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Er würd’s glatt wieder machen

Er würd’s glatt wieder machen

Der Verbandsgemeinderat Arzfeld hat den Stand beim Breitband-Ausbau diskutiert und die Weichen für die anstehende Bürgermeisterwahl gestellt. Amtsinhaber Andreas Kruppert steht schon mal als Kandidat bereit.

Arzfeld Ende einer langen, kontroversen Geschichte: Die ehemalige Hauptschule in Waxweiler ist abgerissen - der Rat der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld hat am Donnerstag einstimmig dafür votiert, aus dem Gelände ein kleines Baugebiet zu machen. Drei Grundstücke gibt die Fläche her - und VG-Bürgermeister Andreas Kruppert freut sich darüber, "dass es bereits Interesse für diese Baustellen gibt".
Es ist das Finale einer Kontroverse, die dem Bürgermeister "ein paar schlaflose Nächte bereitet" und bei der er sich auch gefragt habe, ob er damals immer richtig vorgegangen sei.
Vor vier Jahren war das. Die Grundschule brauchte Platz für ihr Ganztagsprogramm, die Hauptschule daneben stand leer. Kruppert und die Verwaltung wollten die Grundschule ausbauen, die Eltern und die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion forderten den Umzug ins Hauptschulgebäude, obwohl es umfassend hätte saniert werden müssen. Da standen sich die Fronten gegenüber - und es krachte zwischendurch gewaltig.
Warum der Blick zurück? Weil Krupperts Amtszeit im April 2018 endet. Weil in der VG bis spätestens Januar gewählt werden muss. Und weil er wieder antreten wird.
Der Rat stellt am Donnerstag die Weichen für die Ausschreibung des Postens. Wahltermin: Sonntag, 24. September - gleichzeitig mit dem Bundestag.
Der TV fragte Kruppert nach Erfolgen und Missgeschicken seiner Amtszeit - die ja bereits feurig begann: mit einer CDU-internen Revolte. Eine Gruppe von Abtrünnigen hob Kruppert auf den Schild, der so gegen den offiziellen Parteikandidaten Klaus Juchmes und drei weitere Bewerber antrat - und nach der gewonnenen Stichwahl gegen Juchmes ins Rathaus einzog.
"Das war keine einfache Situation", sagt Kruppert heute. Aber es habe ihn sehr gefreut, "dass nach der Wahl alle Akteure in den Zusammenarbeitsmodus geschaltet haben". Den haben sie weitgehend beibehalten. Auch wenn ihnen nicht alles gelingt - wie der Umbau der früheren Hauptschule in Daleiden in ein "Haus der Bildung" mit Grundschule und Kindergarten - ein Vorhaben, das an der zu hohen Schadstoffbelastung scheiterte.
Aber sonst? Viel Positives, findet der VG-Chef: Die "Islek Energie" wurde gegründet, mit Photovoltaikanlagen auf zahlreichen öffentlichen Gebäuden und einer großen Freifläche bei Arzfeld - und wirft jedes Jahr einen fünfstelligen Gewinn ab. Das Solidarmodell bei der Windkraft - Kruppert ist überzeugt, das "sich das zu einer Erfolgsgeschichte entwickeln wird". Das Jugendparlament, das Krupperts Idee war. Den Bürgerbus. Kurz: "Ich hab viel Freude an meiner Arbeit. Sie ist unglaublich fordernd und kostet schon mal Nerven, aber das ist ja in jedem Beruf so."
Zumal ein weiterer Punkt aus der Sitzung alle zuversichtlich stimmt: Die Versorgung mit schnellen Internetverbindungen - dazu sind Helmut Berscheid und Günter Gansen von der Kreisverwaltung dabei, auf Anregung von Rainer Hoffmann (SPD).
Die Initiative des Kreises ist inzwischen schon deutlich vorangekommen - gerade auch in der VG Arzfeld. Immerhin, sagt Kruppert, "waren wir eine der unterversorgtesten Ecken in der ganzen Bundesrepublik". So ist es aktuell nicht mehr, viele Orte sind inzwischen flotter im Netz. Wenn auch noch viel zu tun bleibt und, auch das wird bei Berscheids Vortrag klar, die ganze Sache hochkomplex ist - was die stetig voranschreitende Technik, aber auch die Förderung betrifft. 14 Millionen Euro, kräftig von Land und EU unterstützt, hat das Pionierprojekt bisher im Kreis gekostet, weitere 25 Millionen dürften nach Angaben von Berscheid in den Folgejahren dazukommen.
Dennoch: "Bis Ende 2018, Anfang 2019", sagt Helmut Berscheid, sollen die Anschlüsse in der VG weitgehend ausgebaut sein. Wobei noch nicht geklärt ist, wie das mit Häusern und Höfen zu regeln ist, die weit draußen stehen.
Viel Lob ernten Berscheid und Gansen von allen Seiten. Ernst Hitzges, SPD: "Vor zehn Jahren hätte niemand gedacht, dass wir einmal auf dem Stand wären, den wir jetzt haben."
Zuspruch auch für einen weiteren Referenten in der Sitzung: Marc Spiekermann. Den Jugend-Sozialarbeiter teilen sich die Arzfelder mit der VG Prüm. Das Modellprojekt des Kreises läuft allerdings zum Jahresende aus. Danach würde das Land 30 Prozent der Kosten übernehmen, der Kreis weitere 30 Prozent, 40 Prozent, etwa 10 000 Euro, müsste die VG tragen.
Das wollen alle. Horst Zils (FWG), Ortsbürgermeister von Üttfeld, hatte Spiekermann bereits mit einem Projekt in seiner Gemeinde und dankt ihm ebenfalls für dessen Arbeit. "Ich kann alle anderen Ortsbürgermeister nur dazu aufrufen, auf Ihr Wissen zurückzugreifen".KommentarMeinung

Reingefunden
Seine Amtszeit begann mit einem Knall - und Verletzungen in den CDU-Reihen. Es hätte für Andreas Kruppert schwer werden können als Bürgermeister. Heute steht die Partei hinter ihm. Und auch mit den anderen Fraktionen im Rat läuft es ziemlich reibungslos. Mal abgesehen vom Schulkrach vor vier Jahren, den er heute durchaus selbstkritisch sieht. Auch deshalb steht fest: Da hat einer in sein Amt gefunden, allerhand geschafft - und ist gerade mal 37 Jahre alt. Wer gegen ihn antritt, wird es schwer haben. f.linden@volksfreund.de