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Einfach mal einen Soldaten adoptieren

Einfach mal einen Soldaten adoptieren

Tausende Kilometer weit weg von zuhause, in einer fremden Kultur, für mindestens zwei Jahre: So leben derzeit rund 800 junge Soldaten in Wohnheimen auf der Airbase Spangdahlem. Mit dem Projekt Adopt a Saber können Eifeler einen Soldaten "adoptieren" und die einheimische Kultur mit ihm gemeinsam entdecken.

Bitburg/Spangdahlem. Vom Couchsurfen zum Adoptionsprogramm für amerikanische Soldaten. Hört sich verrückt an, ist aber ganz einfach zu erklären. Karin Jung, ihres Zeichens Vorsitzende des deutsch-amerikanischen Frauenclubs (DAFC) Bitburg, hat den amerikanischen Soldaten Andres Gomez aus Florida kennengelernt, als sie im Internet auf einer Facebookseite für kostenfreie Übernachtungsmöglichkeiten in aller Welt, das sogenannte Couchsurfen, gepostet hat. Sie hat Menschen aus der Region, die zu Weihnachten allein sind, spontan eingeladen, das Fest zusammen zu feiern.
Und so saß sie Weihnachten 2013 mit rund 30 jungen Menschen aus aller Herren Länder in ihrem großen Partyraum zusammen. Darunter war auch der 22-jährige Amerikaner mit kolumbianischen Wurzeln. "Wir haben uns direkt super verstanden. Meine ganze Familie hat sich in ihn verliebt", sagt Karin lachend. Zwei Wochen später war Andres bei der Familienwanderung dabei. "Ich denke, unsere Freundschaft hält ein Leben lang. Ich will bei seiner Hochzeit dabei sein, er wird zu meiner kommen", sagt die DAFC-Vorsitzende überzeugt.
Weil die beiden sich so gut verstehen, haben Andres und Karin beschlossen, auch anderen Soldaten der Airbase die Chance auf neue Freunde, vielleicht sogar eine zweite Familie, zu ermöglichen. Und so hat der DAFC ein Projekt, das es schon vor rund zehn Jahren von Seiten der Airbase Spangdahlem aus gab, wieder aufleben lassen. Adopt a Saber, Adoptiere einen Soldaten, heißt es (Siehe Extra). Sabers werden die Soldaten der Airbase genannt. Und die können beim Zurechtfinden in der ihnen völlig fremden Kultur Hilfe von den Eifelern gut brauchen.
Eine Chance, Freunde zu finden


"Das ist eine super Chance, um lokale Leute und das Leben hier kennenzulernen", findet Andres. Er wohnt in einem der acht sogenannten Dorms, den Wohnheimen auf dem Flugplatz, in einem zehn Quadratmeter großen Zimmer. In den großen Gebäuden leben bis zu 200 Soldaten. "In den Wohnheimen spielen die Soldaten oft Videospiele, trinken auch mal einen. Die Leute haben Heimweh. Deshalb ist auch die Airbase an Menschen interessiert, die sich um die Sabers kümmern", sagt Karin.
Andres und sein Kumpel Christopher Peoples verbringen ihre Zeit gern mit Karin und ihrer Familie, die sehr offen ist und oft Gäste aus aller Welt hat. Wie Karins Tante Resi Plein, die für 14 Tage die beiden afrikanischen Deutschlehrer Flora Beugré und Victor Bandia Sissoko bei sich beherbergt. Weil in der Familie Völkerverständigung ganz großgeschrieben wird, hat Karin am Mittwoch nicht nur Andres und Christopher zum Jazzkonzert im Garten des Hauses Beda mitgenommen, sondern auch die beiden Afrikaner.
Multikulti ging es gestern in Hermesdorf bei Familie Jung zu. Da kochte Flora nämlich für alle afrikanisch. Auch Christopher und Andres, der sich schon das Kochen von einigen Besuchern der Familie abgeschaut hat, waren dabei. Das Interesse der beiden an den Deutschen ist groß. Christopher, der seit einem Jahr in der Eifel stationiert ist, spricht gut Deutsch. "Ich will unbedingt Deutsch lernen und werde jetzt einen Kurs machen", sagt Andres, ´
Doch es gebe auch Vorurteile: "Meine Nachbarin, die amerikanische Tierarzthelferin, hat nichts mit der Politik im Irak zu tun und sollte deswegen nicht angefeindet werden. Nicht jeder Ami trägt Cowboy-Stiefel und Kanone und will in den nahen Osten einfallen", sagt Karin bewusst plakativ.
Weltfrieden gehe nur mit Verständnis und durch besseres Kennenlernen. "Ich glaube, weil wir so offen sind, fühlen wir uns verantwortlich, auch andere für diese Idee zu begeistern." Und was bringt das Projekt beiden Seiten? Karin: "Eine Verbesserung der Sprachkenntnisse, man erweitert seine Familie, lernt und übt, Freund zu sein. Ganz wichtig: Freundschaft schafft Freude." MRA
Extra

Adopt a Saber ist eine Initiative, die es in vielen Ländern gibt. In der Eifel wurde sie das letzte Mal vor zehn Jahren umgesetzt. Der 1955 gegründete deutsch-amerikanische Frauenclub (DAFC) lässt das Projekt nun wieder aufleben. Ab diesem Monat lernen sich zehn junge Sabers und deutsche Familien kennen. MRA Wer Interesse hat und mitmachen will, meldet sich unter Telefon 06563/1725 oder per Mail an: dafcbitburg@yahoo.de