Eine Künstlerliebe, die nicht immer erwidert wird

Eine Künstlerliebe, die nicht immer erwidert wird

In einem biografischen Roman erzählt Autorin Ute Bales das Leben eines Malers, der sich als störrischer Eigenbrötler mit den Geschehnissen seiner Zeit bis zur Selbstqual auseinandergesetzt hat.

Malberg. Die aus der Eifel stammende Autorin Ute Bales wird heute, Samstag, um 17 Uhr auf Schloss Malberg aus ihrer neuen Romanbiografie über den Eifelmaler Pitt Kreuzberg (1888-1966) lesen.
Nicht zum ersten Mal widmet sich Bales mit dem 519-Seiten-Werk einem Künstlerleben aus der Region: So hat sie vor zwei Jahren bereits eine Biografie über den Eifeldichter Peter Zirbes veröffentlicht. Ute Bales beschreibt Pitt Kreuzberg als Eigenbrötler: Einer, der konsequent und unbeirrt seinen Weg gegangen ist. Man kann seine Kunst schön finden, ablehnen oder erst gar nicht verstehen, man kann in ihm einen Mahner sehen, einen Suchenden oder einen Verkannten.
Bales schildert ihn mit allen diesen Facetten, vor allem aber als Künstler, der sich mit den Geschehnissen seiner Zeit bis zur Selbstqual auseinandergesetzt hat. Alles beginnt mit einem Aufbruch. Eigenmächtig bewirbt sich Kreuzberg als 19-Jähriger im Sommer 1907 an der Düsseldorfer Kunstakademie und wird angenommen. Er hat ein wohlhabendes Elternhaus im Rücken; sein Urgroßvater war der Entdecker der weltberühmten Apollinarisquelle in Ahrweiler. In Düsseldorf, wo Kreuzbergs Ringen um wahre und echte Kunst beginnt, gerät er in eine Gruppe Künstler, darunter August Macke und Hans Thuar, die gegen Althergebrachtes aufbegehren, besonders gegen die naturgetreue Wiedergabe in der Malerei, wie sie an der Akademie gelehrt wird. In den Künstlerhäusern und im Backladen von Johanna Ey, einem Künstlertreff, geht es bald um mehr als bloßes Abbilden.
Leuchtende Landschaftsbilder


Grell leuchtende Landschaftsbilder und Porträts mit seltsam naturfernen Farben entstehen: Menschen mit blauen Haaren und grünen Nasen, mit verfremdeten Gesichtern und verzerrten Gliedmaßen. Das Wesen der Welt ergründen, erfassen und darstellen zu wollen, wird zur Idee einer ganzen Künstlergeneration, von der auch Pitt Kreuzberg getragen wird. Dieses Thema bleibt zentral und zieht sich als roter Faden durch den Roman, der Kreuzberg in ein Spannungsfeld voller Zwänge eines tradierten Umfelds stellt. Zentral in den Roman gestellt ist das Eifel dorf Schalkenmehren: Arm und rückständig, mit Menschen, meist Bauern, die unzugänglich und fremd bleiben. Der vulkanischen Landschaft wegen bezieht Kreuzberg 1913 mit seiner Familie den Tanzsaal des dortigen Gasthauses. Obwohl ihn die Dorfbewohner nie zu den ihren zählen, harrt er aus, weil ihn Landschaft und Maare, die er hundertfach darstellt, für jegliche Ausgrenzung und Spott entschädigen. Die Feuerberge und ihre geheimnisvollen Gewässer sind es, die ihn zum Mahner machen, zu einem, der sich empört und auflehnt gegen Umweltzerstörungen, Atombombenabwürfe und Wiederaufrüstung. red
Ute Bales: "Unter dem großen Himmel" , Rhein-Mosel-Verlag,
519 Seiten, 22,80 Euro.