Eine Orgel außer Atem

Das Instrument der evangelischen Kirchengemeinde Prüm muss erneuert werden. Und Ideen für die Finanzierung hat man auch.

Prüm Pfiffige Aktionen für neue Pfeifen: Warum nicht einen "Orgelwein" kaufen? 9,90 Euro kostet die Flasche vom Weingut Reef in Osann-Monzel, zur Wahl stehen roter Regundus, weißer Riesling oder - am besten - beides. Pro verkaufter Flasche gehen vier Euro in die Finanzierung der neuen Orgel für die Kirche der evangelischen Gemeinde in der Prümer Hillstraße. Nur eine von vielen Ideen, mit denen Pfarrer Clemens Ruhl und die Kirchengemeinde das Geld für ein neues Instrument zusammentragen wollen. Hubert Fasen aus Oberbettingen soll die Orgel bauen, für 180 000 Euro - "und das müssen wir alleine aufbringen", sagt Ruhl, denn die Evangelische Kirche Deutschlands hilft nur, wenn es sich um ein historisches Instrument handelt, das erhalten werden soll.
Historisch ist das Prümer Instrument nicht - auch wenn es infolge der größten Katastrophe in der bisherigen Menschheitsgeschichte gebaut wurde: des Zweiten Weltkriegs. "Nach dem Krieg", erklärt Organist Markus Roschinski, "gab es einen enormen Bedarf an Orgeln, um die Zerstörungen aufzufangen."
So sei das Prümer Instrument, wie so viele andere, "wie am Fließband" gebaut worden, aus dem Material, das zur Verfügung stand und ohne Abstimmung auf den Raum, in dem es dann aufgestellt wurde. Auch mit gebrauchten Elementen: So stammt der Motor, der den Windbalg antreibt, aus der katholischen Kirche St. Peter in Köln.
Die Folge des Ruckzuck-Orgelbaus: "Der Klang ist zu spitz, er ist zu grell, er ist nicht rund", sagt der Kirchenmusiker. Und weil damals nicht das beste Material genommen wurde, haben sich längst Schäden und Ermüdungen eingestellt. Zum Vergleich: Die älteste Orgel in Rheinland-Pfalz, sagt Roschinski, stehe in Niederbettingen - gebaut von Balthasar König. "Und die hat gerade ihr 300. Jubiläum hinter sich." Seine "alte Dame" in der Hillstraße, sagt Roschinski, leide im Vergleich dazu schon unter starkem Asthma. Sie pfeift eben, sagt Pfarrer Ruhl, "aus dem letzen Loch".
Komplett neu soll die Nachfolge-Orgel nicht entstehen: Die etwa 360 Pfeifen können aufgearbeitet werden, hinzu kommen dann noch einmal so viele Klangröhren für das neue Instrument, das in insgesamt rund einjähriger Bauzeit direkt in die Kirche eingebaut werden soll - und nicht vorgefertigt. Selbstverständlich erst, wenn sie das Geld dafür zusammen haben. Dazu sind noch etliche weitere Aktionen geplant. So hatten die Jugendlichen aus der Gemeinde die Idee, die Fläche auf einer großen Pfeife für Werbung zu verkaufen - für die Zeit bis zur Fertigstellung der neuen Orgel. Sponsoren können außerdem Pfeifen-Patenschaften übernehmen: Für die kleinste, nur etwa so groß wie ein Stift, zahlt man 25 Euro, für die größte aus dem tiefen Register 500 Euro.
Am Samstag, 6. Mai, beginnt um 13.30 Uhr am Gemeindehaus außerdem eine "Orgelwanderung" - die Teilnehmer zahlen ein Startgeld als Spende oder lassen jemanden dafür mitwandern.
Und selbstverständlich werden auch die Einnahmen der anstehenden Konzerte und anderen Aktionen für die neue Orgel verwendet. Übrigens: Die Prümer Kirche, sagt Clemens Ruhl, sei bei den Gottesdiensten immer ordentlich besucht. 120 Menschen passen in die Bänke, pro Messe seien meist mehr als die Hälfte der Plätze besetzt, da stehen (oder sitzen) die Evangelen noch deutlich besser da als ihre katholischen Mitgläubigen im Bistum Tier.
Schön auch das: Bei den meist musikalischen Veranstaltungen treffe er nicht nur "seine" Gemeindemitglieder, sondern auch viele Katholiken.
Auch wenn ihre protestantischen Schwestern und Brüder insgesamt deutlich weniger sind: Ruhls Pfarrgemeinde hat etwa 1800 Mitglieder, 500 leben in Prüm, die anderen drumherum, "bis nach Dasburg", sagt er. Dafür aber leitet er seit 2012 immerhin die flächengrößte evangelische Einzelpfarrstelle in ganz Deutschland. Wenn alles klappt wie erhofft, ist die Orgel bis 2012 fertig. Dann feiern die Prümer Protestanten nach dem aktuellen Lutherjahr ihr nächstes Fest: den 200. Gemeindegeburtstag.DIE NäCHSTEN KONZERTE IN DER EVANGELISCHEN KIRCHE


Extra

Samstag, 8. April, 19.30 Uhr: Toni di Napoli und Pietro Pato präsentieren unter dem Titel "Tenöre4you" eine Mischung aus Klassik und Pop. Eintritt 18,50 Euro im Vorverkauf, 21 Euro an der Abendkasse. Freitag, 19. Mai, 18 Uhr: Orgelkonzert mit Berthold Wicke aus Bonn - Klassik, Klezmer und Jazz mit dem langjährigen Kantor der Bonner Lutherkirche. Freitag, 25. August: Samba, Rumba und viel südamerikanische Stimmung unter freiem Himmel mit dem Pianisten Stanley Hanks. Samstag, 21. Oktober, 17.30 Uhr: Konzert mit Serge Schoonbrodt aus Lüttich. Der Orgel-"Rebell" aus Belgien zeigt, dass auch Hip-Hop zur Orgel passt. Außer beim ersten Konzert ist der Eintritt frei, um Spenden wird gebeten. Karten, Informationen und alles Weitere zur Spendenaktion im Büro der evangelischen Kirchengemeinde, Telefon 06551/2550.