Neue Busfahrpläne in der Südeifel: Eltern machen ihrem Ärger bei Versammlung am Biesdorfer Gymnasium Luft

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Die Umstellung der Busfahrpläne in der Südeifel sorgt beim Schülerverkehr des Biesdorfer Gymnasiums nach wie vor für Probleme. Bei einem Infoaustausch an der Schule haben Eltern ihrem Ärger Luft gemacht.

Zwei Stunden nach dem Ende des Nachmittagsunterrichts beginnt die Veranstaltung. Während sich die kleine Turnhalle des Biesdorfer Gymnasiums nach und nach mit Eltern füllt, sind einige ihrer Kinder noch auf dem Heimweg. Oder sie stehen irgendwo zwischen Schule und Wohnort, weil einer der Verbindungsbusse entweder verpasst wurde oder gar nicht erst kam. So ganz genau lässt sich das im Einzelfall nicht immer rekonstruieren.

Denn seit der Umstellung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) auf das neue Linienbündel Südeifel ist der Schulweg für viele Kinder des Biesdorfer Gymnasiums, aber auch für Kinder anderer Schulen, dem Zufallsprinzip untergeordnet: Es kann funktionieren, muss aber nicht. Und letzteres ist sehr häufig der Fall.

Bei einer Demonstration in Bitburg wiesen Schüler und Lehrer bereits zur Einführung der Busfahrpläne auf die Probleme hin. Foto: Frank Auffenberg

Dementsprechend sauer sind viele Eltern. Gut 80 von Ihnen sind der Einladung des Schulelternbeirats und der Schule gefolgt. Darüber hinaus erschienen sind zudem Vertreter des zuständigen Busunternehmens, des Verkehrsverbunds Region Trier (VRT) und der Kreisverwaltung. Und diese Herren müssen sich einiges anhören.

Darüber ärgern sich die Eltern: Für einige Schüler, insbesondere die aus dem Bereich Eisenach-Gilzem-Welschbillig, hat sich die Fahrtzeit erheblich verlängert. Andere sind durch die Umstellung des Fahrplans komplett abgeschnitten. Davon betroffen sind vor allem die Randbereiche des Einzugsgebiets. So berichtet ein Vater aus Möhn, dass die Verbindung nach Welschbillig gekappt worden sei. Und eine Mutter aus Arzfeld ärgert sich darüber, dass für die Kinder aus ihrer Gemeinde die Busfahrt mittags in Karlshausen ende. Wobei das auch nicht immer der Fall sei, wie sie ergänzt. An zwei Tagen in der Woche fahre ein Bus, an anderen nicht. Warum das so ist und wer überhaupt für diesen Bus zuständig ist, bleibt an diesem Abend ein Rätsel.

Zum Linienbündel Südeifel scheint die Verbindung zwischen Karlshausen und Arzfeld anscheinend aber nicht zu gehören. Was insofern schon mal ganz gut ist, weil einige der überwiegend völlig ortsfremden Busfahrer ohnehin schon genug damit beschäftigt sind, überhaupt den Weg bis nach Biesdorf zu finden. „Wir hatten schon einen Busfahrer, der die Kinder nach dem Weg gefragt hat“, sagt eine Mutter. Das stärke nicht unbedingt das Vertrauen in dieses neue System, meint sie.

Ein weiteres Problem sind die zum Teil überfüllten Busse, vor allem zwischen Irrel und Biesdorf. Das liegt zum Teil daran, dass zwischen diesen beiden Orten mehrere Busse verkehren, die aber unterschiedlich lang unterwegs sind. Deswegen ist der Bus mit der kürzesten Fahrtzeit auch am vollsten. Was wiederum aber auch damit zusammenhängt, dass einige der Kinder sonst ihren Anschlussbus verpassen. So berichten viele Eltern an diesem Abend von Kindern, die in Orten stranden und von dort dann nicht mehr weiterkommen.

Die Eltern werfen dem Kreis und auch dem VRT vor, dass das neue Konzept völlig an den Bedürfnissen der Schüler vorbei geplant worden sei. Stattdessen würden jenseits des Schülerverkehrs leere Busse durch die Eifel fahren. „Hier wurde ein Angebot geschaffen, für das es keine Nachfrage gibt, und dort, wo Nachfrage besteht, gibt es kein Angebot mehr“, fasst es ein Vater zusammen.

Worüber sich die Eltern besonders aufregen, ist neben der Planung der Linien die Kommunikations- und Informationspolitik der Verantwortlichen. Die Schule und auch die Eltern seien viel zu spät über die Veränderungen informiert worden. Und auf die Fahrplanauskunft im Internet beziehungsweise die VRT-App sei überhaupt kein Verlass. Die dort angegeben Abfahrtzeiten und Verbindungen seien völlig falsch, schimpfen einige der Anwesenden. „Wir müssen uns als Eltern doch darauf verlassen können, dass unsere Kinder auch an der Schule ankommen, wenn sie morgens in den Bus einsteigen“, so eine Mutter.

Das sagen die Verantwortlichen: „Ich gebe zu: Wir haben das unterschätzt“, räumt Landrat Joachim Streit ein. Früher sei der Schülerverkehr nach Biesdorf ein maßgeschneidertes Angebot im ÖPNV gewesen, erklärt Streit, der auch Vorsitzender des VRT ist. Durch die Umstellung sei nun ein ÖPNV-Angebot für alle geschaffen worden – was im übrigen nicht nur für den Eifelkreis zutreffe, aufgrund eine landesweiten Vorgabe so umgesetzt worden sei. Wobei Fahrtzeiten von bis zu einer Stunde auch an anderen Schulen schon gang und gäbe seien. Er sei sich dessen bewusst, dass in den kommenden Jahren viele leere Busse durch die Eifel fahren werden, so der VRT-Vorsitzende. Doch um Menschen zur Umstellung auf den ÖPNV zu bewegen, müsse zuerst ein entsprechendes Angebot geschaffen werden. Das neue Linienbündel Südeifel sei dabei ein Baustein.

Für die Beförderung in diesem Linienbündel zuständig ist das Busunternehmen Tempus. Dessen Geschäftsführer Frank Schilling räumt Probleme ein und begründet diese vor allem damit, dass es inzwischen schwierig sei, überhaupt Busfahrer zu finden. Vor allem für Schulbusse. Die jetzt eingesetzten Fahrer kämen überwiegend aus Polen und könnten deshalb auch kaum deutsch sprechen. An den Sprachkenntnissen werde aber intensiv gearbeitet. „Wir haben mit Sicherheit nicht die Besten eingestellt, das wissen wir“, so der Busunternehmer. „Aber irgendjemand muss die Busse ja fahren.“

Und was die unzuverlässigen Fahrplanauskünfte im Internet betrifft, so begründet ein VRT-Verkehrsplaner (Name der Redaktion bekannt) das mit einem Problem in der Datenschnittstelle.

Das soll sich ändern: Kreis, VRT und Busunternehmen sichern zu, die Abläufe so zu verbessern, dass sie zumindest schon mal dem entsprechen, was der neue Fahrplan vorgibt. Zudem sollen ab Montag erste konkrete Veränderungen umgesetzt werden (siehe Infobox). Darüber hinaus soll auch die Erreichbarkeit des Busunternehmens bei akuten Problemen und Beschwerden verbessert werden. Wie lange es dauern wird, bis der VRT die Fahrplanauskunft im Internet und in der App so zuverlässig am Laufen hat, dass nicht nur die Angaben zu den Fahrplänen stimmen, sondern Eltern und Schüler auch rechtzeitig über ausfallende Busse oder sonstige Probleme und Veränderungen informiert werden, dazu kann der Verkehrsverbund an diesem Abend trotze mehrfacher Forderung seitens der Eltern keine verlässliche Aussage machen. Vorgeschlagen wird aber, für diese Zwecke vorerst die Facebook-Seite des Biesdorfer Gymnasiums als Plattform zu nutzen.