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Einzelhandelskonzept liegt vorläufig auf Eis

Neuerburg. Die Stadt Neuerburg klinkt sich aus, die Mettendorfer denken über einen Alleingang nach, die Körpericher wollen sich nicht einengen lassen - und die Verwaltung wartet erst einmal ab. Doch es soll einen weiteren Anlauf für das Neuerburger Einzelhandelskonzept geben - im Zweifel ohne Körperich. Jens Klein, David Zapp

Neuerburg. Das Einzelhandelskonzept könnte für die Verbandsgemeinde (VG) Neuerburg so etwas wie die unendliche Geschichte werden. Michael Endes gleichnamiger Jugendroman ist vor allem durch den Wechsel zwischen Fantasiewelt und Wirklichkeit gekennzeichnet. Die Existenz zweier Parallelwelten würde wohl auch in Neuerburg mancher Kritiker des Einzelhandelskonzepts nicht unbedingt ausschließen.
Immer wieder wurde bemängelt, dass die VG-Verwaltung und die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA), von der das Konzept erstellt wurde, die Menschen vor Ort weder bei der Erstellung des Konzepts noch bei dessen Präsentation angemessen beteiligten und informierten. "Es hätte vielleicht geholfen, wenn man die Gemeinden von vornherein stärker eingebunden hätte", formuliert Neuerburgs Stadtbürgermeisterin Anna Kling vorsichtig, was viele denken. Der Ortsgemeinderat Körperich stellte sich mehrheitlich gegen das Konzept, und selbst Mitglieder des VG-Rats fühlten sich nicht ausreichend informiert, um Ende März über das Konzept beschließen zu können. Die Entscheidung wurde also vertagt - das 17 000 Euro teure Konzept lag auf Eis (der TV berichtete). Und dort wird es wohl auch noch ein bisschen liegen bleiben.
"Unser Entwurf ruht zumindest bis zur nächsten Sitzung des Verbandsgemeinderats Ende Juni", sagt VG-Chef Norbert Schneider. Er betont außerdem, dass nun kein großer Entscheidungsdruck mehr herrsche. Denn die Stadt Neuerburg ist nun außen vor. Sie wird vorläufig aus dem Konzept herausgezogen und kann unabhängig weiterarbeiten.
Neuerburg geht eigenen Weg


In der Enz-Stadt gibt es mit der geplanten Ansiedlung des Aldi-Markts und den daraus resultierenden Veränderungen des Einzelhandels schließlich genug zu tun. Die Stadt geht also vorerst ihren eigenen Weg. "Ich hätte es natürlich begrüßt, wenn das VG-Konzept so abgesegnet worden wäre, weil es ja auch eine stärkere Einheit symbolisiert hätte", sagt Stadtbürgermeisterin Kling.
Sollte es doch noch zu einem Gesamtkonzept kommen, werde man das städtische Einzelhandelskonzept wieder miteinfließen lassen. Ob das passieren wird, muss sich in den nächsten Wochen zeigen.
Zumindest in Körperich sieht es momentan nicht danach aus, als ob der Gemeinderat seine Meinung ändern werde. "Wie da gegebenenfalls irgendwann eine Zustimmung erzielt werden kann, vermag ich nicht so sehr zu beurteilen", sagt Orts-Chef Winfried Horn. Man solle sich nicht in Form irgendwelcher Konzepte Fußfesseln anlegen lassen, findet Horn. Außerdem gibt es nach Ansicht des Bürgermeisters noch einige Verständnisfragen, die geklärt werden müssen. "Wir können uns Zeit nehmen, um die Dinge noch ein bisschen gären zu lassen", erklärt Horn.
Sein Mettendorfer Amtskollege Paul Lentes denkt dagegen über ein anderes Szenario nach: "Ich könnte mir vorstellen, dass wir ausscheren und genau wie Neuerburg ein eigenes Konzept machen", sagt Lentes. Er sei aber momentan noch optimistisch und glaube, dass der VG-Rat demnächst zustimmen werde. Davon geht offenbar auch VG-Bürgermeister Norbert Schneider aus. "Wir machen\'s ohne Körperich - das ist natürlich auch denkbar", sagt er. Das sei zwar nicht so schön; aber wenn die Gemeinde nicht mitmachen wolle, dann mache sie eben nicht mit.Meinung

Jeder kocht sein eigenes Süppchen
Gemeinsam sind wir stark! Dieses Credo scheint im Neuerburger Land wenig Gültigkeit zu besitzen. Ein gemeinsames Einzelhandelskonzept zu beschließen scheint in Körperich, Mettendorf und Neuerburg schwieriger zu sein, als zusammen einen Pott Suppe zu kochen. Die Körpericher wollen die Sache noch ein Weilchen gären lassen, die Mettendorfer nun doch ihr eigenes Ding durchziehen, und in Neuerburg köchelt man schon seit einiger Zeit allein, weil man keine Lust hat, sich von den anderen beiden Köchen auf der Nase herumtanzen zu lassen. Ursprünglich war das gemeinsame Einzelhandelskonzept ein Vorschlag der VG-Verwaltung, um den drei Ortsgemeinden Arbeit abzunehmen. Aus drei Konzepten könne man ja auch eins für alle machen. Ökonomisch - oder etwa nicht? Wohl nicht, denn schon beim Vorschlag wackelten die Kirchtürme in den beteiligten Orten. Mit Misstrauen wurden Werdegang und Zwischenergebnisse beäugt. Und schließlich das fertige Konzept verschmäht. Rund 15 000 Euro werden somit nun in den Sand gesetzt, wenn jeder der drei Köche eigene Wege geht. Gemeinsam an einem Strang ziehen, das sieht anders aus. Hinterher braucht sich dann aber niemand zu beschweren, wenn der Einzelhandel um den eigenen Kirchturm herum verwelkt statt zu florieren. d.zapp@volksfreund.de Das Einzelhandelskonzept soll die Entwicklung des Einzelhandels in der Verbandsgemeinde (VG) Neuerburg steuern. Es beinhaltet eine komplette Bestandsaufnahme des derzeitigen Angebots in der VG. Insgesamt wurden 83 Betriebe mit rund 27 000 Quadratmetern Verkaufsfläche und etwa 46 Millionen Euro Jahresumsatz erfasst. Außerdem enthält das Konzept beispielsweise Informationen zur Kaufkraft und zum Sortimentsangebot in der VG. Daraus werden Empfehlungen zur weiteren Entwicklung des Einzelhandels abgeleitet. Dabei spielen die Stadt Neuerburg als Mittelzentrum sowie die beiden Grundzentren Körperich und Mettendorf eine entscheidende Rolle. Schon jetzt steht fest, dass am Konzept immer wieder Änderungen vorgenommen werden müssen. Es ist kein statisches Dokument, sondern ein Planungsinstrument, das fortgeschrieben wird, wenn in den einzelnen Orten Veränderungen eintreten. jk