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Erhoffter Tourismusboom setzt in der Eifel ein

Fremdenverkehr : Erhoffter Tourismusboom setzt in der Eifel ein

In Coronazeiten boomt der Inlandstourismus. Das ist auch in der Eifel spürbar. Das Interesse an Infos für Gäste ist merklich gestiegen, insbesondere die Ziele für Tagesausflüge werden noch vor der eigentlichen Feriensaison deutlich öfter besucht.

Am Freitag vor Pfingsten bekamen die Menschen rund um Hillesheim einen Eindruck davon, was Touristenansturm bedeuten kann: Die Karawane der Autos mit auswärtigen Kennzeichen, die weiter hinein in die Eifel wollten, staute sich fast kilometerlang. Bei der Kreuzung zum Freilinger See mit dem berühmten Blitzer war es fast unmöglich, auf die Landstraße hinunter ins Ahrtal abzubiegen … Stoßstange an Stoßstange rollten die Autos aus dem Norden. Der Trend hat sich auch in den folgenden Wochen fortgesetzt und nahm sogar weiter zu.

„Der Juli zählt üblicherweise immer zu den stärksten im Jahr“, erläutert Wolfgang Reh von der Eifel Tourismus (ET) GmbH in Prüm. „Aber im Vergleich zum Vorjahr haben wir jetzt sogar ein Umsatzplus bei den gebuchten Pauschalangeboten von rund dreißig Prozent.“ Die Gäste suchten gerade in Coronazeiten „durchorganisierte und sichere Angebote, die draußen in der Natur stattfinden und gleichermaßen Erlebnis versprechen“. Dafür erweist sich die Eifel offenbar als Idealfall.

Die mit dem Eifelsteig verbundenen touristischen Pakete konnten laut Reh im jetzigen Juli die stärkste Nachfrage der letzten zehn Jahre verzeichnen. Auch der organisierte Radtourismus zwischen Aachen und Trier stoße auf stark angewachsenes Interesse. „In Spitzenzeiten gehen in unserem Service-Center bis zu 250 Anfragen pro Tag ein.“

Bevor sich Touristen jedoch für die Eifel als Urlaubsziel entscheiden, suchen sie Informationen darüber, was die Region zu bieten hat. Denn zwar ist sie schon lange eine angesagte Reisedestination und regelmäßig werden ihre zertifizierten Wanderrouten zu den schönsten im Land gekürt.

Aber: Wenn ein Großteil der 83 Millionen Deutschen Abstand nimmt von Flugreisen oder Kreuzfahrten, gibt es zwangsläufig sehr viele, die Ferienlandschaften im Inland erst noch entdecken. Auf der ET-Homepage sowie auf der Internetseite des Eifelsteigs haben sich im Juni die Klickzahlen im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt (www.eifel.info auf 1,26 Millionen; www.eifelsteig.de auf rund 332 000), der Mai-Vergleich verbuchte bereits ein Plus von 18 Prozent.

Bislang wurden auch die Coronainfos zur nordrhein-westfälischen und zur rheinland-pfälzischen Eifel schon 10 000 Mal abgerufen, denn in jedem Bundesland gibt es teils andere Vorschriften. Aber als wichtiges mediales Einfallstor erweist sich im Startmenü der ET-Seite auch die so genannte Landingpage „Wieder auf Tour“, die eigens für den Neustart nach dem Lockdown aufgebaut wurde und weiter wird. Hier geht es letztlich um so etwas wie Besucherlenkung: Denn nicht nur die Ostseestrände waren bereits überfüllt, auch etablierte Eifelhighlights wie der Nohner Wasserfall waren dem Ansturm aus den umliegenden Ballungsräumen an Wochenenden nicht mehr gewachsen.

Also soll Lust auf Neues und bislang weniger Bekanntes her: Geheimtipps für Tagestouren mit oder ohne Kinder, Kurzurlaube oder auch Shopping beispielsweise in Hofläden und Manufakturen. Die Seite dient so auch als Inspiration für die Eifeler selbst, ihre Umgebung mit neuen Augen zu sehen.

Bisweilen ist das sogar für die Prümer Touristiker und die mit ihnen zusammenarbeitenden Touristinfos vor Ort echte detektivische Kleinarbeit. Gerade bei den Erlebnismöglichkeiten, die sonst nicht im Vordergrund stehen und oft nur Einheimischen bekannt sind, gibt es viel zu tun, bis daraus ein buchbares Angebot wird: „Ist der Wanderweg gut genug ausgeschildert? Wie viele Menschen passen gleichzeitig ins Besucherbergwerk, um die Abstandsregeln einzuhalten? Ist aus dem Tipp ein ganztägiger Ausflug mit Einkehr machbar? Wie sind Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe… gibt es da Hotels, Ferienwohnungen, Campingplätze?“, schildert Reh den Fragenkatalog, der abgearbeitet wird.

So erweist sich gerade der Corona-Sommer 2020 hinter den Kulissen als Saison mit besonders vielen Herausforderungen für die Touristiker… keine Spur von ruhiger Kugel im Home Office, weil vermeintlich vieles runtergefahren wurde. „Es ist aber eine große Chance für die Eifel, sich auch bei den Urlaubern in die Herzen zu spielen, die sie bisher nicht kannten. Wir hoffen, dass dies lange nachwirkt.“