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"Eine asoziale Stadt können wir uns nicht leisten"

"Eine asoziale Stadt können wir uns nicht leisten"

Die Stadt Bitburg darf sich über die Aufnahme in das Förderprogramm "Engagierte Stadt" freuen. Ziel des Modellprojekts: Die Zusammenarbeit aller ehrenamtlich tätigen Bürger, Vereine und Initiativen zu intensivieren.

Bitburg. Knapp 100 Gäste haben sich im Festsaal des Hauses Beda versammelt. Neben Lokalpolitikern und Vertretern von Wohlfahrtsverbänden hat eine große Zahl an Bürgern, die sich ehrenamtlich engagieren, auf den Bänken im Festsaal Platz genommen. Gemeinsam wollen sie den Startschuss für das Modellprojekt "Engagierte Stadt" abfeuern. Denn die Stadt Bitburg hat die Aufnahme in das Förderprogramm "Engagierte Stadt" gepackt und kann sich nun, wie 49 weitere Städte der Republik, auf eine satte Kelle aus dem drei Millionen Euro schweren Fördertopf freuen. "Ziel des Projekts ist es, die ehrenamtlichen Kräfte, Anlaufstellen und Initiativen zusammenzuführen, damit das vorhandene Angebot wahrgenommen wird", erklärt Monika Dondelinger, Fachbereichsleiterin des Caritasverbands Westeifel, dessen Beratungs- und Koordinierungsstellen (Beko) zur Förderung des Ehrenamtes die Bewerbung für die Stadt abgeschickt hatte. Denn die Kommunen selbst durften sich seltsamerweise für die Teilnahme an dem Modellprojekt unter Federführung des Bundesministeriums für Familie sowie mehrerer Stiftungen nicht direkt bewerben.
Doch worum geht es in der "Engagierten Stadt" konkret?
"Wenn die bestehenden sozialen Initiativen nicht gebündelt werden, dann führt das zu unnötigen Doppelstrukturen und einer Verschwendung von Ressourcen", sagt Dondelinger. "Es ist wichtig, dass ein Netzwerk aufgebaut wird, damit Bürger, die sich engagieren wollen, oder die Hilfe suchen, die richtigen Adressen finden."
60 Vereine mit im Boot


Doch wie viele Menschen, Vereine und private Initiativen engagieren sich derzeit bereits in Bitburg? Genau das herauszufinden, sei Teil der Bestandsaufnahme, die nun zunächst anstehe, erklärt Dondelinger. Man könne aber von etwa 60 Vereinen ausgehen, die sozial zum Beispiel mit Senioren, Flüchtlingen oder Jugendlichen interagieren würden. Dazu zählen auch die Sport- und Musikvereine. Eine weitere Frage, die es zu klären gilt: Wie können die ehrenamtlichen Strukturen in der Stadt gefördert werden? "Ehrenamtliche müssen vor allem mehr Wertschätzung erfahren", erklärt Dondelinger. Anstatt ihnen Orden zu verleihen, könne man für engagierte Bürger zum Beispiel jährlich einen Neujahrsempfang organisieren, auf dem ihre Arbeit gewürdigt werde. Bürgermeister Joachim Kandels tritt für Dankesworte ans Mikrofon: "Bitburg hat eine große Vielfalt an Bereichen, in denen Ehrenamtliche tätig sind." Als Referent spricht am Abend auch noch der First Gentleman des Landes, Triers ehemaliger Oberbürgermeister Klaus Jensen, der mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) verheiratet ist. Jensen, der nicht nur in seiner eigenen Stiftung ehrenamtlich arbeitet, beantwortet dem Publikum am Abend eine wichtige Frage, die auch zugleich Titel seines Vortrags ist: "Können wir uns eine soziale Stadt überhaupt leisten?" Er wolle es ganz salopp beantworten, sagt Jensen: "Was wir uns nicht leisten können, ist eine asoziale Stadt ohne soziales Engagement." Das sehe man zum Beispiel an den Ausgaben für die Jugendhilfe, die man gar nicht hätte, wenn sich alle Jugendlichen gut entwickelm würden. Ein Mangel an ehrenamtlichen Engagement, sagt Jensen, käme eine Stadt teuer zu stehen. cmo

Wer sich in Bitburg ehrenamtlich engagieren möchte, vielleicht aber noch nicht genau weiß, in welcher Art und Weise das möglich wäre, dem hilft Monika Dondelinger, Fachbereichsleiterin beim Caritasverband Westeifel, Telefon 06561/9671140.