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STADTENTWICKLUNG
Eine Stadt will wachsen: Echternach gibt Gas

 Zwei große Projekte in Echternach: das Baugebiet Oachtergäert (links) und die Umgestaltung des Schulbereichs. 
Zwei große Projekte in Echternach: das Baugebiet Oachtergäert (links) und die Umgestaltung des Schulbereichs.  FOTO: tv / Ulrike Löhnertz
Echternach. Die Echternacher gestalten ihre Stadt um. Und das gehörig. Gleich mehrere große Projekte sind angelaufen. Und da kommt noch mehr.

Yves Wengler meint sich entschuldigen zu müssen. Gleich zu Beginn der Pressekonferenz (PK). Aber nicht etwa, weil er schlechte Nachrichten hat. Nein, er hat einfach zu viele, die aus seiner Sicht gut sind. Und die eine Pressekonferenz in die Länge ziehen könnten. „Das wird jetzt ein bisschen viel“, sagt er. „Eigentlich könnte man für jedes Thema eine extra PK machen.“

Da jetzt aber erst mal alles in einem Aufwasch besprochen werden soll, geht es im Schweinsgalopp durch diverse Vorhaben.  Denn das Stadtmarketing und die Stadtentwicklung, die die Gemeinde vor einigen Jahren verstärkt angeschoben hat, macht sich bemerkbar: in Projekten, Plänen und Prognosen. Im Mittelpunkt steht die Belebung einer Stadt, die laut Wengler „viele Jahre Stillstand hinter sich hat“.

Das will er zusammen mit seinen Mitarbeitern und politischen Mistreitern nun ändern. Und er ist schon kräftig dabei. Denn so könne es nicht weitergehen.  „Es gab hier über viele Jahre kaum Bauland für junge Familien. Vor allem kein bezahlbares.“ Das habe dazu geführt, dass viele in andere Orte Luxemburgs oder nach Deutschland abgewandert seien. Mit Folgen für die wirtschaftliche, kulturelle und bauliche Entwicklung der Stadt an der Sauer.

Nun nimmt die Stadt die Belebung dieser Bereiche verstärkt in die Hand. Nicht nur dadurch, dass man privates Investment anlockt, sondern vor allem durch staatlich finanzierte Projekte. Vorteil: Die Stadt hält die Fäden in der Hand und kann so bestimmte Prozesse – zum Beispiel die Ansiedlung von  Familien – steuern und Finanzspekulationen vermeiden. Und das mit Mitteln, von denen eine deutsche  Gemeinde  nur träumen kann. 100 Millionen Euro, schätzt Wengler, flössen innerhalb von zehn Jahren in ihre Entwicklung. Und dieser Prozess läuft derzeit auf Hochtouren. Ziel sei ist es, „Echternach insgesamt atrraktiver zu machen“.

Eine weitere Vision Wenglers ist es, die Bevölkerungszahl von derzeit rund 5600 auf 7000 in etwa zehn bis 15 Jahren anschwellen zu lassen. Unter den vielen Projekten, die die Stadt angeschoben hat, sind in diesem Zusammenhang vor allem drei bedeutend: die Petite Marquise, das Baugebiet „Oachtergäert“ und der Umbau der Schule mit Sportzentrum.
Petite Marquise:
Dort, wo etwa 20 Jahre lang  das ehemalige Hotel „A La Petite Marquise“ vor sich hin gammelte. hängt nun ein rotes Transparent „Echternach, Eng Stadt a Bewegung“. Die Stadt hat das Gebäude gekauft und abgerissen. „Da gab es keine Chance, dass irgendjemand das sonst kauft“, sagt Wengler.  Denn dauerhaft ein Hotel in Echternach zu betreiben, sei angesichts der Kosten für Grundstücke und Personal kaum machbar.  Und das liege nicht an der mangelnden Auslastung.

Man habe also diesen Schritt gehen müssen, um den Marktplatz als Aushängeschild der Stadt wieder   attraktiver zu machen. Geplant ist ein Wohn- und Geschäftshaus. In den Obergeschossen sind mehr als  30 Wohnungen vorgesehen, im Erdgeschoss Ladenflächen. Im Untergeschoss ist ein Parkhaus geplant. Geplante Gesamtkosten: rund 17,5 Millionen Euro. Nun stehen die Auftragsvergaben für den Bau des Gebäudes an, das stilistisch an  das alte Hotel erinnern und sich an den Stil des Nebengebäudes anpassen soll.

„Die Bauphase soll Ende 2019 anfangen“, sagt der Gemeindechef. Parallel würden schon jetzt die Preise für die entstehenden Eigentumswohnungen festgelegt und diese verkauft. Im Erdgeschoss dagegen bleibt die Gemeinde Besitzerin der Flächen; sie wird sie „nur“ vermieten. Geplant sind   ein Bistro und ein Restaurant mit Terrassen zur Belebung des Marktplatzes.

Baugebiet „Oachtergäert“:
„Dieses Projekt ist ja ewig diskutiert worden. Aber nichts hat sich getan“, sagt Wengler.  Nun, nach den ersten, wieder verworfenen Planungen, die bereits auf die 1990er Jahre zurückgehen, hat die Stadt es geschafft, auch gegen Widerstände die Schaffung eines Baugebietes mit 122 Plätzen anzuschieben. Die Skepsis gegen dieses Vorhaben erklärt sich leicht, wenn man weiß, dass es sich hier vorrangig um ein Kleingarten-Areal handelt,  das einige der Eigentümer gerne im alten Zustand belassen hätten. Doch an diesem Punkt will  Wengler keine privaten Interessen gelten lassen. Schließlich gehe es um die Zukunft der Stadt Echternach.

Bei der Vermarktung ihrer eigenen 27 Grundstücke im Baugebiet will die Stadt darauf achten, dass sie für Familien erschwinglich bleiben. Also werden sie nach dem Erbpachtprinzip zu  erschwinglichen Pachtzinsen an Menschen weitergegeben, die die Stadt auswählt. Und zwar nach einem an sozialen Kriterien orientierten  Punktemodell, das noch entwickelt werden soll. Dabei spiele, so Wengler, vor allem eine Rolle, dass die Menschen „hier arbeiten“. Vor allem würden durch das Modell Spekulationen verhindert, da die Stadt ja Besitzer der Grundstücke bleibe. 2021 sollen die ersten Häuser stehen.

Umgestaltung Bahnhofsbereich/Schule: Das ehemalige Bahnhofsgelände und das angrenzende Schulareal an der Sauer sollen umgestaltet werden. Ein weiteres Projekt, für das es laut Wengler schon „vor 15 Jahren Planungen gab, die wieder verwarfen wurden“. Mitte des Jahres beginnen Arbeiten an den Kanälen und am Hochwasserschutz. In einer Bürgerversammlung sollen alle drei Phasen des Projekts erläutert werden. Der Busbahnhof ist bereits Ende 2018 umgezogen auf den Platz  „Kack“.

Das schafft Platz, um am alten Standort ein Parkhaus mit Gastronomie und Geschäftsflächen zu schaffen.  Nebenan soll die Schule samt Turnhalle erneuert werden. Erstens, so der Stadtchef, seien die Gebäude „in einem desolaten Zustand“. Zudem müsse die Schule ausgebaut werden, denn man rechne ja mit mehr Einwohnern und damit auch mit mehr Kindern. Auch das Lycée soll eine Sporthalle bekommen. Bisher wurde die der benachbarten Schule genutzt.

 Schule und Turnhalle in Echternach sollen saniert werden
Schule und Turnhalle in Echternach sollen saniert werden FOTO: tv / Ulrike Löhnertz