Stadtentwicklung: Erholsam und mühsam zugleich – Neuerburg will Stadtpark aufwerten

Stadtentwicklung : Erholsam und mühsam zugleich – Neuerburg will Stadtpark aufwerten

In Neuerburg beschäftigen sich Bürger und ein Planungsbüro mit der Aufwertung des Stadtparks. In der Sitzung des Stadtrats wurde über Gestaltungsvorschläge informiert – und in diesem Zusammenhang auch über ein Schreiben der Kreisverwaltung.

Die Bilder, die im Sitzungssaal des Neuerburger Stadtrats an die Wand projiziert werden, zeigen ein Idyll, von dessen Existenz man so gut wie gar nichts mitbekommt, wenn man mit dem Auto durch Neuerburg fährt. Und das obwohl dieses Kleinod mitten im Ort liegt. Wenngleich es angesichts der Topographie schwierig ist, von irgendeiner Stelle in Neuerburg als Stadtmitte zu sprechen. Wie ein Aal schlängelt sich der Ort auf einer Länge von gut drei Kilometern durch das enge Enztal. Und diesem Verlauf angepasst hat sich auch der Stadtpark.

Auf den Bildern ist das Potenzial dieser Anlage gut zu erkennen, aber eben auch der Handlungsbedarf. Die Bauwerke bei den Wasserfällen sind beeindruckend, der Bereich insgesamt aber recht ungepflegt. Der Weiher lädt zum Verweilen ein, ist aber leider verschlammt. Die lange Rutschbahn fügt sich hervorragend in die Natur ein, ist zum Rutschen aber nur bedingt geeignet. Die Felsenbühne verleiht Veranstaltungen im Park ein ganz besonderes Flair, das aber nur bei gutem Wetter. Und dann ist da schließlich noch die Enz. An manchen Stellen ist sie ziemlich zugewachsen, an anderen Stellen sind die Stützmauern brüchig oder bereits zusammengefallen.

In der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses wurde deshalb kürzlich der Entwurf eines Planungsbüros zur Aufwertung der Anlage vorgestellt (der TV berichtete).  Wenige Wochen später befasst sich nun auch der Stadtrat mit diesen Ergebnissen. Und auch in diesem Gremium ist die Meinung bei einigen Gestaltungspunkten durchaus geteilt. Größter Knackpunkt ist dabei die Felsenbühne. Das Planungsbüro hatte vorgeschlagen, dort als Wetterschutz eine Art Sonnensegel zu errichten – was bereits in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses für Diskussionen sorgte. Diese werden nun im Stadtrat fortgeführt.

Während Ratsmitglied Günter Scheiding die Auffassung vertritt, dass eine wirklich wind- und wetterfeste Lösung für die Bühne weder ästhetisch noch aufgrund der überschaubaren Zahl an Veranstaltungen notwendig sei, vertritt der Beigeordnete Klaus Rechin eine ganz andere Auffassung. „Wir sollten uns nicht von schönen Bildern blenden lassen“, sagt er. Ein Sonnensegel möge vielleicht optisch die schönere Lösung sein, bringe aber so gut wie gar nichts, meint Rechin. Einig sind sich aber beide wie auch die übrigen Mitglieder des Rats, dass dieser Aspekt von der Planerin noch mal überdacht werden muss.

Gleiches gilt auch für die von der Planerin vorgeschlagenen Gestaltungselemente. Um auf den Park aufmerksam zu machen, sollen an präganten Stellen so genannte Merkzeichen errichtet werden. Der Entwurf sieht eine Art Gewölbepfeiler vor, der sich nach oben hin auffächert und den Säulen von romanisch-gotischen Kirchen nachempfunden ist, wie man sie auch in Neuerburg findet. Seitens des Stadtrats wird diese Idee sehr begrüßt. Allerdings tun sich die Ratsmitglieder schwer mit dem Material, aus dem diese prägnanten Elemente gestaltet werden sollen. Eine wie vom Planungsbüro vorgeschlagene Verwendung von LKW-Plane, die als eine Art Außenhaut über ein formgebendes Korsett aus Edelstahlrohren gespannt werden soll, stößt im Rat jedenfalls auf wenig Begeisterung.

Letzteres gilt auch für den Zaun des Spielplatzes, der nach dem Entwurf des Fachbüros verschwinden soll. Mit dieser Lösung können sich nicht alle im Rat abfinden, weshalb die Planerin damit beauftragt werden, auch dazu Alternativvorschläge zu erarbeiten.

Was die Vorschläge betrifft, mit denen der Uferbereich aufgewertet wurden könnte, so kommen diese zwar insgesamt recht gut bei den Mitgliedern des Ausschusses und des Stadtrats an, allem Anschein nach aber nicht bei der Kreisverwaltung. „Alles, was mit Wasser zu tun hat, darüber kann man sich Gedanken machen, mehr aber auch nicht“, sagt Stadtbürgermeister Lothar Fallis und verweist auf ein Schreiben der Kreisverwaltung im Nachgang der Volksfreund-Berichterstattung über die Präsentation des Planentwurfs im Bau- und Umwelttausschuss.

Wie Fallis erklärt, habe der Leiter der Bauabteilung sowohl die Stadt als auch das Planungsbüro angeschrieben und in diesen Schreiben unmissverständlich klargemacht, dass eine Umgestaltung des Enzbereichs nicht in der Zuständigkeit eines Planungsbüros liege und deshalb darüber auch nicht über die Köpfe der dafür zuständigen Behörden hinweg etwas geplant werden könne.

Im Rat sorgen diese Schreiben für Kopfschütteln. „Das, was wir hier gemacht haben, ist ja im Grunde auch nichts anderes, als das, was jede Gemeinde beim Zukunfts-Check Dorf macht“, sagt Scheiding. Und ähnlich sieht das auch der Stadtbürgermeister. „Wir haben uns ja bislang nur Gedanken gemacht und über diese Gedanken informiert“, so Fallis. Und mehr auch nicht. Dass die Kreisverwaltung so darauf reagiere, könne auch er nicht nachvollziehen.

Der Stadtpark in Neuerburg hat viele schöne Ecken, aber eben auch Bereiche, in denen Handlungsbedarf besteht. Foto: Uwe Hentschel

„Wir sollten uns dadurch aber nicht von unserem Vorhaben abbringen lassen“, sagt der Stadtbürgermeister, „wohlwissend, dass wir das mit den Behörden abstimmen müssen.“

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