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Einweihungsfest für den Windpark Obere Kyll

Einweihungsfest für den Windpark Obere Kyll

In der Verbandsgemeinde Obere Kyll ist in fünf Jahren ein Windpark mit 13 Rädern entstanden - ein weiteres wird bald in Betrieb genommen. Mit einem Fest wurde die Anlage gestern eingeweiht.

Vierzehn Giganten wuchsen in den vergangenen zweieinhalb Jahren im Windpark Obere Kyll in den Himmel. Dreizehn Räder drehen sich bereits, die Flügel eines vierzehnten werden in den kommenden Tagen installiert. "Wir müssen vor den Herbststürmen fertig werden"; sagt Florian Stein, Projektleiter des Energie-Entwicklungsunternehmens juwi. Nun sei aber erstmal Zeit zu feiern, nicht in der Firmenzentrale in Wörrstadt (Kreis Alzey-Worms), sondern dort, wo die Energiewende sichtbare Veränderungen mit sich brachte: direkt unter einem der drei gemeinsam mit den Stadtwerken Trier gebauten Räder - mitten im Wald bei Reuth.

"Es wird viel gedankt bei solchen Veranstaltungen. Diesmal muss es sein und zwar allen Anwohnern, die in den vergangenen Jahren unter dem Schwerlastverkehr leiden mussten - tagsüber und nachts", sagt juwi-Geschäftsführer Thomas Broschek. Auch für das Unternehmen sei der Windpark ein großes Projekt. "Eines, dass heute in dieser Größe nicht mehr so leicht umsetzbar ist. Jeder findet Windkraft gut, aber keiner mag sie im Garten haben." Dass der Windpark gebaut werden konnte, sei dem Engagement des Verbandsgemeinderats zu verdanken, sagt Broschek.
Kurz nach dem verheerenden Zwischenfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima 2011 hat der VG-Rat Initiative gezeigt. "Nur zwei Monate nach der Katastrophe haben wir beschlossen, den Flächennutzungsplan zum Thema Windenergie fortzuführen", sagt VG-Bürgermeisterin Diane Schmitz. "Planung und Bau sind aufwendig, für jedes Rad wird geprüft, ob Tiere gestört werden, doch alle Mühen haben sich gelohnt." Der Naturschutzgedanke sei nicht nur prägend für die Grundidee der Windkraftnutzung, sondern auch ständiger Begleiter bei Planung und Bau von Parks, sagt Stein. In einem Informationszelt werden die Gäste nicht nur über die Größe des Parks (siehe Info) sondern auch über Schutzmaßnahmen informiert.

So wird zum Beispiel jeder Flügel einzeln hochgezogen. "Montierte man sie unten zu einem Rad, wäre das einfacher, bräuchte aber deutlich mehr Platz", sagt Stein. Zudem werde das vorhandene Wegenetz genutzt und rund um die Anlagen wieder aufgeforstet. "Für Wildkatzen werden Rückzugsorte eingerichtet, rund um Bachläufe zur Renaturierung Fichten abgeholzt", zählt Stein Ausgleichsmaßnahmen auf.

Alles schön und lobenswert, doch die größten Sorgen bereitet Skeptikern der Betrieb. "Auch der ist so gut es geht auf die Bedürfnisse der Tiere eingestellt." Die Räder seien mit einer Abschaltautomatik ausgestattet. "Sie berücksichtigt zum Beispiel die Flugzeiten von Fledermäusen. Von April bis Oktober jagen sie in warmen Nächten. Steigt die Temperatur über 10 Grad und bei Windgeschwindigkeiten um sieben Meter die Sekunde, gehen die Räder aus."
Besucherin Kaja Hess aus Kaiserslauterin begrüßte die gute Informationsarbeit der Gastgeber. "Ich interessiere mich schon lange für Windkraft und finde, dass das hier gut aufgearbeitet wurde." Während die meisten Besucher die Technik im Fuß des Turms besichtigen können, darf sie hoch hinaus. Bei einer Übung der Höhenrettung Boppard wird sie aus 140 Meter Höhe gerettet. "Wahnsinn, ich wusste davon nichts, mein Freund hatte das organisiert - ein einmaliges Erlebnis."

Hoffentlich nicht einmalig bleibe das Engagement der Stadtwerke. Triers Oberbürgermeister und SWT-Aufsichtsratschef Wolfram Leibe: "Wir wollen weitere Projekte dieser Art. Vorsichtig gesagt, waren die Rahmenbedingungen aber schon mal besser." Dies sei ein bewusster Wink in Richtung Berlin.
Extra: SECHS JAHRE VERGEHEN BIS ZUM FERTIGEN WINDPARK


Die Planungen für den Windpark Obere Kyll wurden im September 2011 aufgenommen. Ende 2015 stand der Flächennutzungsplan, im Frühling 2016 begannen die Aufbauarbeiten. Die drei Räder der Stadtwerke Trier (SWT) drehen sich seit Ende 2016. Sie haben seitdem 15 Millionen Kilowattstunden Strom produziert und mehr als 4000 Haushalte mit Energie versorgt. Die SWT investierte 18 Millionen Euro. "Allein in Reuth und Kerschenbach liegen die Einnahmen aus Pacht und Gewerbesteuer bei rund 500 000 Euro", sagt VG-Bürgermeisterin Diane Schmitz.