Eine Sache des Vertrauens

Jetzt kann es endlich losgehen: Der Prümer Stadtrat hat die Unterlagen für den Hahnplatz-Wettbewerb einstimmig beschlossen. Darin ist festgeschrieben, dass es einen Kreisverkehr geben muss, nicht aber, wie viele Parkplätze es geben wird. Das hatte die Prümer Bürgerbewegung (PBB) gefordert.

Prüm. Das Vorspiel ist vorbei, jetzt wird es ernst. In Sachen Hahnplatz-Neugestaltung hat der Prümer Stadtrat jetzt die Ausschreibungsunterlagen für den Architekten-Wettbewerb einstimmig beschlossen, die in diesen Tagen europaweit veröffentlicht werden.
Damit sind nun die kreativen Köpfe von Santander bis Narvik gefragt, die schönste und beste Lösung für den Hahnplatz zu entwickeln. Mitte November wird das Preisgericht aus Experten und Stadtratsmitgliedern schließlich den Sieger küren (siehe Extra). "Ich bin sehr gespannt auf die Beiträge und sehne den Moment der Öffnung herbei", sagt Marcus Hille. Der Städteplaner aus Ingelheim ist von der Stadt Prüm beauftragt, die Federführung beim Hahnplatz-Wettbewerb zu übernehmen (der TV berichtete).
So wie ihm wird es den meisten Stadtratsmitgliedern gehen. Doch offenbar schwingt bei einigen auch ein bisschen Angst mit, die Zukunft des Hahnplatzes ein Stück weit aus der Hand zu geben und in die Obhut des Preisgerichts zu geben. Deshalb gibt es bei zwei Punkten doch noch Diskussionsbedarf. Zum einen: Soll in den Ausschreibungsunterlagen eine Mindestzahl an Parkplätzen auf dem Hahnplatz festgeschrieben werden? Zum anderen: Soll der Stadtrat bei der Vergabe das allerletzte Wort behalten und einen anderen Sieger als das Preisgericht bestimmen dürfen, wenn zwei Drittel der Ratsmitglieder dafür sind? Beide Änderungsanträge hatte die Prümer Bürgerbewegung (PBB) in den Stadtrat eingebracht.Änderungsanträge abgelehnt


Parkplätze auf dem Hahnplatz in unmittelbarer Nähe der Geschäfte und gastronomischen Betriebe seien wichtig für die Belebung des innenstädtischen Gewerbes, heißt es in der Begründung. Außerdem sei durch das geplante Pflegezentrum auf dem Parkhaus am Teichplatz damit zu rechnen, dass dort künftig weniger Stellflächen verfügbar seien. Deshalb sei es wichtig, dass die aktuelle Zahl von 46 Parkplätzen auf dem Hahnplatz nicht unterschritten werde.
Des Weiteren regt Johannes Reuschen, Fraktionsvorsitzender der PBB, an, nicht nur mit dem Erstplatzierten des Wettbewerbs zu verhandeln: Der Stadtrat solle die Möglichkeit haben, der Jury-Empfehlung nicht zu folgen und einen anderen Sieger mit Zweidrittelmehrheit zu beauftragen.
"Das heißt nicht, dass wir dem Preisgericht nicht vertrauen", betont Reuschen gleich mehrfach. Vielmehr will er den Antrag dahingehend verstanden wissen, dass sich der Stadtrat eine "lediglich hypothetische Möglichkeit" offenhalten müsse, falls der von der Jury gekürte Sieger in der Stadt überhaupt nicht gefalle.
Doch bei den anderen Fraktionen stoßen die Vorschläge nicht auf fruchtbaren Boden und werden abgelehnt. So wirbt beispielsweise Christine Kausen von der Liste Kleis und Vorsitzende des Prümer Gewerbevereins um Vertrauen für die Jury. "Ich verstehe, dass alle Angst haben vor einem Worst Case", sagt Kausen, die selbst stellvertretendes Jury-Mitglied ist und bei den ersten Treffen dabei war. "Das sind alles ernstzunehmende Leute, die etwas gutes für Prüm wollen. Die haben auch schon gemerkt, dass wir nicht so ganz einfach sind." Die Entscheidung über den Sieger werde am Ende von der fachkundigen Jury getroffen, und sie könne sich nicht vorstellen, dass es nachher der Stadtrat besser wisse. "Ich vertraue unseren Leuten im Preisgericht, dass sie eine gute Entscheidung treffen können", sagt Kausen. Dennoch ist sie zumindest für die Aufnahme von einer Mindestzahl von 46 Parkplätzen auf dem Hahnplatz. Ihr Fraktionskollege und Jurymitglied Erich Reichertz unterstützt gleich beide PBB-Anträge.
Auch Städteplaner Marcus Hille versucht, die Sorgen der Ratsmitglieder zu zerstreuen: "Das sind alles erfahrene Preisrichter, die das Bestreben haben, eine gute Entscheidung für Prüm zu treffen." Würde man von deren Empfehlung abweichen, bestehe die Gefahr, dass alles zerredet werde und sich der ganze Aufwand für den Wettbewerb nicht gelohnt habe. Seiner Erfahrung nach gebe es immer eine eindeutig beste Arbeit. "Ich vertraue darauf, das ein guter erster Preis gefunden wird", sagt Hille. Schon die Möglichkeit, dass es zwei gleichwertige erste Sieger gebe, sei für ihn bereits "ein Worst-Case-Szenario".
Auch Sadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy setzt ihr Vertrauen in die Jury. "Ich war sehr angenehm überrascht, wie das Preisgericht mit uns umgegangen ist. Die wollen nicht, dass in Prüm etwas umgesetzt wird, womit keiner leben kann."
Meinung

Nur Mut!
Vertrauen: Das ist das entscheidende Wort, nicht nur in der aktuellen Stadtratssitzung, sondern auch für den gesamten Wettbewerb. Das zweite wichtige Wort ist: Offenheit. Die Prümer - Ratsmitglieder und Bürger - müssen dem Preisgericht vertrauen, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen den nach ihrer Ansicht besten Hahnplatz-Entwurf zum Sieger küren. Und dieses Vertrauen ist durchaus berechtigt. Welches Interesse sollten die externen Fachleute der Jury daran haben, den örtlichen Vertretern etwas aufzuzwingen, was sie überhaupt nicht wollen? Der beste Vorschlag ist der, bei dem der größte Konsens gefunden wird. Außerdem werden die Entwürfe anonym bewertet. Niemand weiß vor der Entscheidung, welches Büro für welchen Vorschlag verantwortlich ist - ein ganz entscheidender Fakt, der bei einer nachträglichen Stadtratsentscheidung nicht mehr gegeben wäre. Gleichzeitig müssen die Bürger und ihre gewählten Vertreter offen sein für neue Ideen und Vorschläge zur Hahnplatzgestaltung - auch wenn das heißt, manche in Jahrzehnten verfestigten Vorstellungen über Bord zu werfen. Denn das ist ja die große Chance des Wettbewerbs: Dass kreative Menschen ihre besten Ideen entwickeln, wie der Platz bestmöglich gestaltet werden kann, auch wenn sie vielleicht erst auf den zweiten, unvoreingenommenen Blick zu überzeugen wissen. Von daher: Nur Mut! c.brunker@volksfreund.deExtra

Das Preisgericht, das über den Hahnplatz-Wettbewerb entscheiden wird, besteht aus folgenden Experten: Georg Bäumle, Architekt und Landschaftsplaner, Darmstadt; Petra Bittkau, Landschaftsarchitektin, Wiesbaden; Professor Jürgen Bredow, Architekt, Darmstadt; Professor Gerhard Freising, Architekt, Trier; Manfred Müller, Architekt, Trier; Professor Klaus Trojan, Architekt und Landschaftsplaner, Darmstadt. Ihre Stellvertreter sind Hans-Jürgen Stein, Architekt, Kasel; Tobias von Pastau, Architekt, Mainz; Frank Schwaibold, Landschaftsarchitekt, Koblenz. Vertreter der Stadt in der Jury sind: Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy (CDU), Herbert Berens-Knauf (CDU); Ferdinand Malburg (PBB); Erich Reichertz (Liste Kleis); Markus Fischbach (SPD). Ihre Vertreter sind: Herber Mayer, Dudeldorf; Horst Follmann (CDU); Johannes Reuschen (PBB); Christine Kausen (Liste Kleis), Bodo Hiltawski (SPD). Hinzu kommen weitere Berater, die aber kein Stimmrecht haben wie Helmut Bell vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) Gerolstein, Kreisdenkmalpfleger Detlef Kleintitschen oder Klaus Zimmermann von Stadtplanungsbüro ISU aus Bitburg. Der Zeitplan: Bis zum 1. Juli können sich Büros oder Planungsgemeinschaften um die Teilnahme bewerben. 25 davon werden ausgewählt und gebeten, Entwürfe für den Hahnplatz zu erstellen. Bis zum 23. Oktober müssen sie ihre Unterlagen eingereicht haben. Die Preisgerichtssitzung ist für den 21. November, 9 Uhr, geplant, anschließend wird der Sieger verkündet. Danach werden die Arbeiten zwei Wochen lang öffentlich ausgestellt. ch

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