Eine Portion Fritten und eine Prise Bibel, bitte

BITBURG. Die 100. Stunde hat geschlagen: Der Bibelmarathon ist am Sonntag in der Pfarrkirche St. Peter zu Ende gegangen. In Zukunft wird man an Imbissbuden oder in der Sauna wieder ohne Gottes Wort zurecht kommen müssen.

Fünf Tage lang hieß es: lesen, lesen, lesen. Gottes Wort war Tag und Nacht zu hören, und das an den ungewöhnlichsten Orten. Denn die rund 800 Lektoren verbreiteten die Botschaft nicht nur - wie gewöhnlich - in der Kirche, sondern unter anderem im Verbrauchermarkt, an Imbissbuden oder sogar in der Sauna. Der Anlass war das Jahr der Bibel. Der Jugendpfarrer für die Region Westeifel, Herbert Lucas, ist einer der rund 800 Mitwirkenden. "Wir wollten den ein oder anderen noch einmal aufmerksam machen. Und es ist uns wirklich gelungen", resümiert er. Er war bei rund 20 Stationen dabei, als Lektor oder als Zuhörer. Die Reaktionen der Zuhörer seien fantastisch gewesen, berichtet Lukas. Besonders freute er sich über eine Gruppe Jugendlicher aus Magdeburg, die für ein paar Tage in Bitburg war. "Sie fanden die Aktion Bibelmarathon sehr bemerkenswert. Vor allem, weil es ein gemeinsames Projekt von evangelischen und katholischen Gläubigen war." Familie Zander aus Belgien, die sich an der Imbissbude in Wolsfeld eigentlich nur ein paar Pommes bestellen wollte, verlängerte ihren Zwischenstopp auf dem Weg in die Heimat. "Bei uns hat es eine solche Aktion leider noch nicht gegeben, ich finde es großartig", sagte Chantall Zander.Herbert Lucas: Keiner hat gemeckert

Während der Lesungen herrschte eine ruhige Atmosphäre. "Nirgends wurde geschimpft, was das denn soll. Passanten blieben einfach stehen, nachdem sie aufmerksam geworden waren und hörten zu", erzählt Herbert Lucas. Die einen blieben nur eine Weile, andere ließen die Texte eine ganze Stunde lang auf sich wirken. "Die Altersspanne der Zuhörer war deckungsgleich mit der der Leser - vom Kindergarten, bis zum Altersheim", sagt Herbert Lucas. Der Kindergarten Liebfrauen in Bitburg gestaltete die Bibelstunde auf kindgerechte Art. Die gelesene Szene aus dem Buch Samuel wurde aufgebaut, und die Kinder malten Bilder. Später wurde über die Geschichte diskutiert. "Zu Hause bete ich auch mit meinen Eltern. Und wenn ich traurig bin, hilft Gott mir", sagte die fünfjährige Julia Baatz. Auch in der Polizeiinspektion in Bitburg wurde gelesen. Nicht nur ein ungewöhnlicher Ort, sondern auch eine ungewöhnliche Zeit: Polizeihauptkommissar Klaus Schnarrbach und Diakon Günter Zisch, zugleich Polizeihauptkommissar und stellvertretender Leiter der Autobahnpolizei Schweich, lasen um drei Uhr nachts. Schnarrbachs Begründung für den "Sondereinsatz" klingt einleuchtend: "Wir arbeiten mit straffällig Gewordenen, mit Menschen, die mit der Bibel gebrochen haben." Zwischen der Polizei und der Kirche herrsche ein Geben und Nehmen. "Wir haben eine Polizeiseelsorge eingerichtet. Denn die Konfrontationen mit Tod, Sterben und Leid, oder das Überbringen von Todesnachrichten ist oft keine leichte Sache", sagte Günter Zisch. Rund 3500 Menschen haben aktiv oder passiv an den Lesungen teilgenommen. Das Thema Bibel, Religion und Glaube sind noch einmal ein Stück mehr in das tägliche Leben eingebracht worden.

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