Energiewende: So funktioniert das im Islek

Energiewende: So funktioniert das im Islek

Der Energiekonzern RWE und Landwirte aus dem Islek haben ein System zur Speicherung von erneuerbarer Energie entwickelt und gleich auch erprobt. Dabei war man so erfolgreich, dass das Projekt nun einen Innovationspreis bekommt.

Üttfeld. Solarenergie, Windkraft und Biogas - die Eifel ist ein Eldorado der erneuerbaren Energien. Allerdings sind Energiewirte in der Region so erfolgreich, dass laut dem Essener Energiekonzern RWE 17 Mal mehr Strom produziert als verbraucht wird. Ein Problem, denn Überkapazitäten kann das Stromnetz nicht so einfach aufnehmen.
"Smart Country" heißt ein Modellprojekt, mit dem Energieerzeuger und Netzbetreiber seit sechs Jahren nach Lösungen für dieses Problem gesucht und sie auch gefunden haben. Mit an Bord: RWE, der Anlagenhersteller ABB, das Beratungsunternehmen Consentec und die Technische Universität Dortmund. Auf 180 Quadratkilometern wurde ein Versuchsnetz aufgebaut, das seine Auslastung selbstständig steuert. Auf dem Hof des Üttfelder Energiepioniers Heinz Hoffmann baute man testweise eine Gasspeicheranlage auf, die sich bewährt hat. Der Lohn aller Mühen: Die Initiative erhält jetzt den Preis "Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen". Am Dienstag, 20. September, wird er auf Hoffmanns Hof verliehen.
"Sechs Jahre lief das Projekt. Wir haben gute Erfahrungen gemacht, das System funktioniert", sagt Energiewirt Hoffmann. Vor knapp zwanzig Jahren gehörte er zu den ersten Eifelern, die den Bau und Betrieb von Windkraftanlagen angingen. Seit mehr als zehn Jahren betreibt er zudem eine Biogasanlage, seit rund sechs Jahren eine Photovoltaikanlage.
Für das vom Bundeswirtschaftsministerium zur Hälfte geförderte sechs Millionen Euro teure Pilotprojekt wurde Hoffmanns Biogasanlage umgebaut (der TV berichtete): "Ein Gasspeicher wurde aufgerüstet. Sobald die Sonne scheint, kann das Gas jetzt gespeichert werden.", sagt Hoffmann. Eigentlich werde es bei herkömmlichen Anlagen gleich in Wärme und Strom umgewandelt. Er gibt ein einfaches Beispiel: "Die Sonne hat ja die Angewohnheit, nur tagsüber zu scheinen. Warum sollen wir ausgerechnet dann auch noch Gas zu Strom umwandeln?" Bisherige Anlagen seien aber nicht regelbar gewesen. Sie produzierten im Grunde durch.
Vom Land in die Stadt


"Die Zeit, in der vom Blockheizwerk das Gas in Energie umgewandelt wird, kann nun so auch endlich verschoben werden." Und das ist durchaus von großer Wichtigkeit, denn bislang ist das bundesweite Stromnetz vor allem darauf ausgerichtet, Strom von großen zentralen Kraftwerken im Ballungsräumen über das ganze Land zu verteilen.
Seit Beginn der Energiewende gerät dieses Prinzip allerdings immer mehr ins Ungleichgewicht. Der Bau zahlreicher, dezentraler Erzeugungsanlagen veränderte die Fließrichtung: Plötzlich wird Strom nicht mehr allein in den Industriegebieten produziert und aufs Land geschickt, er fließt neuerdings auch aus der Fläche in die Zentren, wo der Verbrauch am höchsten ist. Es enstehen so Schwankungen in Verbrauch und Produktion. Der Speicher und das intelligente Netz können sie nun effizient und kostengünstig ausgleichen.
Die Abstimmung über den Publikumspreis läuft noch. Bis Donnerstag, 6. Oktober, kann auf <%LINK auto="true" href="http://www.land-der-ideen.de" text="www.land-der-ideen.de" class="more"%> gewählt werden.
Extra

Der Wettbewerb Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen wird seit 2006 von der Standortinitiative Land der Ideen verliehen. Ziel ist es, Innovationen aus Deutschland bekannt zu machen. Im Jahr 2015 ging der Preis nach Prüm an die Kommunalen Netze Eifel. Sie wurden für den Plan ausgezeichnet, eine gemeinsame Versorgungstrasse mit Rohren für Strom, Gas, Wasser und Glasfaserkabel für schnelles Internet zwischen Trier und Nordrhein-Westfalen zu bauen. aff

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