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Eine lila Lesezelle dient jetzt als Bücherschrank

Eine lila Lesezelle dient jetzt als Bücherschrank

Für ihre Fußgängerzone haben sich die Bitburger Buchpaten etwas ganz Besonderes ausgedacht: Sie haben eine ausrangierte Telefonzelle zum Bücherregal umgebaut. Am morgigen Samstag wird das Geschenk offiziell überreicht.

Bitburg. Es ist nur eines von vielen dünnen Seilen mit bunten Wimpeln, die anlässlich des Beda-Markts quer über die Fußgängerzone gespannt wurden. Doch dieses eine Seil hängt denkbar ungünstig. Nämlich genau über dem Ladekran des Lastwagens, wodurch die Bewegungsfreiheit des Krans stark eingeschränkt wird. Und so dauert es am Ende dann doch eine gute Stunde, bis die Zelle schließlich am richtigen Platz steht.
Früher haben in diesem Häuschen Engländer telefoniert, und das einzige, was es dort zu lesen gab, war ein Telefonbuch. Jetzt ist die Telefonzelle voll mit Büchern. Und auch äußerlich hat sie sich verändert. Sie ist nicht mehr rot, sondern lila. "Eine aggressiv-feministische Farbe", meint dazu lachend Peter Berger. Er gehört zu der Arbeitsgruppe der Bitburger Buchpaten, die diese ausrangierte und komplett verrostete Telefonzelle restauriert und umfunktioniert haben. Und es sei offensichtlich, dass sich bei der Farbgestaltung die weiblichen Mitglieder dieser Arbeitsgruppe durchgesetzt hätten, sagt Berger.
Dazu gehört auch Agnes Hackenberger. Die ehemalige Grundschulleiterin hatte die Idee dazu. Wobei sie nicht die einzige war. "Es waren praktisch drei Leute, die den gleichen Gedanken hatten", sagt sie. Und dann sei die Sache in Bewegung geraten. Über einen Bitburger Unternehmer, der mehr als zwei Dutzend ausrangierte englische Telefonzellen gekauft hatte, sind die Bitburger Lesepaten schließlich an eines dieser Häuschen gekommen. Restauriert wurde die "Lesevilla" dann auf dem Gelände des städtischen Bauhofs, der sich auch um den Transport des mehr als 900 Kilogramm schweren Teils gekümmert hat. Nun steht die Lesezelle auf dem Petersplatz. Direkt neben den Sitzbänken am Gäßestrepper-Brunnen. "Ein idealer Platz", schwärmt Hackenberger. So könne man sich einfach an den Brunnen setzen und ein Buch lesen. "Und wir haben uns überlegt, im Sommer hier vielleicht auch mal Vorleseabende zu veranstalten", ergänzt Berger.
Am morgigen Samstag um 15 Uhr soll das Häuschen offiziell in Betrieb genommen werden. Momentan ist die Lesezelle, in der Bücher rund um die Uhr ausgeliehen oder getauscht werden können, aber noch als Geschenk verpackt. Und irgendwie weckt auch die Verpackung den Verdacht, dass sich das weibliche Geschlecht ein weiteres Mal durchsetzen konnte. uhe