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Einstige niederländische Bischöfin wird neue Pfarrerin in Prüm

Nun arbeitet sie dort, wo sie früher Ferien machte : Ilona Fritz wird evangelische Pfarrerin in Prüm

Die Evangelische Pfarrgemeinde Prüm bekommt zum 1. März ein neues Oberhaupt. Dafür zieht Ilona Fritz vom Westerwald in die Eifel. Ihre neue Heimat kennt sie schon von ihren Urlauben.

Nomen est omen – der Name ist ein Zeichen: Das Ferienhaus der zukünftigen evangelischen Pfarrerin der Pfarrgemeinde Prüm, steht im Kapellenweg. Dort haben wir uns auch zum Gespräch verabredet, denn, welch glücklicher Zufall, Ilona Fritz macht gerade Urlaub in Hollnich bei Habscheid.

Am nächsten Tag geht es zurück in den Westerwald, wo sie seit sechs Jahren die evangelischen Kirchengemeinden Rossbach und Freirachdorf betreut hat. Ab März wird ihr neuer Einsatzort Prüm sein, worauf sie sich sehr freut. „Prüm kenne ich eigentlich nur als Urlauberin. Nun lerne ich die Eifel als Pfarrerin nochmal ganz neu kennen“, sagt sie.

In die kleine Prümer Pfarrkirche in der Hillstraße passen rund 120 Menschen – gewöhnt ist die 58-Jährige ganz andere Dimensionen. Denn vor ihrem Einsatz im Westerwald war sie lange Zeit Pfarrerin in den Niederlanden und dort sogar acht Jahre lang Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche. In den Niederlanden war die Evangelisch-Lutherische Kirche die größte der „kleinen“ Kirchen. Die großen Kirchen sind reformierte Kirchen.

Wie es dazu kam, ist eine spannende Geschichte. Nach dem Abitur hat die in der Nähe von Stuttgart aufgewachsene Schwäbin zunächst in Marburg evangelische Theologie studiert. 1989, nach ihrem ersten theologischen Examen, machte sie in Amsterdam ein einjähriges Praktikum in der Dominikus-Gemeinde. Eine außergewöhnliche Erfahrung, denn in der ökumenischen Gemeinde zelebrieren Katholiken und Protestanten gemeinsame Gottesdienste.

Nach drei Monaten sollte sie dort ihren ersten Gottesdienst halten. Das Problem war nur, sie sprach kein Wort Niederländisch. „Es gab aber zwei nette ältere Herren, die mir die Sprache in Rekordzeit beigebracht haben. Ich hatte acht Stunden am Tag Sprachunterricht“, sagt Ilona Fritz. Und dabei hätte sie nicht nur die Sprache sondern auch viel über die Geschichte und Kultur der Niederlande gelernt.

In dieser Zeit lernt sie auch einen katholischen Theologen kennen – ihren späteren Mann. Doch dieser Umstand wird ihr, als sie nach Deutschland zurückkehrt, zum Verhängnis. Denn ihre Landeskirche toleriert diese Partnerschaft nicht und bietet ihr deshalb auch keine Stelle als Pfarrerin an.

Enttäuscht lässt sich Ilona Fritz aus ihrer Landeskirche austragen und verliert damit auch das Anrecht auf eine Vikariatsstelle. Stattdessen wird sie zunächst Koordinatorin bei der Friedensorganisation Aktion Sühnezeichen Friedensdienste.

1992 tritt sie in Weesp, einer Kleinstadt östlich von Amsterdam, ihre erst Pfarrstelle an und wird auch dort ordiniert. „Ich war also niederländische Pfarrerin mit einem deutschen Pass“, sagt sie. Dass ihr Mann Katholik ist, spielt in den Niederlanden keine Rolle.

Nach sieben Jahren wechselt sie nach Amsterdam in eine Gemeinde, die zu 90 Prozent von ausschließlich schwarzen  Menschen mit südamerikanischen Wurzeln besucht wird. 15 Jahre lang bleibt sie dort.

In dieser Zeit wird ihr ein großes Amt angetragen. Sie soll die neue Präsidentin der Evangelisch-Lutherischen Kirche werden. Vergleichbar ist das mit dem Amt einer Bischöfin. Acht Jahre lang füllt sie dieses Amt aus.

„Die Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche wählte mich mit der Hauptaufgabe, die Evangelisch-Lutherische Kirche auf eine gute Weise in die Fusion mit den zwei größten reformierten Kirchen in den Niederlanden zu führen“, sagt sie. Es entstand die Protestantische Kirche in den Niederlanden, die größte evangelische Kirche. Die Evangelisch-Lutherische Kirche machte ungefähr  ein Prozent der Protestantische Kirche aus.

 Ihrem Ehemann ist es geschuldet, dass sie den Weg zurück in ihre ursprüngliche Heimat findet. Er wollte nach der Verrentung in Deutschland wohnen. Und ihr Zwillingsbruder sieht damals ebenfalls die Zeit für einen Wechsel gekommen:  „Wie wäre es, wenn du wieder zurückkommst?“, fragt er sie eines Tages.  Pfarrer sind in Deutschland mittlerweile Mangelware, immer mehr Posten in den Kirchengemeinden sind vakant. Und so wechselt sie von einer großen Stadt ins Ländliche, nach Roßbach, einer kleinen Gemeinde in Hessen-Nassau im Westerwald.

Den Ausschlag für die Ortswahl gab unter anderem, dass die Gemeinde der Landeskirche in Hessen und Nassau von allen Gemeinden am nächsten zur niederländischen Grenze liegt, (allerdings sind es bis dahin noch mehr als 200 Kilometer) und damit auch nahe an Amsterdam, wo ihr Mann weiterhin lebte. Ilona Fritz lernt nun also die Arbeit im ländlichen Bereich kennen. „Zurück in Deutschland, habe ich erstmal gemerkt, wie niederländisch ich geworden bin“, sagt die zierliche Frau und lächelt.

Sechs Jahre führt sie mit ihrem Mann eine Wochenendbeziehung. Das Paar empfindet dies zunehmend als „nicht ideal“. Dann wird die Stelle in Prüm frei. „Mein Mann hat mir davon erzählt“, sagt sie. Und da er die Eifel sehr schätzt, kann sich das Paar vorstellen, gemeinsam dorthin zu ziehen.

„Bei mir hat es sofort Klick gemacht“, sagt sie. Die Eifel kennt sie von vielen Rad- und Wandertouren und anderen Ausflügen. „Schwimmen im Vulkanmaar ist wie der Himmel auf Erden“, sagt die 58-Jährige, die sich auf ihre neue Herausforderung freut.

Rund 1800 Protestanten leben in der Diaspora, für die Ilona Fritz zukünftig zuständig sein wird. Ein riesiges Gebiet mit etwa 100 Dörfern und der Pfarrkirche in Prüm. „Die Fläche ist eine Herausforderung“, sagt Ilona Fritz. Die Arbeit in einer Diaspora kennt sie jedoch schon aus den Niederlanden.

Einer der vielen Gründe, warum sie Pfarrerin geworden ist, sei das Gefühl, in der Kirche müsse sich etwas verändern. Die Vertiefung der biblischen Geschichten und wie man die anders erzählen kann, das interessiere sie. Sie sehe sich als eine Art Spurensucherin. „Viele Menschen haben Fragen zum Glauben.“ Antworten zu finden und sich mit anderen Menschen gemeinsam auf den Weg machen, „das finde ich spannend“, sagt sie.

In ihrer Freizeit geht sie gerne wandern, fährt Rad oder schwimmt. Außerdem habe sie wieder damit begonnen, Querflöte zu spielen. „Für mich hat die Musik einen hohen Stellenwert“, sagt sie. „Musik ist auch ein Stück Verkündigung.“