Ein unterschätzter Baumeister

Ein unterschätzter Baumeister

War der Architekt der Basilika ein Stümper oder ein verkanntes Genie? Darüber sprach Kunsthistoriker Jens Fachbach in der Prümer Kirche. Deren Sanierung wurde indessen verschoben. Nur die Basilikafreunde wissen, warum.

Prüm An sich hätte die Veranstaltung des Geschichtsvereins Prümer Land im Chorgestühl der Basilika gar nicht stattfinden können, denn laut Plan sollte die Kirche ab dem Frühjahr wegen Innensanierung geschlossen sein. Doch die Arbeiten müssen verschoben werden, bis die Finanzierung der rund 1,3 Millionen teuren Maßnahme auf festen Füßen steht.
Bis dahin läuft der Kirchenbetrieb weiter wie gehabt. Und so kann der Trierer Historiker Jens Fachbach dann doch seinen Vortrag halten. Das Thema: Johann Georg Judas, der nicht ganz unumstrittene Architekt der Prümer Basilika. Rund 120 Besucher hörten ihm dabei zu: "Im Gegensatz zu den Star-Architekten der damaligen Zeit war Judas ein Mann, der lediglich regional tätig war", sagt Fachbach. Der Zimmermann, der in der Nähe von Ehrenbreitstein eine Sägemühle betrieb, sei als minder begabter Handwerker verschrien gewesen, erzählt der Kunsthistoriker.
Doch der Trierer Kurfürst Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg habe sich eben auf lokale Kräfte verlassen. Und Hofbaumeister Judas hatte sich bereits 1716 um den Wiederaufbau der Römerbrücke und 1719 um die Instandsetzung des Trierer Doms verdient gemacht. 1721 wurde der Grundstein zum Neubau der Prümer Abteikirche gelegt. Die Bauarbeiten verliefen ohne besondere Vorkommnisse. 1729 war das dreischiffige Gebäude fertiggestellt. In der Folgezeit kam Kritik am Baustil der Kirche auf, er galt als rückständig und mittelalterlich.
Doch der Kunsthistoriker hat dafür eine Erklärung: "In diesen politisch und wirtschaftlich unsicheren Zeiten setzte Johann Georg Judas bewusst auf Tradition und Geschichte, um die Wichtigkeit des Gebäudes herauszustellen." Er sei also weder zu dumm noch unfähig gewesen,wie so oft unterstellt wurde, sagt Fachbach: Er habe Modernes mit Klassischem verbunden und damit die sogenannte "Altehrwürdigkeit" unterstrichen. Schon allein die Größe des Kirchenbaus sei im damaligen Bistum Trier einzigartig gewesen. So einen Bau zu erhalten: für die Pfarrgemeinde "eine große und schwierige Aufgabe", sagt Fachbach.
Das kann Klaus Peters, Vorsitzender des Fördervereins der Basilikafreunde bestätigen. "Wir müssen die Sanierung des Innenraums auf 2018 verschieben." Es gelte abzuwarten, bis die Zusage der Förderung durch den Bund schriftlich bestätigt werde, erklärt Peters. Der Zuschuss in Höhe von 80 000 Euro komme aus den Mitteln eines Denkmalschutz-Progamms und sei im vergangenen Jahr genehmigt worden: "Liegt das Schriftstück vor, können wir den kompletten Finanzierungsplan beim Bistum Trier vorlegen." Erst dann könnte auch das Bistum Gelder zuschießen, die fest eingeplant sind. "240 000 Euro sind zugesagt und man hat uns darüber hinaus einen Sonderzuschuss von 60 000 Euro in Aussicht gestellt", sagt Peters.
Eine Unterstützung, mit der die Basilikafreunde fast nicht mehr gerechnet hatten, kommt aus der EU-Leader-Förderung. Dazu mussten die Prümer nachweisen, dass die Basilika touristischen Wert besitzt. Sonst zahlt die EU nicht. Das habe geklappt, so Peters, "mit der Zusage der Förderung von 190 000 Euro rückt die Sanierung in greifbare Nähe." Denn rechne man die Summen aus den verschiedensten Töpfen zusammen - unter anderem auch aus Stiftungen, städtischer Unterstützung und einem Erbfall - blieben von den geschätzten Kosten von etwa 1,3 Millionen rund 460 000 Euro übrig, die die Kirchengemeinde selbst stemmen müsste. "Das schaffen wir", sagt der Vorsitzende. "Zwischen 1998 und 2016 sind 909 000 Euro an Spenden zusammengekommen, jedes Jahr fließen rund 50 000 Euro in die Basilika-Kasse - damit können wir unseren Anteil an der Maßnahme finanzieren." Es muss also weiterhin an die Spendenbereitschaft der Eifeler appelliert werden.
Um die Motivation weiterhin hochzuhalten, lädt der Förderverein der Basilikafreunde zur Jahreshauptversammlung ein, die am Dienstag, 11. April, um 19 Uhr im Pfarrheim abgehalten wird.Extra: ZUR PERSON: JUDAS

Ein minder begabter Handwerker? Jens Fachbach hat eine ganz eigene Meinung zu Architekt Johann Georg Judas. TV-Foto: Vladi Nowakowski. Foto: Vladi Nowakowski (now) ("TV-Upload Nowakowski"


(cha) Johann Georg Judas ist vermutlich um das Jahr 1655 in der Schweiz, geboren worden. Geburtsort- und Geburtsdatum sind nicht bekannt. Das erste Mal, dass Judas in Erscheinung tritt, ist im Jahr 1688 in Ehrenbreitstein. Dort, bei Koblenz, betrieb der Zimmermann eine Schiffsmühle auf dem Rhein. Judas arbeitete sowohl für Privatpersonen als auch für den kurfürstlichen Hof. In Trier erneuerte er ab 1717 die Moselbrücke, ab 1719 baute er den abgebrannten Trierer Dom wieder auf, begann 1721 den Neubau der Abteikirche Prüm und 1724 den Wiederaufbau des Alten Kaufhauses in Koblenz. 1725 wurde er offiziell zum Hofbaumeister ernannt. Nur ein Jahr später, am 9. Oktober 1726, starb er in Ehrenbreitstein. Charakteristisch für seine Bauten ist die Bewahrung historischer Details. Vermutlich wollte man sich in h unruhigen Zeiten - gerade erst hatten diverse Kriege das Kurfürstentum verwüstet - an der Vergangenheit orientieren.