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Ein Traum in schwarz und gelb: 83-jähriger Imker aus Irrel hat 800 000 Bienen

Ein Traum in schwarz und gelb: 83-jähriger Imker aus Irrel hat 800 000 Bienen

Vor 15 Jahren hat sich Josef Schramer aus Irrel einen Jugendtraum erfüllt. Er machte sich als Imker selbstständig. Damals war er 68. Heute, mit 83 Jahren, verbringt er im Sommer fast jeden Tag bei seinen Bienen in Prümzurlay. Dem TV hat er sein kleines Imkerreich gezeigt und über Glück, Honig, die Varroamilbe und das Ende der Menschheit gesprochen.

Irrel/Prümzurlay. Wenn der grauhaarige Mann mit den kräftigen Händen, der Brille und dem ansteckenden Lachen allein in seiner Imkerhütte ist, sieht er nichts, außer Bäumen, Wiesen und die unzähligen Bienen, die wohl geordnet in ihre kleinen Behausungen aus Holz fliegen. Der Mann heißt Josef Schramer, wohnt in Irrel, ist 83 Jahre alt und Imker. Schramers Imkerhütte liegt idyllisch in Prümzurlay, weit weg von Straßenlärm und Abgasluft. Ein paar Feldwege führen an dem kleinen Tor, das zu seinem Bienen-Reich führt, vorbei.

Wenn der 83-Jährige dort allein ist, hört er nichts, außer dem Summen und Surren der Bienen und den Schmatz- und Scharrgeräuschen, wenn sie fressen oder dicht nebeneinanderher trippeln. Wenn er einen Moment unvorsichtig ist, fühlt er den Stich einer Biene, die den Honig lieber selbst fressen und nicht an den Imker abgeben will.
Und er riecht diese Mischung aus Holz, süßem Honig und den beißenden Geruch des Smokers, einer Art Pfeife, mit deren Rauch aus Pappe und Tannenzapfen er die Insekten besänftigt, um an ihre Behausungen und den Honig zu kommen.

Wenn er die Waben leert und den Honig schleudert - das tut er zwei bis drei Mal im Jahr - bricht er sich manchmal ein Stück Wabe ab und schmeckt die Süße des frischen, dickflüssigen Honigs.
Es ist kurz nach dem Krieg, als Josef Schramer seine Liebe für die Bienen entdeckt. Der damals 15-Jährige hütet das Vieh der Nachbarn, als er auf einer Wiese einen Bienenschwarm findet, fängt und mit nach Hause nimmt. Die Bienen gingen, der Beruf kam, der Traum blieb. Heute lebt er seinen Traum seit 15 Jahren. "Man braucht Glück im Leben, und ich hatte dieses Glück. Ich habe mir immer gesagt, wenn ich in Rente bin, dann mache ich was mit Bienen." Glück, das bedeutet für Schramer, im Frühling und Sommer fast jeden Tag von seinem Haus in Irrel zu seinen Bienen nach Prümzurlay zu fahren. "Wenn man einmal Bienen hat, dann bleibt man dabei. Ich freue mich jedes Frühjahr aufs Neue, wenn ich hier hoch komme und die Bienen leben und fliegen herum."

Glück und natürlich Stolz empfindet er auch, wenn er vor seinen zahlreichen Urkunden und Medaillen steht, mit denen er schon ausgezeichnet wurde.
Insgesamt 20 Völker - jedes Volk umfasst etwa 40 000 Bienen - fliegen auf seinem 5000 Quadratmeter großen Gelände herum. Alleine kann eine Biene nicht überleben. Es ist die Masse, die die kleinen Insekten so produktiv und effektiv arbeiten lässt.

Schramer kennt seine Bienen genau, er weiß alles über ihr Sozialverhalten. Dass sie sich untereinander am Geruch erkennen. Dass eine gewöhnliche weibliche Arbeiterbiene in der Hochsaison nur 40 Tage alt wird, während die Königinnen bis zu fünf Jahre alt werden können. Und dass die unbegattete Königin zehn Tage, nachdem sie geschlüpft ist, ihren Hochzeitsflug antritt. Dann stürzen sich alle Drohnen auf sie. Die männlichen Bienen haben nur ein Ziel und erfüllen nur einen Zweck: die Königin zu begatten. Danach bricht ihr Begattungsschlauch ab, sie fallen tot zu Boden.
Schramer arbeitet geduldig und gewissenhaft weiter, während er zufrieden lächelnd von seinen Bienen erzählt. Sein Wissen hat sich selbst angeeignet und zahlreiche Seminare an der Imkerschule Mayen besucht.

Die Arbeitsschritte des Imkers laufen automatisch, auch wenn er mittlerweile mehr Pausen machen muss als früher. Dass es für ihn trotzdem jedes Mal etwas Besonderes ist, den Honig zu gewinnen und zu schleudern, verrät ein Blick durch seine Brillengläser in seine leuchtenden Augen.

Behutsam, aber behände, hebt der 83-Jährige eine Mittelwand aus der Bienenbehausung. "Das ist ein richtiges Prachtexemplar," sagt er, lacht laut und hält das prallgefüllte Prachtexemplar stolz in die Höhe. Die Bienen waren fleißig, alle Waben sind gefüllt. Mit einer Bürste schabt Schramer die kleinen pelzigen Insekten von der Wand ab. "Man muss immer ruhig bleiben und Respekt haben, dann passiert nichts." Das tut er insgesamt acht Mal, dann ist der eine Bienenstock geleert. Mit einer speziellen, sogenannten Entdecklungsgabel kratzt er vorsichtig den dünnen Zelldeckel aus Wachs von den Waben ab. Darunter kommt die goldglänzende, zähflüssige Masse zum Vorschein.

Die Honigwände wandern in Schramers "Schätzchen", wie er es nennt. Das Schätzchen ist eine etwa ein Meter große, runde, silberglänzende Schleudermaschine, die vollautomatisch funktioniert. Wie in einer Waschmaschine wird der Honig so schnell geschleudert, dass er sich am Boden sammelt und schwer und langsam durch einen Hahn in einen Behälter fließt. Die heutige Ausbeute: 15 Kilogramm, das sind etwa 30 Gläser Honig, der aber, bevor er als Honig verkauft wird, gefiltert, gerührt, erwärmt und gelagert werden muss.Ameisensäure gegen Varroamilbe



Insgesamt produzieren Schramers Bienen im Durchschnitt 600 Kilogramm Honig im Jahr. Auch in diesem Jahr läuft es gut, auch wenn der Imker um seine Bienen kämpfen muss. "Ich hatte noch nie so hohe Einbußen," sagt Schramer und seufzt.
Dafür gibt es zwei Gründe. Zwei seiner Völker sind im letzten Jahr von anderen Bienen überfallen und ausgeraubt worden. Wie Piraten übernahmen die feindlichen Insekten das kleine Bienenhaus, machten sich am fremden Honig zu schaffen und zerstörten zwei Völker.

Ein zweiter Grund wiegt schwerer. "Diese Varroamilbe", knurrt Schramer, und zum ersten Mal klingt seine Stimme wütend. Die Varroamilbe, die in den 1970er Jahren aus Indonesien kam, hat schon viele Imker-Träume zerstört. Sie setzt sich unter die Schuppen der Bienen und saugt ihnen das Blut aus. Die Biene kann nichts dagegen tun. Der Imker versucht, sich mit Ameisensäure zu wehren. Die tötet zwar die Milbe, tut aber auch der Biene nicht gut. "Wenn die Bienen weinen könnten, würde man sie bis nach Irrel hören."

Josef Schramer wird sich seinen Traum von der Varroamilbe nicht zerstören lassen. Er will noch mit 100 Jahren Honig rühren, filtern und schleudern. "Wir werden das nicht mehr erleben, aber ich denke in 500, 600 Jahren wird die Menschheit sich selbst zerstören. Und dann wird es auch keine Bienen mehr geben."

Wer den Honig von Josef Schramer probieren möchte, kann das beispielsweise auf dem Bitburger Bauernmarkt, dem Bauernmarkt in Speicher, dem Weihnachtsmarkt in Irrel oder dem Beda-Markt in Bitburg tun.