Erhalten oder vernichten?

Zahlreiche Besucher waren ins Hotel "Birgeler Hof" gekommen, um an einer Diskussion zum Thema "Westwall im Vulkaneifelkreis - Abriss oder zu sicherndes Denkmal?" teilzunehmen. Moderator des Abends war der Vorsitzende der Eifelvereins-Bezirksgruppe Vulkaneifel, Landrat Heinz Onnertz.

Birgel. (red) Der Vorsitzende der Eifelvereins-Bezirksgruppe Vulkaneifel, Landrat Onnertz, konnte zahlreiche Besucher im voll besetzen Saal des Hotel "Birgeler Hof" in Birgel begrüßen. Sie alle waren an dem aktuellen Thema "Westwall im Vulkaneifelkreis - Abriss oder zu sicherndes Denkmal?" interessiert. Sehr anschaulich und mit reichem Dokumentationsmaterial belegt, informierte Diplom-Agraringenieur Gerd Ostermann über das geschichts trächtige Thema. Der Westwall, weit über 600 km lang und mit über 18 000 Bunkern, Stollen, zahllosen Gräben und Panzersperren, verlief von Kleve aus entlang der Westgrenze des ehemaligen Deutschen Reiches bis an die Schweizer Grenze. Auch unter dem Namen Siegfried-Linie bekannt, tangierte er den heutigen Vulkaneifelkreis und ist in Resten noch erkennbar. Bereits 1936 geplant, wurde er zwischen 1938 und 1940 errichtet. Parallel dazu baute die Luftwaffe die Luftverteidigungszone-West hinter dem Westwall zwischen Mosel und Rhein eine Kette von Flugabwehrstellungen mit eigenen Bunkern zur Bodenabwehr auf. Auch von solchen Flak-Stellungen oder V-1-Abschussrampen finden sich noch spärliche Reste im Vulkaneifelkreis. Mythos und Propaganda ließen den nie fertiggestellten Westwall zu einem "unüberwindlichen Bollwerk" werden. "Aber es war nur ein Hinderniswerk", so Ostermann, "vor dem die Alliierten große Angst hatten. Er stellte für sie nicht nur eine physische, sondern auch eine psychologische Grenze dar." Weiter berichtete er, wie die damalige größte Baustelle Europas auch das vorher relativ ruhige und abgeschlossene Leben der Eifelbevölkerung beeinflusste. Gelder flossen in die Dörfer durch private Einquartierungen, Arbeitsbereiche eröffneten sich, Sprachen, Religionen, Moralvorstellungen wandelten sich, und dies in einer Zeit, die von wirtschaftlicher Depression, Arbeitslosigkeit und nationalem Zerfall geprägt war. Es kam zu sozialen und gesellschaftlichen Folgen, die bis heute Auswirkungen haben. In der Nachkriegszeit wurden viele der Westwallanlagen durch Sprengungen total geschleift, liegen noch als sichtbare Trümmer und kilometerlange "Drachenzähne" in der Landschaft oder wurden übererdet. Aber es wäre durch nichts zu rechtfertigen, würde man die letzten Reste dieses Westwalls gänzlich verschwinden lassen nach dem Motto: Wenn man nichts sieht, dann war da auch nichts. So war die große Versammlung einhellig in ihrer Meinung, die verbliebenen Reste des Westwalls, die alle im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland sind, sollten unter Denkmalschutz gestellt werden und wenn es auch ein "Denkmal des Unerfreulichen" ist. Sie müssen mehr sein als zugedeckte Bodendenkmäler, mehr als reine Biotope, wenn auch mit wichtigem ökologischen Auftrag für unsere heimische Fauna und Flora (Grüner Wall im Westen, Projekt des BUND). Sie müssen der Nachwelt erhalten bleiben, ähnlich wie beispielsweise der römische Befestigungswall Limes. In diesem Sinne äußerte sich auch Peter Drespa aus Dahlem, der es als seine Hauptaufgabe ansieht, den Westwall an der Grenze des Vulkaneifelkreises zu erfassen, zu dokumentieren und vor allem durch Führungen und Vorträge nachfolgenden Generationen anschaulich Geschichte zu präsentieren. In den noch wenigen erhaltenen Anlagen soll auch der Laie die Funktion des Westwalls erkennen und verstehen. Kontakt: www.westwallzentrum.de."Ich bin sehr erfreut über die große und positive Resonanz dieser Veranstaltung", sagte Alois Mayer, der als Geschäftsführer diesen Kulturabend organisiert hatte, "es sind sogar Vertreter aus Ostbelgien, von Camp Elsenborn und Vogelsang anwesend gewesen, die Wert darauf legen, dass Westwallreste erhalten bleiben, um diese im Verbund mit den Nachbarländern nachkommenden Generationen als Denk-Mal, als Mahn-Mal im wahrsten Sinne des Wortes zu erhalten und für einen sinnvollen und verantwortungsbewussten Tourismus bereitzustellen."