1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Energiewende aus Bürgerhand in der Verbandsgemeinde Südeifel

Energie : Energiewende aus Bürgerhand

Die Organisation Erneuerbare Energien Neuerburger Land hat einen Projektpartner gefunden. Der Vorstand rechnet jedoch nicht mit einem Baubeginn erster Windräder vor 2022.

 Sie soll den Ausbau der Windkraft und Photovoltaik in der Verbandsgemeinde (VG) Südeifel steuern und davon profitieren: die „Erneuerbare Energien Neuerburger Land (EENL). Vor sieben Jahren gegründet als Anstalt öffentlichen Rechts (AöR), siehe Info. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Einige zweifelten wegen der langwierigen Vertragsverhandlungen und Verzögerung beim Flächennutzungsplan an der  Umsetzung möglicher Windkraftprojekte. Doch jetzt gibt es Fortschritte zu melden.

Die EENL hat inzwischen das Interessenbekundungsverfahren abgeschlossen. Bei diesem Verfahren müssen die Bewerber zuvor festgelegte Kriterien erfüllen. So wird sichergestellt, dass nicht nur der höchste Preis alleine ausschlaggebend ist, sondern auch Rahmenbedingungen wie zum Beispiel Gemeindebeteiligung, sichere Betriebsführung und Bürgerstrom.  22 Firmen hatten sich auf die Ausschreibung hin beworben. Am Ende entschied das baden-württembergische Energie-Unternehmen EnBW AG das Rennen für sich. Die EnBW ist eines der größten Energieversorgungsunternehmen in Deutschland und Europa, mit einer Niederlassung auch in Trier.

„Wir haben einen professionellen Partner gefunden, der für uns rechtskonforme Windkraftstandorte entwickelt“, sagt Moritz Petry, VG-Chef und Vorsitzender des Verwaltungsrats der EENL. „Wir wollten eine Firma, die auch mindestens 20 Jahre an Bord bleibt“, ergänzt Alexander Schaal, gemeinsam mit Stefan Billen im Vorstand der EENL.

Idee der EENL ist, dass vor allem die Gemeinden vom Ausbau der erneuerbaren Energien profitieren. Eine vergleichbare Organisation gibt es zurzeit im Eifelkreis nur in der VG Arzfeld. In der EENL sind bislang 32 Gemeinden, die VG und die Stadt Neuerburg Mitglied. Die AöR hat von rund 50 Grundstückseigentümern bereits geeignete Flächen gepachtet. Die EnBW wird auf diesen Flächen nun Windräder aufstellen. „Wir rechnen mit zehn bis 14 Anlagen“, sagt Alexander Schaal. Stefan Billen glaubt allerdings nicht, dass vor Ende 2022 gebaut wird. „Im Moment hängen in ganz Deutschland 10 000 Megawatt Wind in den Genehmigungsverfahren“, sagt er.

Der Eifelkreis Bitburg-Prüm kann davon ein Lied singen. Schon in den vergangenen Jahren wurden keine Anlagen mehr genehmigt, außer zuletzt 2017 in Arzfeld. Die Langwierigkeit der vielen Prozesse, unter anderem auch die Verzögerung  bei der Genehmigung des Flächennutzungsplans Windkraft, habe aber auch etwas Gutes, sagt Billen. Denn in der Zwischenzeit hätten die Änderungen des Landesentwicklungsplans IV und die damit verbundenen höheren Anforderungen an umweltrechtliche Untersuchungen die Vorrangflächen für Windkraft beschnitten.

Die potenziellen Flächen sind dadurch weniger geworden.  Dafür steigen aber wieder die Preise, die für Strom aus erneuerbarer Energie gezahlt werden. Laut Petry liegt der Preis pro Kilowattstunde derzeit bei rund sechs Cent. Doppelt so viel wie noch vor drei Jahren. Der Erlös aus dem Betrieb der Anlagen wird später wie folgt aufgeteilt: Zunächst bekommt der Grundstückseigentümer Pacht für sein Land, dann die Gemeinde für die Wegenutzung und die Kabeltrassen, und was übrig bleibt, erhält die AöR. 50 Prozent dieses Betrages gehen an die Verbandsgemeinde und 50 Prozent an die Ortsgemeinden, beziehungsweise Stadt Neuerburg.

Da die Verbandsgemeinde Mitglied in der AöR ist, partizipieren im Prinzip alle Gemeinden von der Sache.  Zudem hat die EnBW für eine Laufzeit von fünf Jahren für alle Einwohner der VG Südeifel niedrigere Strompreise zugesagt, nämlich pro Kilowattstunde drei Cent weniger. „Besser hätte es nicht laufen können“, sagt Stefan Billen.

Die Vorarbeit war jedoch auch gewaltig. In insgesamt 80 Verhandlungen hat Billen allen Interessierten die Idee der EENL versucht näher zu bringen. Übrigens ehrenamtlich und damit kostenneutral. Genau wie Alexander Schaal, der vieles in seiner Freizeit geregelt hat.

„Das ist ein absoluter Sonderfall. Diese Leistung müsste man sich normalerweise teuer extern einkaufen. Und dann fehlt die Ortskenntnis“, sagt Moritz Petry. Lob gibt es auch für die Grundstückseigentümer. „Die waren alle fair. Ich kann unsere Leute nur loben“, sagt Billen.