Einbahnstraßenring für Bitburg: Stadt entscheidet über Testphase

Einbahnstraßenring für Bitburg: Stadt entscheidet über Testphase

Etwa 1300 Meter wäre er lang, der Einbahnstraßenring rund um die Bitburger Innenstadt. Der Verkehr würde linksherum vom Borenweg über Denkmalstraße und Römermauer zum Karenweg rollen. Im August entscheiden Stadtrat und Bauausschuss, ob es eine Testphase für dieses Verkehrskonzept geben wird.

Bitburg. Der Verkehr in Bitburg soll rund laufen. Das ist das Ziel eines Arbeitskreises, in dem Vertreter aller Stadtratsfraktionen, Verwaltungsfachleute sowie Polizei und Landesbetrieb Mobilität zusammenarbeiten. Eine Idee des Arbeitskreises ist es, testweise einen Innenstadtring einzurichten. Der würde als Einbahnstraßenring um das ehemalige Römerkastell führen (siehe Grafik). Diesen Ring, der lange nur im Zusammenhang mit der Nord-Ost-Tangente diskutiert wurde, könnte nun unabhängig vom Bau der großen Umgehungsstraße kommen.
"Das ist Gesprächsthema im Arbeitskreis, wird aber erst im August in einer gemeinsamen Sitzung von Fachausschuss und Stadtrat beraten", sagt Bürgermeister Joachim Kandels. Er zerstreut auch Gerüchte, denen zufolge der Ring schon in Kürze eingerichtet werden soll: "So was muss von langer Hand vorbereitet werden und kann nicht im Hoppla-Hopp-Verfahren umgesetzt werden. Wenn es aus den Gremien grünes Licht gibt, wäre es realistisch, Anfang 2013 mit einer einjährigen Testphase zu beginnen", sagt Kandels und verweist darauf, dass die Öffentlichkeit ja informiert und der Ring ausgeschildert und markiert werden muss. Kandels steht hinter der Idee: "Wenn wir es nicht einfach mal ausprobieren, können wir noch lange Vor- und Nachteile abwägen. Eine Testphase würde helfen, herauszufinden, ob es geht und was es bringt."
Das würde der Gewerbeverein begrüßen, der in die Gespräche des Arbeitskreises Verkehr eingebunden ist. "Wir verbinden mit dem Ring die Vorstellung, dass an einigen Stellen, wo keine zwei Fahrspuren nötig sind, zusätzliche Parkplätze angelegt werden", sagt Edgar Bujara, Vorsitzender des Gewerbevereins, der auf bis zu 20 Stellplätze hofft.
In zwei Minuten einmal durch


Die Polizei Bitburg und der Landesbetrieb Mobilität Gerolstein weisen darauf hin, dass ein solcher Ring Umwege nötig macht. Wer beispielsweise vom Borenweg in den Karenweg will, müsste dann einmal rund um die ganze Stadt kurven. "Ein solcher Ring würde wegen solcher Umwegfahrten zu 30 Prozent mehr Verkehr führen", sagt Harald Enders, Leiter des LBM. "Hinzu kommt: Da wir zwei Fahrspuren in eine Richtung brauchen, damit etwa nicht der Lieferverkehr den ganzen Ring blockiert, muss auch eine Lösung für Fußgänger gefunden werden. Denn die können zweispurige Fahrbahnen nur sicher überqueren, wenn es entweder eine Mittelinsel oder eine Fußgängerampel gibt", sagt Wolfgang Zenner von der Polizei.
Andererseits würden die Ampeln an der Kreuzung Trierer Straße/Karenweg/Borenweg, an der Einmündung des Glockenhäuschens auf die Dauner Straße und jene an der Kölner Straße verschwinden, was den Verkehrsfluss auf dem etwa 1300 Meter langen Ring erhöhen würde. Das Verkehrsplanungsbüro Vertec geht davon aus, dass der Ring in etwa zwei Minuten zu durchfahren ist. Zum Vergleich: Eine rote Ampelphase dauert eineinhalb Minuten, so dass Fahrer beim derzeitigen System zwei- bis dreimal so lange brauchen, die Innenstadt zu umrunden.Meinung

Probieren geht über Studieren
Es ist an der Zeit, den Einbahnstraßenring in Bitburg einfach zu testen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Ring wäre zügig zu durchfahren, da es keinen Rückstaus vor Ampeln gäbe, es könnten zusätzliche Parkplätze entstehen, und mit Bänken und Bäumen bestückt würde der Ring die Innenstadt aufwerten. Zumal Bitburg angesichts von Projekten wie der Umgestaltung des Postplatzes sowie den Einkaufszentren Bit-Galerie und Limbourgs Hof ohnehin den Innenstadtverkehr neu ordnen muss. Dabei könnte der Ring helfen. Auf die Nord-Ost-Tangente zu warten, heißt auf den St. Nimmerleinstag zu warten. d.schommer@volksfreund.deExtra

Ein Einbahnstraßenring rund um die Innenstadt wurde erstmals Ende der 80er Jahre in Bitburg diskutiert. Vor zehn Jahren hat der Stadtrat eine Entscheidung vertagt, weil die Idee dieses Innenstadtrings immer an den Bau der Nord-Ost-Tangente gekoppelt war - die große Umgehungsstraße, die in Bitburgs Norden B 51, L 32, B 257 und B 50 verbinden soll. Im Rat herrschte die Ansicht vor, dass ein solcher Ring nur Sinn macht, wenn die Tangente den Innenstadtverkehr um täglich rund 7000 Fahrzeuge entlastet. Zwar hat die Tangente inzwischen Baurecht, aber ob und wann die rund 6,5 Millionen Euro Trasse gebaut wird, ist weiter offen. Nach Untersuchung des Verkehrsplanungsbüros Vertec macht ein Innenstadtring auch ohne Nord-Ost-Tangente Sinn. Im aktuellen Verkehrskonzept, das dem TV vorliegt, kommt das Büro zu dem Fazit: "Eine Planungsgeschichte von 22 Jahren zeigt, dass sich die Verkoppelung beider Maßnahmen als nachteilig erwiesen hat." scho