1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Er legt den Finger in die Wunde

Er legt den Finger in die Wunde

Rund 3880 Wehrleute gehen für die Menschen im Eifelkreis Bitburg-Prüm durchs Feuer. Doch bei der Besetzung der Spitzenposition des Kreisfeuerwehrinspekteurs war sich die Führungsriege Ende August nicht einig. Die Wahl scheiterte. Heute soll im zweiten Anlauf ein Nachfolger für Manfred Schuler gefunden werden.

Manfred Schuler (53) aus Prüm hat bisher das Amt des Kreisfeuerwehrinspekteurs (KFI) innegehabt und ist auf eigenen Wunsch am 30. September von Landrat Joachim Streit entpflichtet worden. Über die im ersten Anlauf gescheiterte Neuwahl eines Nachfolgers sowie Konflikte innerhalb des Führungsteams sprach Schuler mit TV-Redakteurin Dagmar Schommer.

Warum ist Ihrer Ansicht nach die Wahl eines neuen KFI im August gescheitert?
Schuler: Ich glaube, dass die Wahl im ersten Anlauf gescheitert ist, weil einige Wehrleiter den Kandidaten Willi Schlöder, den ich als optimal geeigneten Kandidaten für meine Nachfolge auch heute noch ansehe, nicht objektiv beurteilt haben. Persönliches Vorteilsdenken, Kirchturmdenken und fehlende Loyalität haben wohl den Ausschlag für den unrühmlichen Ausgang dieser geheimen Wahl gegeben.

Was müsste Ihrer Ansicht nach passieren, damit die Mannschaft wieder besser zusammenfindet?
Schuler: Nach diesem Wahldesaster ist es erforderlich, dass einzelne Führungskräfte ihr Handeln überdenken und sich ihrer Verantwortung auch als Vorbild für viele Tausend Feuerwehrleute im Eifelkreis, bewusst werden. Sie sind durch dieses Wahlverhalten und die Folgen als ,die Feuerwehr\' verunglimpft worden. Ein ehrliches und offenes Gespräch untereinander könnte hierzu Lösungsansätze bieten.

Wie erklären Sie sich die sich häufenden Rücktritte in der Führungsmannschaft der Feuerwehren im Eifelkreis?
Schuler: Das ist ein generelles Problem der Feuerwehren in ganz Rheinland-Pfalz aufgrund der Strukturen und den gesetzlichen Anforderungen, die an die Führungskräfte gestellt werden. Im Landesdurchschnitt verweilen Feuerwehrführungskräfte nur noch fünf Jahre in ihren Ämtern.
Gründe sind die immer größer werdenden Aufgaben, etwa durch Einführung des Digitalfunks, atomare Störfälle und Androhungen von Amokläufen, großflächige Stromausfälle und vieles mehr - also da, wo das Land hohe Anforderungen stellt. Dadurch sind die Verwaltungs- und Organisationstätigkeiten der Führungskräfte enorm gestiegen. Diese verantwortungsvollen Ehrenämter sind deshalb nicht mehr nebenberuflich zu erfüllen. Das Wissen um diese Verantwortung und die Sorge, dieser nicht mehr neben einem anspruchsvollen Beruf und einem geregelten Familienleben gerecht werden zu können, haben dann nach langem Abwägen zu meiner Entscheidung geführt, mich von der Aufgabe des Kreisfeuerwehrinspekteurs entpflichten zu lassen. Für mich war das der richtige Entschluss. scho
Extra

Die 221 Feuerwehren des Eifelkreises Bitburg-Prüm: Stadt Bitburg: sechs Wehren mit rund 185 Wehrleuten; VG Bitburg-Land: 47 Wehren mit rund 800 Wehrleuten; VG Irrel: 17 Wehren mit rund 350 Wehrleuten; VG Neuerburg: 40 Wehren mit rund 545 Wehrleuten; VG Speicher: neun Wehren mit rund 170 Wehrleuten; VG Kyllburg: 19 Wehren mit rund 380 Wehrleuten; VG Prüm: 54 Wehren mit rund 1000 Wehrleuten VG Arzfeld: 29 Wehren; 450 Wehrleute. scho