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Verliebt in alte Steine: Einer mit Blick für das Potenzial

Verliebt in alte Steine : Einer mit Blick für das Potenzial

Nächstes Stück aus unserer Reihe „Verliebt in alte Steine“: Niels Becker hat ein imposantes Gebäude in Dudeldorf saniert, das als Lagerhalle kurz vor dem Verfall stand.

Angefangen hat alles mit einem Besuch. Niels Becker war immer mal wieder zu Gast in Dudeldorf – und entdeckte dabei ein imposantes Gebäude im Ortskern, gleich bei der Burg. Das Haus drohte, zu verfallen. Es hat ihn aber trotzdem gereizt. „Die Fassade hat mich sofort gefesselt. Es ist ein großes, tolles Gebäude.“

Gebaut wurde das Haus 1790. Ursprünglich haben Weber darin gelebt, es war auch schon Gasthaus. In den 30er Jahren wurde es entkernt und als Scheune mit Viehställen genutzt. Nach der landwirtschaftlichen Nutzung hat es viele Jahrzehnte leer gestanden. Das Gemäuer wurde zeitweise nur noch als Lagerraum genutzt. Gewohnt hat dort niemand mehr. Die Statik war an vielen Stellen nicht mehr sicher, provisorisch hatte man die Decken abgestützt.

Als Niels Becker hörte, dass es abgerissen werden sollte, hat er sich überlegt, was man daraus machen könnte – und das alte Weberhaus 2011 gekauft. „Das Haus war, positiv formuliert, in einem ursprünglichen Zustand“, sagt der Investor. Er musste es von Grund auf  sanieren. Seine Idee: „Bei der Größe bot es sich an, Wohnungen hineinzubauen, weil es sich auch rechnen soll.“ Wie ernst es tatsächlich um das Gebäude stand, erkannte er wenig später: „Ein Architekt wollte mit mir gar nicht hineingehen, aus Sicherheitsgründen. Er hatte Angst, dass es gleich zusammenfällt.“

Schwierigkeiten gab es beim Umbau mit den Fenstern. An der Stelle, an der sie sein sollten, um Licht zu bringen, waren ein Schuppen und ein kleines Haus angebaut. Kurzerhand hat Niels Becker auch diese beiden gekauft. Einen Teil des Schuppens hat er abgerissen, und das kleine Haus saniert. „Dort haben immer arme Leute gewohnt, hat mir ein früherer Bewohner erzählt. Das Gebäude war für ihn ein Grund, die Eifel zu verlassen.“ Heute, nach einer Kernsanierung, bietet es Wohnraum für zwei bis drei Leute. Es ist möbliert und wird als Ferienhaus gerne gebucht. „Auch Amerikaner, die nur für einen begrenzten Zeitraum hier sind, mieten es gerne“, sagt Becker.

In dem alten Weberhaus sind vier Wohnungen entstanden. Zwei große Wohnungen, ein Studio und eine kleinere Wohnung mit etwa 60 Quadratmetern. Für Niels Becker haben Altbauten einen besonderen Charme. „Ein Neubau im Grünen hat zwar auch seinen Reiz“, sagt er. Aber das sei nicht mit einem Altbau zu vergleichen. Bei der Sanierung ist Becker eine Mischung aus alt und neu wichtig. Sein Prinzip: „Ich richte den Wohnraum so her, dass ich auch selbst gerne darin leben würde.“

Neben dem Spritzenhäuschen, das er zu einem Bistro umgebaut hat (der TV berichtete) und dem Weberhaus hat er schon ein nächstes Projekt in Dudeldorf begonnen: Wieder ein Altbau. Das Haus hat mal einem Steinmetz gehört und bietet deshalb einige Besonderheiten wie beispielsweise einen Einbauschrank aus Stein.

Becker hat noch keins seiner Projekte bereut. „Die Gemeinde hat mich immer sehr unterstützt. Einzig die Behördenauflagen im Bistro waren sehr zeitintensiv und aufwendig, dass ich manchmal fast verzweifelt bin.“ Sein Rat an alle, die ähnliches planen: „Man sollte sich einen Fachmann suchen, der einem zur Seite steht, und der schon vor dem Kauf einen Blick auf das Objekt wirft, damit man keine bösen Überraschungen erlebt. Und es macht Sinn, bei der ersten Kernsanierung mit einem kleineren Gebäude anzufangen.“

 Als Niels Becker sich in das Haus verliebte, drohte es zu verfallen. Heute gibt es in dem einst dunklen Gemäuer eine doppelreihige Fensterfront.
Als Niels Becker sich in das Haus verliebte, drohte es zu verfallen. Heute gibt es in dem einst dunklen Gemäuer eine doppelreihige Fensterfront. Foto: TV/Christina Bents
 Nils Becker Alte Steine Dudeldorf
Nils Becker Alte Steine Dudeldorf Foto: TV/Christina Bents
 Wo möglich, hat Niels Becker etwas von dem alten Charme des Hauses erhalten – wie hier das freigelegte Sandstein-Mauerwerk beim Esstisch.
Wo möglich, hat Niels Becker etwas von dem alten Charme des Hauses erhalten – wie hier das freigelegte Sandstein-Mauerwerk beim Esstisch. Foto: TV/Christina Bents

Und sonst? „Man sollte bereit sein, selbst mitanzupacken, sonst wird es schnell richtig teuer.“