Einzelhandel- und Zentrenkonzept für Kyllburg in der Diskussion

Stadtentwicklung und Einzelhandel : Kyllburg macht Hausaufgaben für morgen

Mit Hilfe eines Konzepts soll die Stadt die Grundversorgung sicher stellen. Die Leerstände sind dabei Problem und Potential zugleich.

„Taten statt Worte“ steht auf einem Plakat, das an einer Haustür an einem sanierten Haus in der  Kyllburger Bahnhofstraße angebracht ist. Es sind Fotos des Gebäudes vor und nach einer Sanierung zu sehen. Weiter heißt es:  „So sah dieses Haus nach sehr langem Leerstand aus und unser Haus gegenüber  war durch Leerstand auch mal so übel dran, 48 000 Arbeitsstunden später  geht’s beiden Häusern wieder gut.“ Es folgt  noch ein Zitat des französischen Schauspielers und Dramatikers Molière: „Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“

An anderen Stellen in der Bahnhofstraße und in der Hochstraße  dokumentiert der Zustand mancher Häuser,  dass noch mehrere Tausend Arbeitsstunden nötig wären, um manche  Gebäude wieder in Schuss zu bringen. Viele der leerstehenden Häuser sind Gewerbeimmobilien, die schwer zu verkaufen sind, wie   Hubert Franzen von

 „Immobilien Franzen Alpha-Hausverwaltungs GmbH“ in Bitburg weiß.  Und: „Der Rückgang des Einzelhandels hinterlässt Spuren, nicht nur in Kyllburg.“ Er, der seit fast 30 Jahren im Geschäft ist, betont aber auch: „Für freistehende Einfamilienhäuser gibt es in Kyllburg eine Nachfrage   –  auch im höherpreisigen Bereich.“ Sein Büro bietet – wie auch die Sparkasse und die Volksbank   –  Kyllburger Immobilien  an. Franzen hat auch ein Gebäude in der Bahnhofstraße im Angebot, für das  die Nachfrage allerdings noch zu wünschen übrig lässt. Aber es gibt auch andere Beispiele wie  im Fall des ehemaligen Gasthauses Hahn – gegenüber dem Rathaus, das von einem Investor gekauft wurde, der das Anwesen  umbauen möchte. Und der Eifeler Hof in der Hochstraße ist  so ein „Hoffnungsträger“, wie es Stadtbürgermeister Wolfgang Krämer bezeichnet.  Wo ein Hotel ist, da werde auch der Einzelhandel  im Umfeld gebraucht, ist der Stadtbürgermeister sicher.

Der Einzelhandel ist auch der Kern des Konzepts, das das Planungsbüro Isu im Auftrag der Stadt Kyllburg entworfen hat (siehe Info).  „Mit dem Konzept definieren wir unseren Mikro-Wirtschaftsraum als Grundversorgungszentrum, sagen, was uns wichtig ist wie die Hochstraße, das Kyllufer und die Industrie- und Talstraße.“ Das sei auch eine gute Stütze für  Investoren, um zu sehen, welches Einzugsgebiet das Kleinzentrum Kyllburg hat,  wie die Kaufkraftzahlen und die Entwicklungsmöglichkeiten sind. „Wir machen unsere Hausaufgaben für morgen“, sagt der Stadtbürgermeister. So sieht der Entwurf des Einzelhandels- und  Zentrenkonzepts  auch vor, den  Bereich Hochstraße und Marktplatz – also den historischen Ortskern – gestalterisch aufzuwerten, um zum Verweilen einzuladen durch Betonsitzstufen und Infotafeln.  Klar ist auch, dass Kyllburg kein Standort für größere Einzelhandelsunternehmen ist – mit Ausnahme des südlicheren Stadtbereiches.

Laut Entwurf eignen sich aber entlang der Bahnhofstraße  und der Hochstraße einige Leerstände zur Wiedernutzung. Da sei noch Potential. Die Beseitigung der Leerstände sieht auch Klaus Zimmermann als zentralen Punkt an. Der Chef des Ingenieurbüros Isu befasst sich seit Jahren mit der Entwicklung Kyllburgs, quasi seit 1996, dem Jahr, seit  die Stadt in der Städtebauförderung des Landes  ist.

„Wir können  die Welt nicht retten, aber wir können die Attraktivität Kyllburgs stärken“, glaubt Zimmermann.  Er weiß auch, dass das mitunter  ist wie das Bohren dicker Bretter. So hatte sein Büro  einmal einen Plan für den Ausbau der Hochstraße ausgearbeitet. Der sah einen kleinen Park gegenüber des Eifeler Hofs vor mit Rasenfläche und kleinem Brunnen – ein Platz zum Verweilen mit einer schönen Aussicht. Zunächst gab es Zustimmung, doch dann immer mehr kritische Stimmen wegen der Kosten. Der Plan landete schließlich in der Schublade.

Zimmermann sieht auch gute Ansätze und hält es für wichtig, dass zum Beispiel auch über eine Brücke über die Kyll nachgedacht werden sollte, um den Campingplatz mit der anderen Seite und  dem Freibad zu verbinden.

Leerstände in kyllburg. Foto: TV/Maria Adrian
Leerstände in kyllburg. Foto: TV/Maria Adrian
Oben erinnert die Fassade des Hauses an den Glanz des 19. Jahrhunderts und unten an das Gegenteil. Foto: TV/Maria Adrian
Für das einstige Gasthaus zum Hahn ist ein Investor gefunden. Foto: TV/Maria Adrian
Das Haus in der Bahnhofstraße hat schon bessere Zeiten gesehen. Foto: TV/Maria Adrian

Kyllburg habe als Kleinzentrum laut seiner Analyse eine herausgehobene Bedeutung. Und damit das so bleibt, müssten auch mal getroffene Planungsentscheidungen überdacht werden – getreu   dem Motto „Handel ist Wandel“.

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