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Er mag Pasta, van Halen und Leute mit Ecken und Kanten

Er mag Pasta, van Halen und Leute mit Ecken und Kanten

Der TV stellt in der Reihe „Ein Abend mit…“ die Kandidaten für das Bürgermeisteramt vor. Mit Ralf Olk, der Amtsinhaber Joachim Kandels herausfordert, waren wir im Simonbräu.

Er kommt in heller Sommerhose mit blau-kariertem Hemd. Kein Jackett, keine Krawatte. Ist ohnehin schon heiß genug. Das Lokal seiner Wahl: das Simonbräu. "Das ist für mich ein Wohlfühlort", sagt Ralf Olk. "Das hat Atmosphäre, eine gelungene Ausstattung und einen speziellen Wirt", fügt er hinzu. Den kennt er ebenso gut wie die Kellnerin.

Dann wird Olk erstmal von ein paar Herren begrüßt. Ein Stammtisch. Und den ein oder anderen der Herren hat er erst einen Abend zuvor gesehen hat. Der Rotary Club hatte den Bürgermeisterkandidaten eingeladen, sich vorzustellen. Keine Frage: Es hat sich längst rumgesprochen, dass der 52-jährige Unternehmer bei der Wahl im September antritt. Seit er im Februar sein Interesse an dem Amt öffentlich gemacht hat, habe er eine Menge Zuspruch erfahren. Inzwischen unterstützen Liste Streit und SPD die Kandidatur des parteilosen Bewerbers.

Als erstes bestellt er mal "ein 1817". Das Jubiläumsbier der Brauerei: "Das ist schön süffig, ein guter Aperitif." Beim Blick in die Speisekarte ist die Wahl schnell getroffen: "Entweder Pasta oder Salat." Am Ende läuft es auf Bandnudeln mit Steinpilzen samt Beilagensalat hinaus. Er mache auch schon mal selbst Spaghetti aglio olio - mit Olivenöl und Knoblauch: "pro Person so drei Zehen". Kochen zu können, würde er nicht von sich behaupten: "Aber einige Gerichte mache ich gerne und auch gut." Etwa Rindersteaks, am liebsten aus der hohen Rippe mit Rosmarin-Kartoffeln. Die Steaks für ihn "englisch"; für den Rest der Familie lieber "welldone".

Olk ist Familienmensch, seit 25 Jahren verheiratet, und wenn seine Frau früh zur Arbeit geht, sei er "Hausfrau und Mutter", wie er sagt. Macht Frühstück für seine zwölfjährige Tochter und kümmert sich im Haushalt, bis er selbst los muss.

Ein Unternehmer mit Erfindergeist, hat ein Reisebüro und schließlich das Jugendhotel mit zwei Mitstreitern gegründet, das er heute als Geschäftsführer leitet. Jugend ist für den Tourismusfachmann, der sich im Vorsitz der Interessengemeinschaft "Junge Eifel" engagiert, nicht nur von Berufswegen ein wichtiges Thema: "Die Frage ist doch, was muss Bitburg in Zukunft bieten, dass junge Leute, die es zum Studium oder zur Ausbildung in andere Städte zieht, gerne wiederkommen, um hier zu leben."

Wahlprogramme sind aber an diesem Abend kein Thema. Es geht um den Privatmann, den Typ Ralf Olk. Der ist locker, scherzt mit der Kellnerin und ist zum Essen von "1817" auf einen Grauburgunder umgestiegen.

Sich selbst beschreibt er so: "Ich bin ein Mensch, der viele Ideen hat, aber trotzdem kein Traumtänzer ist, weil ich mich auf die Ideen konzentriere, die umsetzbar sind." Und: "Ich bin kommunikativ, gerne unter Menschen. Die mit Ecken und Kanten mag ich besonders. Ich kann mich an Themen festbeißen, mal denke ich leider, mal Gott sei Dank." Und wie würde seine Frau ihn wohl beschreiben? Darauf Olk: "Die sagt immer: Mit Dir ist nie langweilig."

Hobbys im klassischen Sinne habe er keine: "Ich spiele weder Golf, noch sammel ich Briefmarken." Er reist gerne. Im Winter mit der Familie zum Skifahren, Wohnmobil-Touren durch Südfrankreich, Spanien oder Kroatien und er ist fasziniert von Rom ("Lässigkeit und Stil zusammen mit Geschichte und Großstadt-Flair") und Berlin ("eine Stadt, die in einem steten Wandel ist und die man immer wieder neu entdecken kann"). Er läuft "sehr gerne, aber mäßig" - dreieinhalb bis fünf Kilometer drei, vier Mal die Woche. Bei jedem Wetter. Er mäht den Rasen, das Grundstück ist mit 2000 Quadratmetern eher groß, baut Hochbeete, Gartenhäuser und Grillstationen: "Handwerklich bin ich ganz gut." Und Olk, gebürtig aus Gilzem, fährt "leidenschaftlich gerne" Bus - sein Vater hatte ein Busunternehmen.

In der Philharmonie in Luxemburg hört sich Olk auch gerne mal ein Konzert an ("einfach ein Erlebnis") und er schätzt das Eifel-Literatur-Festival ("tolle Veranstaltungsreihe, die mich immer wieder überrascht").

Eine andere Stadt als Bitburg sei für ihn nie in Frage gekommen: "Ich wollte mich schon früh selbstständig machen, hier hatte ich dazu die Chance. Dann lernte ich meine Frau kennen, die auch hier Fuß gefasst hat. Für uns hat sich nie die Frage gestellt, irgendwo anders zu leben." Was er an Bitburg schätzt: "Es ist die Mischung aus ländlichem Idyll, jeder kennt jeden, man trifft sich und dann gibt es eine sehr dynamische städtische Entwicklung."

Die Idee, sich um das Bürgermeisteramt zu bewerben, sei einige Zeit gereift. "Es hat mit einfach nicht mehr losgelassen." Und dann war klar: "Wann, wenn nicht jetzt." Nach 30 Jahren Tourismus wolle er gerne noch mal was anderes machen, sich weiterentwickeln. "Meine Familie hat positiv reagiert, aber auch mit dem gebotenen Respekt." Den hat auch Olk vor dem Amt. Dass die kommenden Wochen kein Spaziergang werden, ist ihm klar. Aber er will es wissen: "Ich bin überzeugt, dass ich das kann."

Steckbrief von Ralf Olk

Alter: 52 Jahre

Familie: Frau Christiane (52) und Kinder Christopher (22), Katharina (20) und Juliane (12)

Wohnort: Stadtteil Stahl

Sternzeichen: Wassermann

Lieblingsmusik: "Ich mag vieles. Von Van Halens Jump über Reinhard May bis zu den Werken von Beethoven."

Lieblingsbuch: "Ohrfeige" von Abbas Khida (gut), "Corups Delicti: Ein Prozess" von Juli Zeh (na ja), "Ich bin kein Berliner - ein Reiseführer für faule Touristen", Vladimir Kaminer (witzig)

Lieblingsessen: Erbseneintopf und: "alles was meine Frau kocht".

Ein Essen, das er gar nicht mag: Vollkornreis

Lieblingsgetränk: "Wasser, aber auch gerne mal einen Wein und manchmal geht nichts über ein schön gekühltes Bitburger."

Lieblingstier: Hunde. "Die spiegeln das Verhalten ihrer Besitzer wider. Das fasziniert mich. Wir hatten bis vor Kurzem eine Hündin, sie hieß Fis."

Ein Land, das er gerne mal sehen würde: "Israel. Das interessiert mich: Die Geschichte dieses doch jungen Staates in Kombination mit der uralten Geschichte des Heiligen Lands. Das will ich mir gerne mal alles ansehen."

Ein Beruf, von dem er als Kind geträumt hat: "Ich wollte Maschinen bauen. Als Kind hätte ich mir gut vorstellen können, Ingenieur zu werden."

Und das würde er gerne noch lernen: "Den Bootsführerschein würde ich gerne machen. Das würde mich reizen."


Werdegang


Nach Abitur und privater Wirtschaftsfachschule in Trier hat Ralf Olk eine Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann absolviert. Er hat ein Reisebüro in Bitburg gegründet sowie den elterlichen Omnibusbetrieb bis zum Verkauf 2004 geführt. 1998 hat Olk mit zwei Mitstreitern das Jugendhotel Youtel gegründet, das er bis heute als Geschäftsführer leitet. Neben Ehrenämtern in Tourismusverbänden engagiert er sich Olk seit 2002 im Verwaltungsrat von Liebfrauen und in der Pfarreiengemeinschaft Bitburg. Zudem ist er stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrats der St. Franziskus Kirchenstiftung und im Aufsichtsrat der Kita GmbH.