Eine Gruppe in der Eifel will verteilen statt wegwerfen

Foodsharing : Lebensmittelretter in Neuerburg: Verteilen statt wegwerfen

Jeden Tag werden in Deutschland Lebensmittel im Wert von mehreren Millionen Euro weggeworfen. Eine Gruppe in der Eifel hat sich jetzt vorgenommen, etwas dagegen zu tun. Bei ihrem jüngsten Treffen haben sie Rat von einem erfahrenen Foodsharer eingeholt.

„Alles, was noch verwertbar ist, holen wir“, sagt Richard Spang, der an seinem Wohnort Trier und seiner Heimatstadt Wittlich beim Verein foodsharing aktiv ist. Er ist auf Einladung von Wolfgang Vierbuchen von der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) West­eifel zum Seniorenhaus Berghof in Neuerburg gekommen, um der neu gegründeten Gruppe  interessierter Lebensmittelretter von seinen Erfahrungen zu berichten.

Er selbst habe sicht bereits für das Thema interessiert, bevor er selber aktiv wurde. Das Containern, also das Durchsuchen der Abfallbehälter von Supermärkten, sei für ihn aber nicht infrage gekommen. Containern ist  wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs illegal und damit strafbar.

Der Verein foodsharing geht dagegen andere Wege. In Trier gibt es bereits seit längerem eine Gruppe. In Wittlich musste eine solche Struktur erst aufgebaut werden. Es konnte ein Betrieb im Bereich der Verbandsgemeinde Wittlich-Land für das Vorhaben gewonnen werden. Wie Spang sagt, möchten die meisten Betriebe nicht öffentlich genannt werden. Dann ging es darum, ein Team aufzubauen, das zu dem Discounter fährt und die Waren abholt, die am nächsten Tag nicht mehr verkauft werden können und deshalb in den Müll wandern würden.

Spang selber fährt meist zwischen 18 und 19 Uhr diesen Supermarkt an und holt dort die Dinge ab, die vom Tage übrig geblieben sind. „Rosinenpickerei gibt es dabei nicht“, sagt Spang. Geholt wird, was da ist. Vorausgesetzt, dass es noch nicht verdorben ist. Wichtig sei es auch zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum zu unterscheiden, sagt Spang.

Manchmal könne es  schwierig werden, wenn zum Beispiel an einem Tag vier Kisten Bananen dabei sind. Diese zu verteilen, sei dann schon eine Herausforderung. Meistens handelt es sich bei den Lebensmitteln um Obst oder Gemüse sowie Brot. Leicht verderbliche Lebensmittel wie Fleisch oder zubereitetes Essen werden über foodsharing nicht verteilt.

Dabei gibt es bei den Abnehmern der Waren, anders als bei den Tafeln, keine Bedingungen, wie beispielsweise eine Bedürftigkeitsprüfung. „Das Ziel ist, die Lebensmittelverschwendung einzudämmen“. Die Abnehmer können Freunde sein, Nachbarn oder andere Menschen, die gerne an dem Programm teilhaben möchten. Er selbst schreibe die Leute in einer Whatsapp-Gruppe an. Die können dann die Waren bei ihm abholen oder er bringt sie auch dorthin. „Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz zur Tafel, sondern als Ergänzung“, betont Spang.

Eine andere Möglichkeit, die Lebensmittel zu teilen sind auch  Schränke an öffentlich zugänglichen Orten, wie es schon einige in Trier gibt. Hier können auch Privatleute Essen abgeben, wenn sie beispielsweise vor dem Urlaub noch zuviel im Kühlschrank haben oder zuviel Ernte im Garten anfällt. Diese Schränke  heißen Fairteiler und müssen täglich kontrolliert und gereinigt werden.

Eine solche Einrichtung ist auch für die Gruppe in Neuerburg vorstellbar. Im Vorfeld wurde bereits Kontakt zum Stadtrat aufgenommen, um ein solches Vorhaben zu prüfen. Aus diesem Grund ist auch Wilhelm Ahlert, der erste Beigeordnete der Stadt zu dem Treffen gekommen.

Um bei foodsharing aktiv zu werden, müssen laut Spang einige Regeln beachtet werden. Zunächst gebe es auf der Internetseite eine kleine Schulung, bei der beispielsweise Kenntnisse über Lebensmittel und deren Haltbarkeit vermittelt werden. Wer diese Informationen gelesen hat, kann anschließend, sozusagen als Abschlussprüfung, Quizfragen beantworten.

Die Aktiven müssen dann Zuverlässigkeit beweisen. Es gehe zum Beispiel nicht, dass man Termine zur Abholung der Lebensmittel verstreichen lasse.

Die Mitglieder der Neuerburger Gruppe möchten sich nach den Ferien  weiter mit dem Thema beschäftigen und das Angebot von Spang annehmen, nach der Registrierung auf der Internetseite mit zu dem Discounter der Wittlicher Gruppe zu fahren und die abgeholten Sache selbst zu verteilen.

Für die Betreiber der Supermärkte habe die Teilnahme bei foodsharing auch Vorteile, sagt Spang. Sie sparen zum Beispiel die Kosten für die Entsorgung der Lebensmittel.

Die Neuerburger Gruppe hat bereits eine Facebookseite eingerichtet „Lebensmittel gratis - Bitburg-Prüm“, die bereits 300 mal geliked wurde.

Ansprechpartnerin für Fragen und Anregungen ist Christine Högner, Telefon 06524/93020, E-Mail: ch.hoegner@t-online.de oder wieder nach den Sommerferien Wolfgang Vierbuchen von der KEB, Telefon 06551/96556-0 oder E-Mail  wolfgang.vierbuchen@bgv-trier.de

Viele Lebensmittel werden weggeworfen, wenn sie nicht mehr verkauft werden können. Eine Gruppe aus Neuerburg möchte gegen diese Verschwendung jetzt etwas tun. Foto: picture alliance / Harald Tittel/Harald Tittel

Das nächste Treffen ist am Mittwoch, 11. September, um 19 Uhr beim Seniorenhaus Berghof in Neuerburg.

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