Entsorgung des mit Phosphor belasteten Erdreichs wird nicht so teuer

Kostenpflichtiger Inhalt: Altlasten : Phosphorgranate kommt Gemeinde Irrel günstiger als erwartet

Die Entsorgung des belasteten Erdreichs nach dem Fund einer Phosporgranate wird für Irrel nun doch nicht so teuer wie zunächst befürchtet.

Werner Bares ist sauer. Und das nicht zu knapp. „Wir werden hier verarscht“, sagt der erste Beigeordnete der Ortsgemeinde Irrel. Den Beschluss, die Kosten zu übernehmen, will er deshalb nicht mittragen. Bares stimmt dagegen. Dass er damit der einzige im Irreler Gemeinderat ist, bedeutet aber nicht, dass er mit dieser Auffassung allein ist. Im Gegenteil.

Das Problem ist nur: Wenn sich die Gemeinde weigert, die Rechnung von rund 9860 Euro zu begleichen, dann bleibt zunächst einmal der Entsorgungsbetrieb aus Rittersdorf auf diesen Kosten sitzen. Denn der hat das belastete Erdreich aus Irrel abtransportiert, zwischengelagert und dann zur endgültigen Entsorgung ins niedersächsische Munster transportiert. Und diese endgültige Entsorgung wurde dem Betrieb aus Rittersdorf, der für seine Transport- und Lagertätigkeit von der Gemeinde bereits bezahlt wurde, von dem Unternehmen in Munster in Rechnung gestellt.

Es geht um rund 8,5 Tonnen Erdreich aus einer Baustelle in der Irreler Ortslage. Auf einem gemeindeeigenen Grundstück an der Ecke von Hauptstraße und Ewerhartstraße stießen Bauarbeiter vor zwei Jahren auf eine Phosphorbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die zwischenzeitlich im Erdreich detoniert war. Durch den Baggereinsatz kam das Phosphor aus dem Erdreich zischend zum Vorschein, weshalb umgehend der Kampfmittelräumdienst alarmiert wurde. Die Reste der Bombe wurden entfernt.

Zurück blieb allerdings die mit Phosphor belastete Erde, deren fachgerechte Entsorgung in der Zuständigkeit der Gemeinde lag. Die 8,5 Tonnen Boden kamen zunächst nach Rittersdorf. Aufgrund der durch Bodenproben festgestellten hohen Belastung und dafür notwendigen Spezialbehandlung wurde das Erdreich schließlich zur in Munster ansässigen Geka mbH (Gesellschaft zur Entsorgung chemischer Kampfstoffe und Rüstungsaltlasten), einer bundeseigenen Gesellschaft des Verteidigungsministeriums, befördert. Und von dort kam dann im vergangenen Jahr schließlich auch ein Kostenbescheid in Höhe von 40 409 Euro und 96 Cent.

Sämtliche Bemühungen der Gemeinde und vor allem der VG-Verwaltung, die Kosten zu reduzieren oder aber zumindest eine finanzielle Unterstützung zu erhalten, liefen ins Leere. Weder die angeschriebenen Ministerien und Anstalten auf Bundesebene noch die auf Landesebene waren dazu bereit oder sahen sich dazu in der Lage, sich an den Kosten zu beteiligen.

Und auch die Geka selbst zeigte keinerlei Entgegenkommen. So hatte die Verwaltung in einem Schreiben an das bundeseigene Unternehmen um eine Offenlegung der Preiskalkulation beziehungsweise eine Übersendung der Gebührenordnung gebeten, um nachvollziehen zu können, wie sich die enormen Kosten zusammensetzen. Dazu jedoch war die Geka nicht bereit.  Zudem ließ sie die Verwaltung in einem Antwortschreiben vom November 2018 wissen, dass ihr als GmbH eine „Reduzierung des Preises zu Lasten der Gesellschaft und somit auch indirekt zu Lasten des Bundeshaushaltes“ nicht erlaubt sei.

Vor wenigen Wochen nun hat der Betrieb aus Rittersdorf die Rechnung bekommen. In dieser Zahlungsaufforderung ging es dann aber nicht mehr um mehr als 40 000 Euro, sondern stattdessen eben nur noch um knapp 9860 Euro. Auf Nachfrage der Verwaltung, wie es den zu der erheblichen Verringerung der Entsorgungskosten gekommen sei, teilte das Unternehmen vor zwei Wochen in einer Mail mit: „Als wir nach einigen Gesprächen mit Ihnen festgestellt haben, dass der zuerst von uns aufgerufene Entsorgungspreis für Ihre Gemeinde eine sehr hohe finanzielle Belastung darstellt, haben wir nach einer alternativen Entsorgungsmöglichkeit gesucht. Nach Rücksprache mit unseren Anlageningenieuren hat sich nach ein paar Versuchen eine alternative Entsorgungsmöglichkeit über die Bodenwaschanlage der Geka mbH ergeben. Dies hat zu den nun von uns aufgerufenen, geringeren Entsorgungskosten geführt, die wir gerne an Sie weitergegeben haben. Hierzu fühlen wir uns als ein Unternehmen des Bundes verpflichtet.“

Wer oder was für diesen Sinneswandel verantwortlich ist, dazu hat auch der in der Verwaltung zuständige Sachgebietsleiter Peter Kandels keine Erklärung. Ob die Bemühungen der Verwaltung letztlich doch zum Erfolg geführt hätten oder aber der Grund vielleicht ein ganz anderer ist, könne er nicht sagen, teilt Kandels auf Anfrage mit. „Wir haben uns alle darüber gefreut, gleichzeitig aber auch gefragt, wie es dazu kommt.“

Irrels Ortsbürgermeister Herbert Theis geht es da ähnlich. Der Chef der hoch verschuldeten Gemeinde ist letztlich froh, dass von dem im Haushalt bereits eingeplanten 40 000 Euro nun doch nur knapp 10 000 Euro benötigt werden. Dass die deutlich günstigere Entsorgungsvariante allerdings nicht direkt angeboten wurde, sorgt sowohl beim Bürgermeister als auch den übrigen Ratsmitgliedern für Kopfschütteln. Und auch der Beigeordnete Bares kann sich nur wiederholen: „Von über 40 000 auf unter 10 000 Euro runter – da fühle ich mich einfach verarscht.“

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