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Endlich steht drauf, was mal drin war

Endlich steht drauf, was mal drin war

Eine Infotafel erinnert seit vergangener Woche daran, dass in den 1937 errichteten Gebäuden des heutigen Hauses für Lehrerfortbildung in Kronenburg einst die Hermann-Göring-Meisterchule für Malerei untergebracht war.

Kronenburg. Nicht allein der Historiker, Journalist und Autor Frank Möller hat es als befremdlich empfunden, dass bis vergangene Woche kein öffentlicher Hinweis auf die braune Vergangenheit des Häuserensembles in Kronenburg zu finden war. "Der Nationalsozialismus hat nicht nur in Berlin oder München stattgefunden, sondern auch hier in der Eifel", sagt Möller. Die damaligen Geschehnisse ließen sich nicht rückgängig machen - "bestenfalls kann man aber daraus lernen", sagt der Historiker. "Deshalb ist es wichtig, Geschichte zu dokumentieren."
Die von Möller maßgeblich initiierte Infotafel an der Außenmauer der ehemaligen Hermann Göring-Meisterschule für Malerei, in der heute ein Haus für Lehrerfortbildung des Nordrhein-Westfälischen Schulministeriums untergebracht ist, übernimmt diese Aufgabe.
Sie erzählt davon, was den malerischen Burgort Kronenburg mit den Namen etlicher Nazi-Größen verbindet. "Göring, Himmler, Goebbels und Albert Speer waren alle in dieser Zeit hier zu Gast", sagt Möller. Werner Peiner, Hitlers Lieblingsmaler und Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie ließ sich die Errichtung der Malerschule mit ihren riesigen Ateliers von Hermann Göring finanzieren.
"Hier entstanden seit 1938 die großformatigen Bilder und Tapisserien, die die Reichskanzlei, das "Haus der Flieger" in Berlin und Görings Privatdomizil "Carinhall" schmückten", erzählt Möller, der den Text der Infotafel entwarf. Die Meisterschule in Kronenburg sei in ihrer Bedeutung für die Nationalsozialisten vergleichbar mit der NS-Ordensburg Vogelsang, "dort ist im Gegensatz zu hier alles dokumentiert."
Seit vielen Jahren werde das Haus sinnvoll genutzt, sagt Martin Schöddert, Leiter der Einrichtung. "Ein offener Umgang mit der Vergangenheit dieses Ortes ist mit der Info-Tafel nun gegeben. Das Schulministerium hat dem Antrag Frank Möllers stattgegeben und erfüllt damit seine Verpflichtung zur Information." Voraussichtlich im kommenden Jahr sollen sieben weitere Info-Tafeln im Innenbereich die Geschichte des Hauses näher beleuchten. now