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Einem Schlächter zu Ehren?

Einem Schlächter zu Ehren?

Ist der Ort Wißmannsdorf nach einem deutschen Kolonialverbrecher benannt? Eine kleine Geschichtsstunde.

Wißmannsdorf Wir schreiben das Jahr 1891. Die Truppen des deutschen Kommandeurs Hermann von Wissmann stehen am Fuß des Kilimandscharo. Bald will er ins Reich der Kibosho einfallen. Denn deren Häuptling Sina hatte es "gewagt", die Flagge der Deutschen abzureißen und die von Sansibar zu hissen. Diese Handlung bezahlt der Stamm mit 200 Toten.
Es ist nicht die einzige sogenannte Strafexpedition, die unter Wissmanns Leitung vollstreckt wird. Seinerzeit als Entdecker, Forscher und "Deutschlands größter Afrikaner" gefeiert, gilt er heute als Kolonialverbrecher.
Trotzdem finden sich quer über die Bundesrepublik immer noch Denkmäler zu seinen Ehren, Straßen, die seinen Namen tragen. Nach und nach werden sie unbenannt: etwa in Berlin, Düsseldorf und Hannover. Dass es in der Eifel einen Ort namens Wißmannsdorf gibt, scheint bislang noch keinem aufgefallen zu sein.
Ist die Gemeinde etwa nach einem Kriegsverbrecher benannt? Ein Besuch im Kreisarchiv Bitburg-Prüm bringt Klarheit.
Dort liegt ein Buch mit dem Titel "Chronik der Pfarrei Wissmansdorf" im Regal. Recherche und Texte stammen von einem Geschichtlichen Arbeitskreis. Auf den ersten paar Seiten schon finden sich Informationen über den Namen der Gemeinde. Dort heißt es:
Der Fund von Frankengräbern lasse darauf schließen, dass Siedler sich dort schon um das Jahr 700 nach Christus niederließen. In einem Dokument werde der Ort erst 1325 erwähnt. Damals habe die Gemeinde noch Wysmesdorf gehießen. Im Laufe der Zeit hat sich der Name der Gemarkung dann offenbar immer wieder leicht verändert. So trug der Ort wohl die Namen Wirmisdorff, Wysheyensdorff, Wijmersdorff, Wyßmeßdorff - um nur einige zu nennen.
Und woher stammt der Name nun? "Von einem herrschaftlichen Geschlecht", heißt es in dem Geschichtsbuch. Namensvater des Ortes war also eher jemand aus dieser Adelsfamilie, etwa ein gewisser Egidius von Wissmansdorf, und nicht der Kolonialverbrecher Hermann von Wissmann. Wieder was gelernt!