Eine neue Kampagne soll Eifeler Landwirtschaft im besseres Licht rücken

Kostenpflichtiger Inhalt: Landwirtschaft : Junge Bauern aus der Eifel kämpfen um besseres Image

Eifeler Junglandwirte suchen gemeinsam nach Wegen und Ideen, um ihr Image zu verbessern.

Glyphosat, Massentierhaltung, Viehseuchen, Monokulturen, Klimakiller statt Naturbewahrer – Landwirte kämpfen derzeit nicht nur mit Dürreperioden, Hitzewelle und Nachwuchssorgen, sondern an vielen Fronten auch gegen Vorurteile und Negativ-Schlagzeilen. Aber wie kann man der Öffentlichkeit vermitteln, was Landwirtschaft ist, wie kann man das Image verbessern, wie kann man die Bürger – selbst jene in der Eifel, die Landwirtschaft eigentlich kennen sollten – fürs Thema sensibilisieren?

Dazu trafen sich rund 20 Junglandwirte aus den Kreisen Bitburg-Prüm und Vulkaneifel auf Einladung der Züchtervereinigung Eifel und der Volksbank Eifel zu einem Workshop-Tag bei der Rinder-Union West (RUW) in Fließem. Fast sieben Stunden lang wurden erst die Probleme thematisiert und Antworten auf kritische Fragen gesucht, dann wurden viele Ideen zusammengetragen, wie die jungen Leute in die Öffentlichkeit gehen können. Unter der Moderation von Stefan Krämer, ehemaliger Landwirt aus der Eifel und heute Geschäftsführer der Beratungsfirma k-Consulting, entstand ein bunter Themenstrauß – keine Träumereien, sondern einfach umzusetzen. Wobei die Kernaussage der jungen Landwirte war: „Für Öffentlichkeitsarbeit haben wir eigentlich gar keine Zeit, wir sind den ganzen Tag auf dem Hof beschäftigt.“

Der Kern aller Ideen ist, Landwirtschaft für die Menschen erlebbar zu machen, Leute zu den Höfen oder die Höfe zu den Leuten zu bringen. Und das fängt bei den Kleinsten an: „Wir müssen noch mehr Kindergärten oder Schulen auf unsere Höfe einladen, und den Kindern zeigen, was Landwirtschaft ist“, war eine These, auch wenn einige Junglandwirte schon Negativerfahrungen gemacht haben, wie Aussagen von Eltern: „Da gehst du nicht mehr hin, du stinkst ja!“

Rund 20 Eifeler Junglandwirte wollen in Sachen Image und Öffentlichkeitsarbeit enger zusammenarbeiten und ihre Ideen verwirklichen. Bei einem Workshop mit Stefan Krämer (k-Consultuing), Gerd Grebener (RUW Fließem) und Ralf Moos (Volksbank Eifel) wurden viele Ideen zusammengetragen. Foto: TV/Björn Pazen

Neben den Besichtigungen wollen die Junglandwirte aber auch aktiv mit Schulen oder Kitas kooperieren: Ein Teilnehmer stellt zum Beispiel 30x30 Meter seines Feldes dem örtlichen Kindergarten zur Verfügung, der dort Kartoffeln oder Möhren anbauen oder auch ein Insektenhotel aufstellen kann. „Mehr Landwirtschaft auf den Lehrplan, wir stehen gerne als Experten zum Beispiel für Projektwochen bereit“, heißt es von den jungen Landwirten, die somit gleich auch ein weiteres Problem angehen wollen: Marketing für ihren Beruf, um mehr junge Menschen für eine landwirtschaftliche Ausbildung zu begeistern.

„Wir müssen unsere Betriebe öffnen und die Leute dort informieren, wo sie Kontakt zu unserer Arbeit haben“, war eine andere These. Dazu sollen zum Beispiel Infotafeln an Feldern über die Landwirtschaft informieren, speziell zum Beispiel an hochfrequentierten Wanderwegen. Mit QR-Codes könnten die Interessierten sich dann auch gleich Agrar-Videos über ihr Smartphone anschauen. Tage der Offenen Tür haben ebenfalls schon viele Betriebe veranstaltet. „Wir haben nichts zu verbergen, wir zeigen gerne, was wir machen“, war eine Botschaft: „Jeder Multiplikator ist wichtig.“ In Sachen Umweltschutz sollen die Blühstreifen an den Feldern im Kampf gegen Bienen- und Insektensterben noch stärker in diese Werbung eingebunden werden.

Aber auch vor Ort in den Gemeinden müssten sich die Landwirte noch stärker einbinden. „Ohne die Traktoren der Bauern gäbe es keine Karnevalsumzüge“ sei nur ein Punkt, ein anderer, bei Dorffesten mehr Präsenz zu zeigen, oder auch einmal die Feuerwehr auf den Hof einzuladen. Oder: „Die Leute vorab informieren, wenn wir Gülle fahren.“

Eine Idee aus Luxemburg stieß ebenfalls auf Gegenliebe: ein Online-Tutorial „Frag‘ doch mal den Bauern“, wo junge Landwirte Fragen beantworten und erklären, wie Landwirtschaft funktioniert.

Und auch der Volksfreund soll mit ins Boot genommen werden: „Wir wünschen uns eine Serie über die Arbeit von uns, zum Beispiel eine Bilderstrecke oder in Artikeln, um der breiten Öffrentlichkeit unsere Arbeit vorstellen zu können“ Dieser Wunsch wird vom TV erfüllt, der die engagierten Junglandwirte künftig bei ihrer Arbeit begleiten wird.

 „Der Tag war absolut gelungen. Ich hoffe, dass die jungen Leute am Ball bleiben, und ihre vielen guten Ideen auch umsetzen“, sagt Gerd Grebener, Chef der RUW, der gemeinsam mit Stefan Krämer die Idee für diesen Landwirtschaftsdialog hatte.

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