Einmal Stockemer, immer Stockemer

Einmal Stockemer, immer Stockemer

WOLSFELD. "Namen sind Schall und Rauch", so heißt es bei Goethe. "Namen sind Brücken zu den Menschen", so sehen es die Stockemers. Der gemeinsame Familienname hat sie zusammengeführt. In Wolsfeld feierten mehr als 120 Namensvetter aus fünf Ländern und zwei Kontinenten das erste globale Stockemer-Treffen. Einige regionale Treffen hatte es zuvor schon gegeben.

Der Name Stockemer stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutete Knüppel, Stock oder Baumstamm - in Westdeutschland auch Gefängniswärter oder Scharfrichter. Heute leben die Stockemers in verschiedenen Ländern, sprechen verschiedene Sprachen, kommen aus allen Altersgruppen und üben - offenbar bis auf den des Scharfrichters - die unterschiedlichsten Berufe aus. Verglichen mit den Meyers, Müllers oder Schmitts dieser Welt, sind sie jedoch eher dünn gesät. Doch der Name Stockemer ist ein starkes Bindeglied. Wolsfeld bewies es auf beeindruckende Weise. Das Wetter hätte besser sein können, die Stimmung kaum.Rastloses Engagement des Organisators

Derweil ist ein Treffen dieses Kalibers kein Selbstläufer. Ohne das rastlose Engagement von Pierre Stockemer wäre es kaum zustande gekommen. Mehr als 180 Einladungsbriefe hat er in drei Sprachen nach Frankreich, Deutschland, Belgien und USA verschickt. Vieles ging telefonisch oder per E-mail. "Es gab zahllose begeisterte Zusagen", sagt der 64-jährige Ober-Stockemer. Er wohnt in Frankreich, nahe Montpellier, und ist beruflich in der ganzen Welt unterwegs. Neben seiner französischen Muttersprache spricht er fließend Englisch und leidlich Deutsch - unbedingte Voraussetzungen, um die Herkulesarbeit nicht endender Ahnenforschung zu bewältigen. "Anfangs, bei kritischer Einschätzung meines Namens, dachte ich, das wäre schnell getan. Aber die Stockemers sind zahlreicher als erwartet. Es gibt noch eine Menge zu tun", resümiert Pierre Stockemer. Jedenfalls sei die Zahl derer, die nach Wolsfeld gekommen sind, sensationell. Nicht zuletzt auch angesichts der für viele sehr weiten Anreise. Vor sechs Jahren habe er in Sachen Stockemer zu recherchieren begonnen, "rein zufällig im Internet". Viele Familien entdeckte er in für ihn wenig bekannten Ländern wie Luxemburg, Belgien oder anderswo. Die Korrespondenz nehme ständig zu. Vor allem in Deutschland, Luxemburg und den USA habe er noch zahlreiche Termine. Pierre Stockemer zufolge hat es seit 2003 in der Eifel, in Kalifornien, Oregon, Kansas und Fließem bereits Stockemer-Treffen gegeben. "In Fließem, weil von dort viele unserer gemeinsamen Ahnen kamen." Anders als das in Wolsfeld seien die vorhergegangenen Treffen jedoch nicht "globaler" Natur gewesen. Erfreut stellt er fest: "Allein zwanzig Stockemer ,made in USA' sind hier, um das Land ihrer Vorfahren wiederzusehen oder zu entdecken". Einer davon ist der 92-jährige John Stockemer aus Los Angeles. Schon vor den Stockemer-Treffen war er zwölf Mal in Deutschland. Nach Wolsfeld hat er die halbe Familie mitgebracht: die Töchter Teesa und Angela Stockemer sowie deren Cousin Tom Stockemer nebst Ehefrau Kim. "Obgleich wir nicht in Germany geboren sind und auch die Sprache nicht sprechen, ist es jedes Mal, als kämen wir nach Hause", sagt Familien-Boss John. Gern gesehen bei den Stockemer-Treffen sind auch Sippenmitglieder, die inzwischen einen anderen Namen tragen. So Anna Haas aus Geichlingen und Anna Thiel aus Nattenheim. Die beiden älteren Damen sind geborene Stockemer. Annemie Pint, geborene Stockemer aus Bickendorf, ist stolz darauf, dass ihre Mutter und Pierre Stockemers Großvater einer Linie entstammen. Madame und Monsieur Stockemer aus Thionville dagegen sind zuversichtlich, dass der Name in ihrer Familie noch weite Verbreitung findet. Marlies Stockemer-Weich ist eine der wenigen aus der Sippe, die in Wolsfeld wohnen, betont jedoch: "Aus dem hiesigen ,Haus Böttel', nahe der Kirche, sollen die meisten Stockemer hervorgegangen sein." Beim gemeinsamen Dorfrundgang wurde das Stammhaus entsprechend bewundert. Was macht die Treffen der Stockemer so interessant? Warum sind Gemeinschaftssinn und persönliche Anteilnahme bei ihnen so ausgeprägt? Allgemeiner Tenor: "Weil wir in angenehmer Atmosphäre und an reizvollen Orten schöne Stunden verbringen, gute, alte Freunde wiedersehen und neue dazu gewinnen."

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