Eine Perspektive dank einer helfenden Hand
Bitburg/Daun/Wittlich · Erziehungsberatung für Eltern, Therapien für Kinder und Jugendliche: Das Palais Eifel mit Standorten in Bitburg, Daun und Wittlich bietet diverse pädagogische und therapeutische Hilfen zur Erziehung psychisch beeinträchtigter Kinder und Jugendlicher an. 200 Familien betreut die Einrichtung derzeit, 150 junge Menschen finden hier Hilfe.
Bitburg/Daun/Wittlich. "Ich habe früh erkannt, dass meine Tochter anders ist", erzählt eine Mutter aus der Region, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Schon als Kleinkind habe Sarah (Name von der Redaktion geändert) sich nicht normal verhalten. "Es war, als lebte sie in ihrer eigenen Welt."
Anstatt im Kindergarten mit den anderen Kindern zu spielen, saß die Dreijährige in einer Ecke und sprach mit sich selbst, spielte Spiele, für die sie niemand anderen brauchte, die allein in ihrem Kopf stattfanden. Wenn jemand zu ihr kam, drehte sich das Mädchen weg, sogar die Nähe zu den Eltern lehnte sie ab.
70 Mitarbeiter
Als sie älter wurde, bemerkten ihre Eltern weitere Auffälligkeiten. Sarah war unfähig, Witze oder Schwindeleien von ernst gemeinten Aussagen zu unterscheiden. Auch das Verhalten ihrer Mitschüler konnte sie nicht richtig deuten: "Wenn ein Kind hingefallen war und weinte, kam es vor, dass Sarah daneben stand und lachte", erzählt ihre Mutter.
Für die Eltern begann eine Odyssee von einem Sprechzimmer zum nächsten, zu Kinderärzten, Pädagogen, Therapeuten, Psychologen. Bis irgendwann die Diagnose feststand: Sarah leide unter einer angeborenen Entwicklungsstörung, dem Asperger-Syndrom, einer Form von Autismus.
Keine Seltenheit, wie Frank Pfeiffer, Leiter des Palais Eifel, dem Fachdienst für spezielle Hilfen im Kindes- und Jugendalter, betont: In der Region gebe es etliche Fälle - obwohl keine genauen Zahlen vorliegen.
Pfeiffer hatte 2008 die Integrationshilfe für autistische Kinder als neues Standbein des Palais Eifel geschaffen (siehe Hintergrund) - zunächst nur am Standort Bitburg, 2009 auch in Daun und seit vergangenem Jahr in Wittlich. Insgesamt betreut das Palais Eifel heute 35 autistische Kinder - 18 in Bitburg, elf in Daun und sechs in Wittlich. Tendenz: steigend.
Doch nicht nur autistische Kinder wie Sarah bekommen beim Palais Eifel Hilfe: Die Einrichtung bietet diverse pädagogische und therapeutische Hilfen zur Erziehung psychisch beeinträchtigter Kinder an.
Hilfe bei Schulproblemen
150 werden derzeit an den drei Standorten betreut - weil sie beispielsweise Entwicklungsverzögerungen aufweisen, emotional belastet oder gar traumatisiert sind. Die Einrichtung mit ihren insgesamt 70 Mitarbeitern kümmert sich um mehr als 200 Familien, übernimmt in drastischen Fällen eine Art Kontrollfunktion beim Verdacht auf Kindeswohlgefährdung, unterstützt aber auch etwa bei Behördengängen und vermittelt bei Problemen mit der Schule. So wie auch bei Sarah, die vor drei Jahren als eine der ersten Kinder einen Integrationshelfer über das Palais Eifel bekam. Dieser helfe dabei, dass autistische Kinder wie Sarah am normalen Schulalltag teilnehmen und dabei lernen, ihre Störungen zu kompensieren, sagt Pfeiffer. "Die Schulbegleitung ermöglicht in den meisten Fällen den Verbleib in der Regelschule und eröffnet somit bessere Perspektiven für die Zukunft."Jeden Tag wird das Mädchen in der Grundschule von einer Schulbegleiterin betreut. Diese sitzt in Sarahs Nähe, unterstützt, motiviert, lenkt ihre Aufmerksamkeit auf das Wesentliche oder erläutert das Verhalten der Mitschüler.
"Die Schulbegleitung hat Sarahs soziales Verhalten enorm gestärkt", sagt ihre Mutter. Inzwischen suche die Zehnjährige vermehrt Kontakt zu anderen Kindern und käme besser in Gruppen zurecht. Ein Erfolg, den Sarahs Mutter vor dem Kontakt zum Palais Eifel kaum für möglich gehalten hätte.
Das Palais Eifel wurde im Jahr 2002 am Standort Bitburg unter dem Namen Magic als Tochtergesellschaft des Palais Trier gegründet. Nachdem die Einrichtung 2008 finanziell stark angeschlagen war, zog das Palais Trier als Gesellschafter die Reißleine. Seitdem leiten Frank Pfeiffer und Dirk Rachler die Einrichtung unter dem Namen Palais Eifel, das sich neben der Hilfe zur Erziehung auch auf die Integrationshilfe für autistische Kinder spezialisiert hat. Die Einrichtung finanziert sich über die Abrechnung ihrer Leistungen mit dem Jugendamt - jährlich erwirtschaftet sie etwa zwei Millionen Euro. Aufgrund der verbliebenen Schulden aus früheren Zeiten könne das Palais Eifel aber damit derzeit nur seine laufenden Personal- und Sachkosten decken, gibt die Geschäftsführung Auskunft. beke