Ende gut, Zukunft gut

Die Steyler Missionare haben ihre Missionshaus St. Paul bei Wittlich, eine Liegenschaft mit 24 Hektar, davon 14 am Missionshaus, an die Hofgut Stift Kloster Machern AG verkauft. Damit ist eine "gute" Nachfolgenutzung auch im Sinne der Steyler besiegelt.

Wittlich/Wengerohr. Seit 2004 suchten die Missionare nach einem Käufer für St. Paul. Das ist nun gelungen: Die Hofgut Stift Kloster Machern AG unter Geschäftsführer Hans-Jürgen Lichter, die mehrheitlich dem Trierer Bürgerverein 1864 angehört, der wiederum zur Günther Reh Gruppe zu rechnen ist, will sicherstellen, dass die Nutzung christlichen Grundsätzen entspricht. Der Käufer ist zudem kapitalkräftig - an den finanziellen Risiken sind andere interessierte Träger gescheitert - und genießt einen vorzüglichen Ruf als Investor in der Region.Kirche soll bleiben, Kinderkrippe soll kommen

Dass kein Bruch mit den bisherigen Besonderheiten des Ortes entsteht, ist eine Leitlinie. Unter anderem sollen die noch in St. Paul verbliebenen Ordensleute in Absprache mit dem Bischof weiterhin für pastorale Tätigkeiten, auch Gottesdienste in St. Paul, zur Verfügung stehen. Für fünf Jahre zunächst haben die Steyler ihr Wirken vor Ort zugesagt. Auch ist eine Kinderkrippe im ehemaligen Schwesternheim mit 30 Plätzen für bis dreijährige Kinder geplant - mit Öffnungszeiten von 5 bis 23 Uhr. Für sie gibt es einen Träger, zudem stehe man mit Industriebetrieben in der Region in Kontakt, deren Mitarbeiterinnen von diesem Angebot profitieren könnten.Im Hauptgebäude (3000 Quadratmeter Nutzfläche) soll unter anderem ein Therapiezentrum entstehen. Menschen mit Beeinträchtigungen soll dort mit als Therapietiere ausgebildeten Pferden oder Hunden geholfen werden. Vorbild ist die "Delfin-Therapie". Weiteren dazu passenden Mietern, wie Therapeuten, Ärzten, sieht man mit Interesse entgegen. Zudem soll ein Ausflugslokal in der ehemaligen "Sommerwirtschaft" enstehen. Das Gebäude beherbergt noch die Pfadfinder, für die es eine neue Bleibe geben soll. Auch Kulturelles, wie Konzerte, soll in St. Paul stattfinden. Dieses Angebot für Jedermann ergänzt dann ein Hofladen, der regionale Produkte der Abtei Himmerod, aus Kloster Machern und zudem der Justizvollzugsanstalt (JVA) anbieten wird. Die JVA bleibt Pächter (elf Hektar) mit Viehzucht und Hühnern. Es hieß, die JVA, die derzeit in Wittlich ausgebaut wird, wolle auch ihre Gewächshäuser hierher verlegen. Zur Kaufsumme und der Höhe der Investitionen gab es keine Details. Es sei aber langfristig von einigen Millionen Euro auszugehen. Von Seiten der Steyler Missionare war zu hören: "Wir hätten cash verkaufen können zu einem entscheidend höheren Preis, aber das entsprach nicht unserem Konzept." Unter anderem wollten die Verkäufer beispielsweise eine Folgenutzung durch Sekten oder gar den Betrieb eines Edelbordells vermeiden. An der Aktiengesellschaft Hofgut Stift Kloster Machern ist die gemeinnützige Günther Reh Stiftung mit 5,1 Prozent (die Erträge gehen in die Behindertenarbeit) beteiligt. Seit dem Vertragsabschluss sind auch die Steyler Missionare als Mitaktionäre im Boot. Zu welchem Anteil wurde nicht gesagt. Mit der jetzigen Investition soll auch eine Vernetzung von drei klösterlichen Betrieben erreicht werden: der Abtei Himmerod, dem Kloster Machern und jetzt St. Paul. Weiterhin hofft man auf Synergien mit dem Ferienpark Kloster Machern. Im Rahmen des Tier-Therapiezentrums sind Einrichtungen wie Reithalle, Schwimmbad, Streichelzoo angedacht. Doch wann soll es losgehen? Der Geschäftsführer der Hofgut Stift Kloster Machern AG, Hans-Jürgen Lichter meint: "Wir haben Visionen. Viel weiter sind wir nicht, aber wir arbeiten dran. Frühestens 2008 werden erste Bewegungen erkennbar sein." Meinung Kapital und Kirche "Ich komme immer von der Mosel nach St. Paul. Es ist für mich eine Art Himmel. Jetzt bin ich beruhigt."-Das, was ein Veldenzer, der sich in die Pressekonferenz "geschmuggelt" hat, an deren Ende sagte, spricht sicher vielen aus dem Herzen. Ein Blick an die Mosel nach Machern zeigt, dass man davon ausgehen kann, dass behutsam mit dem geschichtsträchtigen Ort umgegangen wird. Denn der Mann, der letztendlich für das Kapital gesorgt hat, Günther Reh, kann als nicht rein rendite-orientierter Investor agieren. So können Kapital und Kirche, auch wenn die Steyler in letzterer eine Sonderrolle spielen, in St. Paul eine gute Verbindung eingehen. Das mögen viele gehofft haben, realistisch war es eigentlich nicht. St. Paul scheint als Ort der Heimat für Menschen unter einem besonderen Stern zu stehen. s.suennen@volksfreund.deExtra Die "Gesellschaft des göttlichen Wortes", so der offizielle Name der 1875 gegründeten Ordensgemeinschaft der Steyler Missionare, kam vor 85 Jahren nach Wengerohr und eröffnete unter anderem eine Missionsschule. Ab 1968 nahm das Internat auch Schüler auf, die nicht dem Orden beitreten wollten. 1980 wurde die Schule zum Exerzierten- und Tagungshaus. Hier wurden Novizen ausgebildet. 2004 fiel der Entschluss, St. Paul zu verkaufen. Mit dem Kauf schließt sich ein Kreis zwischen Machern, St. Paul und Himmerod. In der Vergangenheit war das Gelände bis 1883 bereits einmal im Besitz des Klosters Machern. Letzteres hat der Trierer Bürgerverein 2000 gemeinsam mit der Günther Reh Stiftung erworben und dann die Hofgut Stift Kloster Machern AG gegründet, die nun Käufer ist. Die Aktiengesellschaft ist auch mit der Geschäftsführung der neu gegründeten Abtei Himmerod Betriebsgesellschaft mbh beauftragt, wozu der Managementvertrag zum Januar 2008 in Kraft tritt. Die frühere Zisterzienserinnen-Abtei Kloster Machern wiederum war ehemals der Abtei Himmerod unterstellt.