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Er will doch nicht Bitburgs Bürgermeister werden

Er will doch nicht Bitburgs Bürgermeister werden

Roland Feldges hat mit dem Amt geliebäugelt. Aber der 52-jährige Schreinermeister hat sich anders entschieden. Im TV erklärt er, warum.

Eines muss man ihm lassen: So wie Roland Feldges hat vorher noch kein anderer Bürgermeisterkandidat seinen Hut ins Rennen geworfen. Genau genommen war es auch gar kein Hut, sondern eine Narrenkappe, die der 52-Jährige bei seinen Fastnachtsauftritten im Mötscher Gemeindehaus und im Bitburger Haus der Jugend dieses Jahr auf dem Kopf hatte.

In seiner Büttenrede hatte Feldges als Karnevalsprinz aufgezählt, was in Bitburg so alles schiefläuft und was er täte, wenn er Bürgermeister wäre. Ein bisschen so, wie leicht abgewandelt in dem Hit "König von Deutschland" von Rio Reiser: "Das alles, würd' ich machen, wenn ich Bürgermeister von Bitburg wär'".

Der ganze Inhalt des Vortrags war natürlich nicht ernst gemeint. War ja schließlich nur ein Spaß. Und doch war es am Ende mehr als nur eine Büttenrede. Das kam auch bei den Zuhörern so an, die sich gefragt haben, ob der Schreinermeister nicht vielleicht doch eine Regentschaft anstrebt, die über die fünfte Jahreszeit hinausreicht.
Das Gerücht machte schnell die Runde. Und tatsächlich hätte sich Feldges zu dieser Zeit durchaus vorstellen können, um das Bürgermeisteramt bei der Wahl im September zu kandidieren, wie er auch unserer Zeitung Ende Februar bestätigte. Es war eine Überlegung, die ihn ernsthaft beschäftigt hat, aber zu dieser Zeit war noch nichts entschieden, alles offen. Inzwischen hat er mit diesem Gedanken definitiv abgeschlossen.

"Ich bin raus aus der Nummer", sagt er gut drei Monate später und macht dabei nicht den Eindruck, als würde er mit dieser Entscheidung noch hadern. "Ich habe lange hin und her überlegt und mir wirklich viele Gedanken gemacht", so Feldges, "doch ich glaube, ich bin einfach nicht der Typ für diesen Job." Als selbstständiger Handwerker sei er es gewohnt, Dinge anzupacken, um am Ende des Tages ein sichtbares Ergebnis zu haben, erklärt der Bitburger.

"Wenn ich in meiner kleinen Firma etwas zu entscheiden habe, dann entscheide ich das einfach", sagt er. Aber genau das sei bei einer Verwaltung mit all ihren Gremien nun mal nicht möglich. "Das würde mich verrückt machen", fügt der 52-Jährige lachend hinzu.

Zudem sei die Stadt aufgrund ihrer hohen Schulden ohnehin in ihrer Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt. "Und ich möchte nicht nach acht Jahren da stehen und zu mir sagen: Das habe ich nicht erreicht und das nicht und das auch nicht."

Auch wenn er viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung bekommen habe, so sei er froh, dass er diese Entscheidung nun getroffen habe. "Ich brauche bei meiner Arbeit ein klares Ziel vor Augen - ein Ziel, das ich auch erreichen kann."KommentarSchade!

Das Bürgermeisteramt ist nicht irgendein Job. Es ist eine Aufgabe, die von dem, der sich ihr stellt, alles fordert. Das muss man wirklich wollen - mit allen Konsequenzen. Dass Roland Feldges sich anders entschieden hat, ist schade. Jeder zusätzliche Bewerber mobilisiert Bürger, die damit ja auch eine größere Auswahl haben. Eine Wahl haben die Bitburger trotzdem: Amtsinhaber Joachim Kandels gegen Herausforderer Ralf Olk. Da sollte die Wahlbeteiligung doch wohl höher ausfallen als in Wittlich, wo sie mangels ernstzunehmendem Gegenkandidaten im März bei erschreckenden 33 Prozent lag. d.schommer@volksfreund.de