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Ein Unternehmer, der im Stillen viele Eifel-Projekte fördert: Udo van Meeteren wird 90

Ein Unternehmer, der im Stillen viele Eifel-Projekte fördert: Udo van Meeteren wird 90

Udo van Meeteren ist Ehrenbürger von Düsseldorf und von Wallersheim. Der Unternehmer gründete 1980 die Stiftung van Meeteren, die viele Projekte aus Forschung, Bildung, Kultur, Natur und Völkerverständigung unterstützt. Darunter gibt es auch zahlreiche Empfänger in der Eifel. Am Donnerstag, 26. Mai, feiert der Wohltäter im Kreise seiner Familie seinen 90. Geburtstag.

Düsseldorf/Wallersheim. Udo van Meeteren tut viel Gutes - aber am liebsten im Stillen. Charity-Veranstaltungen mit viel Prominenz und Lametta sind nicht sein Ding. Doch wir wollten den 90. Geburtstag des Mannes, dem auch die Eifel und ihre Bewohner viel zu verdanken haben, nicht ohne Würdigung vorüberziehen lassen und fragten ein Interview an. Und dann klingelte in der Prümer Lokalredaktion auch eine Woche später das Telefon, und Udo van Meeteren war gleich selbst an der Strippe. Im Interview mit unserer Redakteurin Stefanie Glandien verriet er, was ihm die Eifel bedeutet und wieso er die Van-Meeteren-Stiftung gegründet hat.

Sie haben eine unglaubliche Karriere hingelegt, waren mit 17 Jahren jüngster Maschinenbaustudent, mit 27 Jahren schon Chef eines Werkes. Beruflich ging es immer bergauf. Und Sie waren sehr risikobereit. Wie sehen Sie sich selbst rückblickend?
Udo van Meeteren: Rückblickend gesehen habe ich bis auf einige schwere Schicksalsschläge eigentlich immer nur sehr viel Glück gehabt. 1951/52 war ich auf Einladung in den USA, wo ich viel gelernt habe. Zurück in Deutschland war damals für leitende Positionen die Konkurrenz relativ klein. Die Abiturienten meines und vor allem der älteren Jahrgänge waren fast alle gefallen, viele der älteren Führungskräfte noch nicht entnazifiziert. So kam ich schon sehr früh in leitende Positionen. Dort und auch später habe ich mehrfach verschiedene Ideen entwickelt. Die meisten davon haben sich als sehr erfolgreich erwiesen. Natürlich musste man auch Risiken eingehen. Aber ich bin nie ein Risiko eingegangen, welches in seinen Folgen nicht übersehbar gewesen wäre.

Wie kamen Sie auf die Idee, eine Stiftung zu gründen?
Udo van Meeteren: Aufgrund meines Alters habe ich die Nazidiktatur voll bewusst miterlebt. Meine Eltern waren 100-prozentig dagegen (mein Vater ist zweimal nur knapp dem KZ entgangen) und ich entsprechend erzogen. So habe ich das Kriegsende persönlich als absolute Befreiung empfunden. Das klingt vielleicht etwas merkwürdig, da ich (ich war Funker bei der Luftwaffe) zu diesem Zeitpunkt in Kriegsgefangenschaft war und erst 1948 nach Hause kam. Wenig später begann in Westdeutschland der Aufbau der Demokratie. Das "Wirtschaftswunder" begann, und ich war begeistert von den Möglichkeiten der sozialen Marktwirtschaft, wie sie Ludwig Erhard so erfolgreich eingeführt hatte. Nach zwei Jahrzehnten mit viel Arbeit, aber noch mehr Glück und Erfolg, fand ich es eine gute Idee, der Gesellschaft, die mit ihren Rahmenbedingungen dies alles ja erst ermöglicht hatte, etwas zurückzugeben. Da bot sich die Gründung einer Stiftung an. Stiftungen zählen zu den sogenannten freien gesellschaftlichen Kräften, die jenseits von Staat und Markt aus Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwesen tätig werden. Ohne Auftrag greifen sie öffentliche Anliegen auf und versuchen, bei der Lösung derselben hilfreich zu sein.
Mein Vater war schon im April 1945 verstorben. Am 8. September 1980 wäre er 100 Jahre alt geworden. In dankbarer Erinnerung an ihn habe ich daher an diesem Datum die Stiftung van Meeteren gegründet.

Wie erhalten Sie bei dieser Zinslage das Kapital der Stiftung?
Udo van Meeteren: Einmal natürlich durch die Dotierung der Rücklagen, zum anderen durch Anlagen in Aktien und Aktienoptionen, natürlich mit Beschränkung der Risiken. Auch habe ich mehrfach Zustiftungen vorgenommen. Leider aber geht selbstverständlich der Wunsch, das Vermögen zu erhalten, zu Lasten der Erträge.

Wie viel Zeit verbringen Sie noch mit der Stiftung?
Udo van Meeteren: Jedes Jahr gehen mehrere 100 Anträge bei der Stiftung zum Teil bei der Geschäftsführung, zum Teil bei mir ein. Diejenigen, die förderungswürdig erscheinen, versuche ich alle zu lesen. Allerdings alle Doktorarbeiten, Drehbücher oder alle anderen Bücher, die finanziert werden möchten, kann ich zum Teil nur kurz "überfliegen". Trotzdem ist der Zeitaufwand erheblich. Aber es ist interessant und macht Freude, gute Dinge auf den Weg zu bringen und Menschen helfen zu können.

Was bedeutet Ihnen die Eifel?
Udo van Meeteren: Viel, sehr viel. Meine zweite Heimat. Wunderschöne Landschaft, gutes Klima und neben vielem anderen Erholung und Freude pur. Was will man mehr? Unser Landhaus liegt in der Gemeinde Wallersheim und dazu noch eine Anmerkung: Vor zwei Jahren haben in Wallersheim das Ehepaar Maria und Erich Michels in Absprache mit dem sehr kompetenten Ortsbürgermeister Josef Hoffmann den gemeinnützigen Verein "Lebendiges Wallersheim" gegründet. Inzwischen machen zahlreiche Bürger mit. Menschen irgendwie in Not wird geholfen, viele Veranstaltungen und Projekte durchgeführt. Wie wohl nicht nur ich finde, eine tolle Sache! Zur Nachahmung empfohlen.

Verbringen Sie noch viel Zeit dort?
Udo van Meeteren: Leider immer noch viel zu wenig. Alles zusammengerechnet etwa drei Monate im Jahr.

Was machen Sie in Ihrer freien Zeit?
Udo van Meeteren: Wegen einer Arthrose in beiden Knien, vor allem aber - vermutlich durch eine Borreliose hervorgerufene Polyneuropathie - kann ich nur noch mit Mühe stehen und laufen. So muss ich leider fast alle Einladungen, Veranstaltungen und so weiter absagen. Manchmal gehe ich noch in Konzerte. Ansonsten auch fernsehen und vor allem viel lesen.

Sie lesen gerne - was denn aktuell?
Udo van Meeteren: Gerade habe ich "Wunschdenken" von Thilo Sarrazin angefangen. Es verspricht, eine hochinteressante Lektüre zu werden.

Machen Sie noch Musik?
Udo van Meeteren: Wenn ich allein in der Eifel bin und ich sicher bin, dass niemand zuhört, klimpere ich nach einigen Whisky gerne auf dem Flügel. Ich sage bewusst klimpern, denn spielen kann man das kaum nennen; aber es macht Spaß!Extra

Udo van Meeteren wurde am 26. Mai 1926 in Mülheim an der Ruhr geboren. Er machte in Düsseldorf sein Abitur und studierte anschließend mit 17 Jahren Maschinenbau an der TH Aachen. Im Zweiten Weltkrieg war er Funker und geriet in französische Gefangenschaft. Nach seiner Heimkehr 1948 macht er Praktika in einer Hamburger Großbank und in den USA. Anschließend macht er Karriere im Michel-Konzern. 1956 wird er in den Vorstand der Braunkohlekraftwerke Neurath AG berufen. Von 1959 bis 1980 war er Kommanditist des Bankhauses Trinkaus & Burkhardt. 1980 gründete er zum 100. Geburtstag seines Vaters die gemeinnützige Stiftung van Meeteren. sn