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Eine ungewöhnliche Nachbarschaft

Eine ungewöhnliche Nachbarschaft

Hund und Katze als Haustiere sind kein Problem. Aber was macht ein Mensch mit Fuchs und Igel, die man am Straßenrand oder auf dem Grundstück findet? Zwei Nachbarn in Herforst (Eifelkreis Bitburg-Prüm) können darüber mehr erzählen.

Herforst. "Das Haus hier habe ich nur gekauft, damit Moppel Platz hat", sagt Heiko Pagel aus der Ringstraße in Herforst. Und Moppel ist kein Hund, Katze oder Maus, sondern ein Fuchs, genauer gesagt, eine Füchsin. Pagel fand ihn vor etwa vier Jahren auf einem Feld in der Nähe von Ferschweiler.

"Zuerst habe ich nicht gewusst, was das für ein Tier ist, so klein und winzig habe ich noch nie einen Fuchs gesehen", erklärt der Mitarbeiter vom Kampfmittelräumdienst. Er hob ihn auf und schon fauchte es ihm entgegen. Der Welpe muss wohl zehn bis 14 Tage alt gewesen sein, denn er konnte noch kaum die Augen öffnen, weiß Fuchsvater Pagel.

Der Jagdpächter habe ihm dann Tipps zur Aufzucht des Tieres gegeben, und auch im Internet habe er sich informiert.

Mit Katzen- und Hundeaufzuchtsmilch wurde Moppel zu dem, was er heute ist. Eine stubenreine Füchsin, die wundersamer Weise auf Anhieb wusste, was ein Katzenklo bedeutet.

Heute bekommt sie Hundefutter und Früchte, Knochen und getrocknetes Schweineohr. Und sämtliche Hundeimpfungen läßt Moppel auch geduldig über sich ergehen. Nur ein Unterschied zum Hund gibt es doch: Moppel kann nicht bellen und stört damit niemanden in der Nachbarschaft.

Dennoch: "Es hat schon eine Anzeige gegeben wegen illegaler und nicht artgerechter Haltung eines Wildtieres." Aber auch das ist inzwischen geregelt. Moppel ist jetzt registriert beim Veterinäramt und dieses erlaubt dem Ziehvater, dass Moppel in Herforst bleiben darf.

Die Füchsin ist bewusst nicht dressiert worden. "Sie soll so viel Individualität behalten, wie möglich", betont Pagel. Wie Moppel reagiert, wenn Herrchen nach Hause kommt, ist immer verschieden. "Manchmal freut sie sich, manchmal sehe ich keine Reaktion."

Inzwischen hat Moppel einen Freund gefunden. Denn was Heiko Pagel kann, kann Nachbar Rudi Reffke auch: Er hat vor etwa fünf Wochen auf dem Parkplatz in der Nähe des Hauses in der Ringstraße einen winzigen, verlassenen Igel gefunden. "Er hatte eine Größe wie ein Gänseei", erklärt Rudi Reffke.

Auf Anraten der Tierärztin bekam "Schnippi", wie das Igelmännchen genannt wird, Katzenmilch und schluckt jetzt eifrig Katzenfutter mit einem Eigelb vermischt, das im Mixer püriert wird.

Im Garten hat Rudi Reffke ein Häuschen gezimmert, in der Hoffnung, dass Schnippi nicht mehr ausbüxt. Das hat er schon getan, und das Herrchen war fast zu Tränen gerührt. Schnippi kam aber nach einer ausschweifenden Nacht wieder zum Futternapf im Garten zurück. Auch Füchsin Moppel hat sich bereits selbstständig gemacht. Aber auch sie weiß genau, wo ihr Futter steht. Der jetzt 2,50 Meter hohe Zaun um Pagels Grundstück wird solche Eskapaden in Zukunft verhindern, damit Moppel und Schnippi friedlich Zaun an Zaun miteinander leben können.