute hervor.

Der Autobahnabschnitt, auf dem der Unfall passierte, gehört zu den rund 60 Prozent der deutschen Schnellstraßen, auf denen nach ADAC-Angaben noch kein Tempolimit gilt. Mehrfach hat es in den vergangenen Jahren auf der A 60 zwischen Wittlich und der belgischen Grenze heftig gekracht. Noch öfter geschah dies auf wesentlich stärker belasteten Strecken der Region wie etwa der A 48/A 1 Koblenz-Trier-Saarbrücken. Aber dort sind die Unfallschwerpunkte bekannt und mit Tempolimits belegt.

Der TV fragt, ob freie Fahrt auch auf der A 60 noch zeitgemäß ist. Eine Ausnahme bildet derzeit ein Abschnitt bei Nimstal in Richtung Belgien. Wegen der schlechten Fahrbahn und kommender Baumaßnahmen wurde dort die Geschwindigkeit auf 120 Stundenkilometer begrenzt. „Die meisten halten sich ans Limit“, sagt Christoph Cremer von der Polizeiinspektion (PI) Prüm, die auch für die A 60 zwischen dem Anschluss Waxweiler und Belgien zuständig ist.

Hält er die A 60 für eine gefährliche Rennstrecke? Cremer verneint das. Die Strecke sei auf keinen Fall ein Unfallschwerpunkt und es gebe keinen Grund zur Tempobegrenzung, auch „wenn ich sicher der Raserei keinen Vorschub leisten möchte“. Ein Tempolimit wäre auch eine Frage der aufwändigen Überwachung wie auch eine Verständnisfrage für die Mehrzahl der Autofahrer auf dieser doch ruhigen Strecke.

Vier Verkehrstote habe es im Prümer A-60-Abschnitt zwischen 2011 und 2013 gegeben. Und wie hoch ist die Zahl der Unfälle insgesamt? Im Bereich der Prümer Polizei gab es laut Cremer in diesem Jahr bisher 1468 Unfälle, davon 55 auf der A 60. 2016 krachte es 53 mal auf der Schnellstraße.

Direkt betroffen vom tödlichen Unfall bei Nimstal war kürzlich die Polizeiinspektion (PI) Bitburg, zuständig für die A 60 zwischen Spangdahlem und Waxweiler. Doch so tragisch das Geschehen auch ist - für Wolfgang Zenner, Leiter der PI Bitburg, sprechen die Fakten gegen ein Tempolimit auf dieser Strecke.

Auch er verweist auf die Statistik für „seinen“ Abschnitt: Von Januar 2015 bis November 2017 gab es hier zwei Todesdopfer, dazu einen Unfall mit Schwerverletzten. Zenners Schluss: „Autobahnen gehören grundsätzlich zu den sichersten Straßen - eine generelle Tempobegrenzung ist nicht erforderlich.“

Das sieht auch der Kollege Johannes Kappes von der PI Schweich so, zuständig für die A 60 vom Kreuz Wittlich bis Spangdahlem. Das letzte Todesopfer dort war Anfang 2016 ein Sprinterfahrer bei Landscheid. Er hatte versucht, bei starkem Regen einen LKW zu überholen. Kappes: „Der Wagen hatte abgefahrene Reifen und der junge Mann war nicht angeschnallt, sonst hätte er den Unfall höchstwahrscheinlich überlebt.“

Ob ein Autobahnabschnitt ein Tempolimit erhält, entscheidet das Autobahnamt Montabaur, Landesbetrieb Mobilität (LBM).

Auch dort betrachtet man die Situation auf der A 60 entspannt. Im aktuellen Zeitraum 2014 bis 2016 gebe es auf der A 60 keinen Unfallschwerpunkt, sagt auf Anfrage LBM-Sprecherin Birgit Küppers.

Dennoch ein Tempolimit auf der A 60 Bitburg-Prüm einführen? Auch der LBM verweist auf die Statistik: Von 2014 bis August 2017 gab es dort 23 Unfälle, bei denen Menschen zu Schaden gekommen sind: drei Menschen starben, acht wurden schwer- und 21 leichtverletzt. Dies liege weit unter dem Landesmittelwert für Autobahnen in Rheinland-Pfalz. Überlegungen zur Einführung eines Tempolimits gebe es daher nicht.

Dies sei auch bei der jüngsten Sitzung der Unfallkommission 2017 kein Thema gewesen.