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Ende des Dornröschenschlafs

Ende des Dornröschenschlafs

Neues Leben für das Marienhaus in Daleiden: Wo früher Dominikanerinnen lebten, soll für rund sieben Millionen ein Altenwohn- und Pflegeheim mit bis zu 90 Plätzen entstehen. Heute Abend berät der Gemeinderat über das Projekt.

Daleiden. Eingefügt in eine kleine Parklandschaft steht das Marienhaus seit mehr als 100 Jahren in Daleiden. Lange Jahre war es die Heimat von Dominikanerinnen(siehe Extra). Doch Ende 2008 wurde das Haus geschlossen, die malerische Anlage versank im Dornröschenschlaf.
Doch der Prinz, der sie wachküsst, ist schon im Anmarsch: Investor Alfred Hamacher hat seine Pläne für das Objekt vorgestellt. Es soll ein Altenwohn- und Pflegeheim mit bis zu 90 Plätzen entstehen, das Hamacher selbst betreiben will. In Bedburg in der Nähe von Köln hat der Allgemeinmediziner seit zehn Jahren ein ähnliches Haus mit 116 Betten. "Die Anlage in Daleiden hat ihren eigenen Charme und ist mit der angeschlossenen Kapelle wirklich sehr reizvoll", sagt Hamacher - gerade mit dem Blick auf ältere Menschen. Von daher sei es ein guter Standort für ein solches Projekt, das sich zunächst an die Eifeler richten soll. Im Marienhaus sollen etwa zehn kleine Einheiten für ein eigenständiges, aber betreutes Wohnen untergebracht werden. "Dort können die Menschen ihre Selbstständigkeit behalten und gleichzeitig alles nutzen, was die Anlage bietet", sagt Hamacher. Dazu wird das Innere des Hauses aber umgestaltet werden müssen, um die 35 bis 60 Quadratmeter großen Wohnungen zu schaffen. Doch von außen soll sich nicht so viel ändern. "Insbesondere die historische Bausubstanz um den alten Hof soll bleiben", sagt Architekt Georg Thommes aus Daleiden.
Parallel dazu ist ein Neubau mit 70 bis 80 Zimmern geplant. Außerdem sollen Räume für eine Arztpraxis, eine Apotheke und eine Physiotherapie geschaffen werden. Zusätzlich sollen die Grünflächen umgestaltet und ein kleiner See angelegt werden, sagt Hamacher. Dort ist auch eine Gastronomie vorgesehen. Noch ist allerdings nicht klar, ob sie verpachtet oder vom Pflegeheim selbst betrieben wird. "Wenn sich jemand dafür interessiert, würden wir das gerne vergeben", sagt Hamacher. Auch für die Kapelle hat der Investor Pläne: "Die könnte beispielsweise für Hochzeiten offen stehen." Auf dem Gelände gebe es ja auch viele Ecken für schöne Fotos. "Grundsätzlich würde ich mich freuen, wenn die komplette Einrichtung in der Eifel angenommen wird", sagt Hamacher. Insgesamt schätzt er die Investitionskosten auf rund sieben Millionen Euro. Damit muss allerdings nicht das Ende erreicht sein. Denn je nach Bedarf ist die Möglichkeit vorhanden, die Anlage noch zu erweitern, etwa um kleine Einzelwohnungen.
Macht der Gemeinderat in seiner Sitzung heute Abend, 20 Uhr, im Gemeindehaus, den Weg frei, könnte noch in diesem Jahr mit dem Umbau des Marienhauses begonnen werden, schätzt Architekt Thommes. Der Neubau wird aber erst im nächsten Jahr kommen. Für 2013 wird mit der Fertigstellung gerechnet. "Wir sind froh über die Pläne für das Marienhaus und die Erweiterung", sagt Daleidens Ortsbürgermeister Walter Reichert. Der Ort werde gestärkt und die gute Versorgungssituation weiter verbessert. "Die neue Einrichtung ist ein Gewinn für die ganze Region und bietet älteren Menschen die Möglichkeit, in der vertrauten Umgebung zu bleiben."Bereits seit 1910 sind die Dominikanerinnen in Daleiden aktiv. Sie waren gekommen, nachdem der damalige Pastor des Ortes um Hilfe im Kampf gegen die Not der Einheimischen gebeten hatte. Über lange Jahre hinweg garantierten die Nonnen mit dem Krankenhaus, das sie im Marienhaus eingerichtet hatten, die medizinische Versorgung der Region, kümmerten sich um die Alten und führten nebenbei einen landwirtschaftlichen Betrieb. Im Krieg wurde das Marienhaus fast völlig zerstört, 20 Menschen starben in den Trümmern. Das Haus wurde wieder aufgebaut und beherbergte ab 1957 neben einem Krankenhaus mit 100 Betten auch einen Kindergarten, der später in ein eigenes Gebäude umzog. Von 1967 bis 1979 war das Marienhaus ein Altenheim. Seit 1979 boten die Dominikanerinnen alten Menschen in Kooperation mit einigen Caritas-Verbänden Erholungsaufenthalte in Daleiden an. kah