Eine Quote für den sozialen Wohnungsbau

BITBURG : Quote für den sozialen Wohnungsbau

Bezahlbarer Wohnraum wird knapp – und das auch zunehmend im ländlichen Raum, wie bei einer Diskussionsveranstaltung in Bitburg deutlich wurde. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken.

„In den letzten Jahrzehnten wurde eigentlich nur für Reiche gebaut“, sagt Annette Spellerberg. Die Professorin der Technischen Universität Kaiserslautern befasst sich mit Stadtsoziologie, also mit den Beziehungen sozialer Gruppen im städtischen Raum. Und dass es um die Beziehungen dieser unterschiedlichen Gruppen nicht zum Besten steht, wird unter anderem deutlich, wenn man einen Blick auf den Wohnungsmarkt wirft. Dann nämlich stellt man fest, dass die Verlierer dieser Beziehung vor allem die Sozialschwachen der Gesellschaft sind. Nicht nur, weil sie ohnehin schon zu wenig Geld haben, sondern weil ein Großteil ihres Einkommens fürs Wohnen draufgeht.

„In Deutschland liegt die Mietbelastungsquote bei 27 Prozent“, sagt die Soziologin. Im Schnitt gibt jeder Miethaushalt rund ein Viertel seines Einkommens für die Miete aus. „Bei den Ärmeren jedoch liegt diese Belastung deutlich höher“, sagt Spellerberg. In der Einkommensklasse von bis zu 900 Euro würden mehr als 40 Prozent des Einkommens für die Miete benötigt, erklärt sie und nennt dann wenig später die Ursache für dieses Problem: „Wir brauchen unbedingt mehr Sozialwohnungen.“

Um den Bedarf zu decken, müssten jedes Jahr 100 000 neue gebaut werden, erklärt sie. Doch seit Jahren sei der Bestand an Sozialwohnungen sinkend. Derzeit gebe es bundesweit nur noch 1,24 Millionen Sozialwohnungen. Und das sei schlichtweg zu wenig.

Bedarf an bezahlbarem Wohnraum gibt es aber nicht nur in großen Städten und Ballungsgebieten, sondern auch in ländlichen Räumen wie beispielsweise in Bitburg, wo Spellerberg im Bitburger Hotel Eifelbräu Referentin einer Diskussionsveranstaltung zu diesem Thema ist. Weitere Teilnehmer der von der Friedrich-Ebert-Stiftung organisierten Runde sind der SPD-Landtagsabgeordnete Nico Steinbach, der auf die vielen Fördermöglichkeiten für den sozialen Wohnungsbau verweist, Susanne Tschirschky von der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz und Karl-Heinz Schlifter aus Gillenfeld. Er ist Ortsbürgermeister der Vulkaneifelgemeinde und zudem Vorsitzender der Genossenschaft am Pulvermaar. Die Idee hinter dieser Genossenschaft ist der Aufbau einer sorgenden Gemeinschaft. Erreicht werden soll das unter anderen durch barrierefreien Wohnraum. So errichtet die Genossenschaft, der sich jeder anschließen kann, derzeit zwei Gebäude mit einem Dutzend Wohnungen. Bei diesem Projekt handelt es sich zwar nicht um sozialen Wohnungsbau, doch ist der Gedanke dahinter ein ähnlicher. Es geht um gesellschaftliche Verantwortung und nicht um Profit.

In dieser Hinsicht ist es um Bitburg eher schlecht gestellt. Zwar sind auch dort Investoren eifrig am Bauen, doch Sozialwohnungen sucht man in den vielen Anlagen, die im Stadtgebiet nach und nach hochgezogen werden, vergeblich. Was nicht zuletzt daran liegt, dass es in Bitburg keine Sozialbau-Quote gibt. „Woanders muss ein Investor, wenn er neu baut, auch 25 Prozent geförderten Wohnraum schaffen, in Bitburg muss er das nicht“, kritisiert ein Teilnehmer aus dem Publikum.

Möglicherweise aber ändert sich das ja. Zumindest deutet Bürgermeister Joachim Kandels etwas in diese Richtung an. „Wir werden demnächst ein eigenes Baugebiet entwickeln“, erklärt der Bürgermeister, „und über unsere Bauleitplanung haben wir durchaus Steuerungsmöglichkeiten.“

Inwieweit davon dann Gebrauch gemacht wird, ist die eine Frage. Die andere ist, ob bei der anstehenden Konversion des riesigen Housing-Areals auch der soziale Wohnungsbau berücksichtigt wird. Ausreichend Wohnblöcke seien dort ja bereits vorhanden, stellt Diskussionsmoderator Heiko Jakobs fest. Wäre es da nicht eine Option, einige davon zu erhalten, um dort günstigen Wohnraum zu schaffen, fragt Jakobs die Professorin aus Kaiserslautern. Sie kenne das Areal zwar nicht, halte davon aber wenig, meint dazu Spellerberg. „Die alten Gebäude entsprechen nicht den heutigen Standards“, so die Soziologin, „und am Ende leidet darunter dann das gesamte Gebiet.“

Das Interesse an der Diskussionsveranstaltung zum Thema bezahlbares und zeitgemäßes Wohnen ist groß. Foto: Uwe Hentschel
Das Interesse an der Diskussionsveranstaltung zum Thema Bezahlbares und zeitgemäßes Wohnen ist groß. Foto: Uwe Hentschel

Unter der Housing wiederum könnte das Bitburger Umland leiden. Denn je nachdem, wie viel Wohnraum auf dem 65 Hektar großen Areal entsteht, könnte das die Landflucht in Richtung Bitburg weiter vorantreiben. Diese Sorge wird auch in der Diskussionsveranstaltung angesprochen, von Kandels allerdings nicht geteilt. „Wir wollen, dass die Entwicklung der Housing Strahlkraft auf das Umland hat und wollen das deshalb auch gemeinsam mit der VG Bitburger Land angehen“, sagt der Bürgermeister. Und auch Steinbach, der nicht nur Landtagsabgeordneter, sondern zudem auch Ortsbürgermeister in Oberweiler ist, zeigt sich zuversichtlich: „Unterm Strich ist die positive Entwicklung in Bitburg das, was die Region beflügelt.“

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