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Eine Frau, beliebter als Freibier

Eine Frau, beliebter als Freibier

Vor 270 Menschen hat sich Malu Dreyer am Donnerstagabend im Haus Beda den Fragen von Kulturamtsleiter Herbert Fandel gestellt. "Einblicke" heißt seine Gesprächsreihe - und Einblicke hat die Ministerpräsidentin gewährt: in ihren Job als Politikerin, in das Leben mit ihrer Krankheit und in die Liebe - zu ihrem Mann, zu Gott und zum Fußball.

Bitburg. Beliebter als Freibier und Hitzefrei soll sie laut Kollegen sein: Malu Dreyer. "Dem werden wir nachgehen", verspricht Kulturamtsleiter Herbert Fandel. Besonderen Wert hat er darauf gelegt, dass seine Gesprächsreihe "Einblicke" nicht zum Wahlkampf werde. 270 Menschen sind gekommen, um mit ihm einen Blick auf den Menschen Malu Dreyer zu werfen - und haben nicht nur erfahren, wie sie aufgewachsen ist (im Pfälzer Wald) und wo sie heute lebt (im Schammatdorf Trier), sondern auch, dass Franziskus der erste Papst ist, den sie unbedingt kennenlernen wollte: "Der Mann ist absolut faszinierend."
Diagnose Multiple Sklerose


Womit wir gleich beim Thema wären: Herbert Fandel kann nicht glauben, dass Malu Dreyer einmal Theologie studiert hat. Ihre Antwort: "Ich bin ein gläubiger Mensch." Dann gibt Fandel ihr eine Steilvorlage - nämlich mit dem Hinweis auf ihre Parteizugehörigkeit: "Ich freue mich, ausgerechnet in der Eifel endlich einmal damit aufzuräumen. Es gibt viele Sozialdemokraten, die christlich sind." Ihr Mann, der neben ihr auf der Bühne Platz genommen hat, sei "auch so ein Christ".
Fandel wühlt sich im Folgenden durch ihre Biografie: Auslandsjahr in Kalifornien, Wechsel ins Fach Jura, der Job als Bürgermeisterin von Bad Kreuznach, Kurt Becks Ruf ins Mainzer Kabinett. "Er dichtet mir diesen Schlingerkurs an", sagt sie. "Aber das war doch eine schöne Entwicklung."
Und Fandel will auch wissen, wie sie mit der Diagnose umgegangen ist: Multiple Sklerose. Und die Ministerpräsidentin spricht offen darüber, dass man den Moment der Trauer und Wut eben auch durchleben muss: "Die Diagnose jeder Krankheit ist ein schlimmer Moment. Ich, als super sportlicher Typ, habe auch gehadert. Aber da muss man irgendwie herausfinden. Der Weg für mich: den Schalter irgendwie umlegen, nicht aufgeben."
Im Jahr 2006 hat Malu Dreyer ihre Krankheit dann öffentlich gemacht: "Wenn man als öffentliche Person sagt, dass man eine chronische Krankheit hat, dann gibt es auch Assoziationen, die nicht positiv sind: Kann die das? Hat sie genug Kraft? Als ich Ministerpräsidentin wurde, haben viele diese Fragen nicht mehr gestellt."
Stichwort für den Fragesteller: "Da wir drei ja unter uns sind: Wie kommt das eigentlich, dass Kurt Beck auf einen zukommt?" Malu Dreyer: "Er hat einfach gefragt." Und zwar bei einem seiner Urlaube in Cochem-Zell, bei einem Glas Wein. Und wie ist das, will Fandel wissen, wenn man Ministerpräsidentin ist? "Wenn man keine klare innere Haltung hat, kann man es nicht aushalten", sagt Malu Dreyer. Die öffentliche Kritik sei sehr groß. Sie verstehe heute, was mit der Last des Amtes gemeint sei.
Weiblichstes Kabinett im Land


Hand aufs Herz, findet Fandel: "Zwei Männer sind noch im Kabinett übrig: Dass Sie als Feministin innerlich jubeln, seh ich in Ihren Augen." Darauf habe sie auch ein vertrauter Mitarbeiter einmal hingewiesen: Ob sie denn wisse, wie viele Frauen das seien. "Aber ich finde es ganz schön."
Ob er denn mal Chef seiner Frau gewesen sei, fragt Fandel dann Klaus Jensen. Für seine Zeit als Staatssekretär gilt: "Na, wenn die etwas wollten, mussten sie zu mir kommen." Fandel: "Und wie fühlt sich das an, jetzt Nummer Zwei zu sein?" Jensen: "Also wenn Sie jetzt darauf anspielen, dass ich jetzt Prinz Philip von Rheinland-Pfalz bin…" Er habe seiner Frau damals zugeraten: "Sie ist die richtige Person an der richtigen Stelle, und ich freue mich, dass ich sie unterstützen kann."
Eins muss Malu Dreyer (Dortmund-Fan, unter anderem) dann aber auch noch loswerden: "Ich bin zutiefst traurig darüber, dass Jürgen Klopp gegangen ist. Ich habe mich auch nach einer Woche noch nicht an den Gedanken gewöhnt." Ehemann Jensen kündigt "private Therapiestunden am Wochenende" an. Fandel: "Manchmal ist der Fußball so unberechenbar wie die Politik." eib