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Einzelhandel Bitburg Prüm lock down Coronavirus

Kostenpflichtiger Inhalt: Einzelhändler in Bitburg und Prüm geschockt : Und dann ist auf einmal alles dicht

Die Einzelhändler haben damit gerechnet. Ab Mittwoch sind ihre Läden zu. Ziel dieses Vorstoßes der Bundesregierung: die Corona-Ansteckungskette zu unterbrechen. Ob das reichen wird?

Das hat es noch nicht gegeben: Von Mittwoch an haben alle Geschäfte, die keine Dinge des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel oder medizinische Hilfsmittel wie etwa Brillen anbieten, geschlossen. Es wird den Handel hart treffen, wie Umfragen in der Prümer und Bitburger Innenstadt zeigen.

„Ich kämpfe hier, wie alle anderen in unserer Branche, um meine Existenz“, sagt Daniele Haas, Chefin des Prümer Hotels Zum Goldenen Stern am Hahnplatz und Vorsitzende des Gewerbevereins. Der Verein hat dieser Tage den verkaufsoffenen Sonntag Ende März abgesagt (der TV berichtete). Bei ihr gingen bereits in den Vortagen die Buchungen zurück. Gaststätten und Kneipen in Stadt und Umland waren zwar geöffnet, schlossen oft aber schon vor der Zeit wieder, weil keine Gäste kamen. Trotz allem sagt die Hotelchefin aber auch: „Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass das in vier bis sechs Wochen ausgestanden ist – wenn jetzt alle an einem Strang ziehen.“

Auch Christine Kausen vom gleichnamigen Modehaus in der Tiergartenstraße, ehemalige Vorsitzende des Gewerbevereins, hat bemerkt, „dass die Leute schon zurückhaltender werden beim Einkauf“. Erst recht, nachdem überall auch größere öffentliche und private Feste gestrichen worden seien. Jetzt rechnet sie mit dem nächsten Schritt der Landesregierung: „Spätestens Mittwoch werden die Geschäfte schließen.“ Und das werde schwer für alle. „Aber auch wenn es allen sehr weh tun wird, können wir verstehen, dass das eine Maßnahme ist, mit der man die Ansteckungskette unterbricht. Und aus diesem Grund ist es okay.“

Verständnis äußert auch Lars Messerich, Vorsitzender des Bitburger Gewerbevereins: „Es ist eine Entscheidung für unser aller Gesundheit. Und deshalb richtig und wichtig.“ Aber natürlich sieht er auch die andere Seite: „Das ist dramatisch für uns.“ Er rechnet damit, dass die Läden mindestens zwei Wochen, wenn nicht gar länger zu haben werden. Genaues weiß derzeit niemand. Messerich, der in seinen Modegeschäften rund 70 Mitarbeiter beschäftigt, sagt: „Das wird für uns alle eine Herausforderung. So was ist noch nie dagewesen.“

Kurzarbeit ist für viele ein Thema. „Der Betrieb darf ja grundsätzlich weiterlaufen“, sagt Messerich. Nur der Kundenkontakt soll unterbunden werden. Wie genau das alles in letzter Konsequenz auch finanziell geregelt, bezuschusst oder unterstützt wird, ist für die Geschäftsleute völlig offen. „Auch unsere Branchenverbände stehen vor einer völlig neuen Situation.“ Unbestritten ist für Messerich: „Das wird uns alle wirtschaftlich treffen.“ In welchem Umfang, hänge maßgeblich davon ab, wie lange die Geschäfte schließen müssten.

Auch deshalb fänden es viele besser, wenn jetzt radikal für zwei Wochen alles dicht wäre – einschließlich der Restaurants und Friseursalons. „Wenn die Bedrohung so groß ist, sollte man doch lieber konsequent sein und alles dicht machen“, sagt Anita Hein von der Kunstecke. Sie fürchtet, dass sich die Situation sonst über Wochen ziehen könnte. „Da wir ein Handwerksbetrieb sind, dürften wir ja eigentlich noch geöffnet haben“, sagt die Geschäftsfrau. Aber seit die Schulen geschlossen hätten, sei schon deutlich weniger los in der Stadt. Die Kunstecke arbeitet weiter Aufträge zum Bilderrahmen ab. Aber die Ladentür bleibt ab Mittwoch zu.

Wie lange das so sein wird, weiß niemand. Dass es aber kommen würde, haben sie alle erwartet. „Spätestens als klar war, dass die Schulen und Kitas schließen, mussten wir damit rechnen“, sagt Heike Simon-Becker, Inhaberin des Modegeschäfts Mia in Bitburg. Dass nun der Einzelhandel dran sei, sieht sie als logische Folge der Vorsorgemaßnahmen. Sie will ihr Fenster häufiger neu dekorieren und für Kunden, die wissen, was sie haben wollen, Telefonnummer und E-Mail-Kontakt dazu schreiben. Ihre Devise: „Es muss ja weitergehen.“

So sieht es auch das Team bei Astra K in Bitburg: „Ich finde die Regelung absolut nachvollziehbar“, sagt die Inhaberin des gleichnamigen Bitburger Modegeschäfts. Was sie sich fragt: „Warum wird jetzt nicht richtig durchgegriffen? Lieber zwei Wochen lang ist alles dicht, als dieses häppchenweise Vorgehen, was sich womöglich über Wochen ziehen wird.“ Auch sie möchte für ihre Kunden weiter erreichbar sein und hinterlässt eine Nummer im Schaufenster. Eine andere Idee: „Einzelkundenbetreuung. Ob so was nach Terminvereinbarung noch erlaubt wäre?“ Viele Fragen bleiben vorerst offen. Astra Kay hofft, dass die Leute später umso lieber wieder in die Läden kommen.

Das hoffen alle. Aber es gibt auch die Befürchtung, dass genau das Gegenteil passieren könnte. Was, wenn jetzt der Onlinehandel boomt und die Kunden später nicht mehr in die Geschäfte zurückkommen? Die Frage stellt sich Anne Bies, Inhaberin der Bitburger Buchhandlung Eselsohr, die auch weiterhin telefonisch erreichbar ist, Bestellungen annimmt und Bücher versandkostenfrei verschickt. „Ist ja eine gute Zeit, mal wieder zu lesen“, sagt Bies. Aber mit Blick auf ihre Händlerkollegen macht ihr die Situation schon Sorge: „Wenn das jetzt den Onlinehandel beflügelt, trifft es uns am Ende alle. Wir sind ja gegenseitig aufeinander angewiesen, wenn es um die Attraktivität einer Innenstadt geht.“

In der Prümer Buchhandlung Hildesheim sagt Geschäftsführerin Sabine Rehm, dass zwar schon in den vergangenen Tagen „deutlich weniger“ Kunden ins Haus gekommen seien. Dafür aber hätten etliche Schüler Lektüren und anderes Lernmaterial fürs Heimstudium bestellt. Sie betreibt auch die Postagentur gegenüber dem Regino-Gymnasium. Die bleibt vorerst geöffnet. „Und Schreibwaren verkaufen wir da ja auch.“ Oder eben Lesestoff – den kann man bei ihr auch jetzt noch per Telefon oder übers Internet bestellen, die Großhändler liefern weiter, sagt Sabine Rehm.

Andere Buchhandlungen, heißt es beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels, gehen jetzt Kooperationen auch mit Tankstellen ein – denn die bleiben geöffnet. Der Buchhandel liefert den Lesetreibstoff dann quasi hinter die Zapfsäulen. In Notzeiten sei eben Kreativität gefragt, sagt Sabine Rehm.

Einzelhandel Bitburg Astra Kay in Corona. Foto: TV/Dagmar Dettmer

Was bei den Gesprächen auch deutlich wird: Die meisten ahnen, dass dies noch nicht der letzte Schritt war und Ausgangssperren wie in Italien folgen werden. Die Lage kann sich von heute auf morgen ändern. Weil sich ein Virus immer weiter ausbreitet.