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Entsetzen über Unfall von Ulmen

Entsetzen über Unfall von Ulmen

Der schwere Unfall bei Ulmen, bei dem in der Nacht zum Samstag vier Menschen ums Leben kamen, beschäftigt Angehörige, Sachverständige und Ermittler. Er bedeutet auch einen Großeinsatz für das Notfallnachsorge-Team.

Ulmen. (jf/jo) Eins der beiden schwer verletzten Opfer des Unfalls, bei dem in der Nacht zum Samstag auf der B 259 bei Ulmen vier Menschen starben (der TV berichtete), der 19-jährige Florian, ist außer Lebensgefahr. Der Zustand des zweiten schwer verletzten Autoinsassen, des 18-jährigen Rudi, ist jedoch weiter kritisch.Ein 22-jähriger in Büchel stationierter Soldat war aus ungeklärter Ursache auf gerader Strecke auf die Gegenfahrbahn geraten und frontal mit dem Wagen einer Familie aus Alflen zusammengeprallt. Für die 40-jährige Fahrerin, ihren 17-jährigen Sohn Martin und die 18-jährige Katja aus Blankenrath, Freundin Rudis, kam jede Hilfe zu spät. Auch der mutmaßliche Verursacher starb an seinen schweren Verletzungen. Tragisch: Die Familie siedelte 1989 aus Kirgisien nach Deutschland aus, suchte hier ihre Zukunft. Ihre erste neue Heimat fand sie in Cochem-Brauheck, bevor sie 1993 nach Alflen zog. Erst am 17. September entschloss sich der 17-jährige Martin, der in der Mosel-Akademie der Handwerkskammer Koblenz eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme besuchte, den Hauptschulabschluss nachzuholen.Der Unterricht wurde für zwei Tage ausgesetzt

Auch die ums Leben gekommene Katja hatte ihre Zukunft vor Augen: Sie begann im September eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau bei einem Kooperationspartner der Mosel-Akademie. Beide hatten sich in der Einrichtung der Handwerkskammer kennengelernt.Auch für Martins älteren Bruder Rudi hatte am 17. September ein neuer Lebensabschnitt angefangen: Nach bestandenem Hauptschulabschluss hatte er eine Malerlehre in Cochem begonnen. An Unterricht ist für die Mitschüler von Katja, Martin und Rudi derzeit nicht zu denken. Die jungen Leute stehen unter Schock. "Der Unterricht ist für zwei Tage ausgesetzt", sagt Marco Bauer, Leiter der Mosel- Akademie. Auf Angebote der Lehrer, darüber zu reden, den Schrecken aufzuarbeiten, gingen die Schüler nicht ein. "Sie tragen ihre Empfindungen dafür in einem eigenen Internetforum zusammen", erläutert der pädagogische Leiter, Volker Orth.Unterdessen besserte sich der Zustand des schwer verletzten 19-jährigen Florian, der mit mehreren Knochenbrüchen in das Bundeswehr-Zentralkrankenhaus gebracht wurde. Für ihn besteht keine akute Lebensgefahr mehr. Dagegen schwebt der in Trier versorgte 18-jährige Rudi noch immer in Lebensgefahr.Der schwerste Unfall seit Jahren im Kreis Cochem-Zell war ein Großeinsatz für die Notfallnachsorger. Von der Notfallnachsorge Cochem-Zell des DRK und der Caritas waren vier ehrenamtliche Helfer im Einsatz, die auf Anforderung durch vier weitere von der Notfallseelsorge am Nürburgring verstärkt wurden. "Wir haben die Angehörigen aufgesucht und vor Ort betreut", berichtet Manfred Hamza (53) aus Treis-Karden, ehrenamtlicher Helfer des erst im April aus der Taufe gehobenen Teams. Von 0.30 bis 6.30 Uhr waren die Helfer in der Nacht zum Samstag im Einsatz und betreuten die Angehörigen der Opfer. "Wir bleiben so lange da, bis das soziale Netz wieder greift, bis etwa Nachbarn, Freunde, Verwandte zur Verfügung stehen", sagt der Notfallnachsorger, der auch im Juni bei dem Pündericher Unfall mit drei Toten vor Ort war. Und auch dieser Einsatz zeigte ihm wieder: "Die Menschen brauchen uns."Warten auf das Gutachten des Sachverständigen

Doch auch den Rettern und Helfern bot sich ein Bild des Grauens, so dass die Notfallnachsorge bei Bedarf auch etwa den jungen Feuerwehrleuten zur Verfügung steht. "Es ist keine Schwäche, wenn auch Einsatzkräfte auf uns zukommen, um das Geschehen aufzuarbeiten", sagt Manfred Hamza. "Man merkt oft, dass der Bedarf da ist. Aber irgendwo ist hier immer noch eine Hemmschwelle."Die Polizei steht immer noch vor einem Rätsel, wie es zu dem schweren Unfall kommen konnte. Es ist das Gutachten des Sachverständigen abzuwarten, und das kann laut Polizei Wochen dauern. Und der Experte kann auch nur aufgrund der Verformungen der Wracks Aufprallgeschwindigkeit und -winkel rekonstruieren, denn es gibt weder Brems-, Schleuder- noch sonstige Spuren. Blutproben, ob Alkohol oder Drogen im Spiel waren, wurden nach Angaben des Cochemer Polizeichefs Peter Magerl nicht entnommen, weil die Staatsanwaltschaft keine angeordnet hat. Grund: Da beide beteiligten Fahrzeugführer verstorben sind, gibt es niemanden, gegen den man strafrechtlich ermitteln könnte.Trotzdem wird die Cochemer Polizei den Fall so weit wie möglich weiter erforschen, "um ihn wenigstens einigermaßen nachvollziehbar zu machen", so Magerl. "Wo kamen die Beteiligten her, wo wollten sie hin? Was waren die genauen Umstände?" Möglicherweise wird sich aber nie aufklären lassen, warum der junge Soldat aus dem Raum Stendal, der im Februar Vater wurde, auf die Gegenfahrbahn geraten ist.