Einst großer Widerstand gegen die Franzosen in der Eifel mit Schlacht bei Arzfeld

Geschichten, Mythen und Sagenaus der Eifel : Als Klöppelkrieger im Islek den Aufstand wagten

Der Widerstand im Islek. Der TV erinnert in loser Folge an Geschichten, Mythen und Sagen aus dem Eifelkreis.

Tragische Heldengeschichte, historisches Ereignis von nationaler Bedeutung in Luxemburg, einziger größerer Widerstand gegen die Franzosenherrschaft in der Eifel, Aufstand von Hitzköpfen und Fanatikern oder in Vergessenheit geratenes Ereignis, das etwas mehr als 220 Jahre her ist? Es gibt verschiedene Lesarten, wenn es um den Klöppelkrieg geht.

Am 30. Oktober 1798 wehrten sich die Bauern der Westeifel mit ihren Mitteln gegen die französischen Besatzer, weil diese die Steuern erhöhten, die Kirchen schlossen, den Eifelern die französische Sprache und Kultur überstülpen wollten. Außerdem wurde die allgemeine Wehrpflicht eingeführt und die Eifeler Bauernsöhne sollten in französischen Uniformen für die revolutionäre Republik kämpfen.

Spätestens da wurde aus dem Unmut gegen die Besatzer der Aufstand der Klöppelkrieger.

Die Bauern zogen bei Arzfeld und auch bei Clerf mit Knüppeln, Sensen und Dreschflegeln bewaffnet gegen die Franzosen. Bei der entscheidenden Schlacht am 30. Oktober bei Arzfeld unterlagen die militärisch unkundigen Aufständischen den französischen Soldaten.

Sieben Franzosen und 33 Bauern starben. 32 Klöppelkrieger gingen nach Luxemburg in Gefangenschaft, wo die meisten von ihnen hingerichtet wurden.

In der Eifel ist der Aufstand nicht ganz vergessen: So stand das 50-jährige Bestehen des Eifelvereins Arzfeld 2008 im Zeichen des Klöppelkrieges, es wurde vom Theater-Verein Arzfeld dazu ein Theaterstück aufgeführt. Es gibt Wanderungen, bei denen das Klöppelkriegerdenkmal, das der Eifelverein 1908 errichten ließ, an der Arzfelder Kirche eine Station ist.

Das Dorf Dahnen, das die  meisten Opfer zu beklagen hatte, hat im Oktober 1998 seinen Klöppelkriegern ein Denkmal auf dem Kirchenvorplatz gesetzt. In Daleiden wurde im selben Jahr auf dem Dorfplatz eine entsprechende Gedenktafel enthüllt, wie es bei der Kultudatenbank zu lesen ist. Auch in Luxemburg gibt es Denkmäler  für die Aufständischen des „Klöppelkrichs“ in Luxemburgs  Stadtteil Limbertsberg und in Clerf. Auch im belgischen Hasselt wird an den Aufstand erinnert.

In dem Artikel „Mythos Klöppelkriege“ im Luxemburger Tageblatt vom 19. November 2018 heißt es: „Die Hinrichtung der Klöppelkrieger in Luxemburg auf dem Glacis-Feld sollte zu einem Massenereignis werden. Menschen aus der nahen Umgegend strömten in die Stadt, um Zeugen der Exekution zu werden.“ Einer der Hingerichteten war laut Tageblatt-Artikel der Eifeler Johann von Eisenbach, der im Februar 1799 zusammen mit seinem Sohn hingerichtet wurde. Der Vater soll zunächst die Gewehrsalven der 90 Soldaten überlebt haben und gesagt haben: „Oh, mein Sohn“. Dann wurde auch er erschossen. Das Denkmal auf dem Limbertsberg, das restauriert wurde, soll noch dieses Jahr wieder aufgestellt werden.

Auch in Bitburg gibt es Spuren des Klöppelkrieges, wie Stadtarchivar Peter Neu berichtete. Am 9. Dezember 1798 erklärte der Bitburger Bürger Jean Pirot schriftlich, dass sein Sohn Jean sich in Haft befinde, weil er „an den Unruhen in Bitburg“ teilgenommen hatte. Der Vater übernahm die Bürgschaft und haftete mit seinem gesamten Vermögen.

Ein zweiter ähnlicher Akt wurde einen Monat später gefertigt. Dabei hafteten    Nicolas Grandeler, Adrien Mondorf, Pierre Gielen und Jean Oswald für den Bitburger Burschen Jacques Muller, der sich ebenfalls an den Unruhen beteiligt hatte und im Gefängnis saß. Offenbar hatte Muller keinen Vater mehr, so dass die vier Bitburger sich als Bürgen  zur Verfügung stellten. Auch Muller wurde vorzeitig aus der Haft entlassen. „Wie der spätere Prozess gegen die beiden Bitburger Jungen ausging, ist leider nicht überliefert“, so Neu.

Auch die Autoren der Bücher „50 Schauplätze Eifeler Geschichte entdecken“ von Gabriele Harzheim und „111 Orte in der Eifel, die man gesehen haben muss“ von Bernd Imgrund berücksichtigen den Bauernaufstand und ordnen ihn ein. So weist Gabriele Harzheim daraufhin, dass die Landbevölkerung auch von der französischen Besatzung profitierte, die die Frondienste, die Zehntabgaben und die Zünfte abschaffte, das Jagd- und Fischereirecht lockerte und die freie Berufswahl ermöglichte.

Und Bernd Imgrund berichtet, dass kritische Geschichtsforscher erklärten, dass Bauern der Umgebung unter Androhung von Tod und Brandschatzung ihrer Höfe zum Mitmarschieren gezwungen wurden.

Einen Blick auf diese Zeit wirft auch der Film von Adolf Winkler „Mythen, Sagen und Geschichten aus dem Eifelkreis“. Die Szenen zum Thema Klöppelkrieg hat der Filmemacher in Apolda  bei Weimar gedreht. Winkler hat den Aufstand für seinen Film ausgesucht, weil er dieses geschichtliche Ereignis für hochinteressant hält. Und er hat auch so seine Meinung zu den damaligen Geschehnissen: „Die Bauern haben sich von Kirche und Adel instrumentalisieren lassen, die wiederum ihre Macht in Gefahr sahen“, glaubt der Filmproduzent.

„Mythen, Sagen und Geschichten aus dem Eifelkreis“ von Adolf Winkler ist zum Preis von zehn Euro im Buchhandel oder im Kundenzentrum der Kreissparkasse Bitburg-Prüm erhältlich.
Info: Info@awifilm.de